Reet und Stroh

Reet/Ried war in früherer Zeit das Deckungsmaterial der armen Leute. Heutzutage sind Rieddächer etwas "Besonderes", da die Eindeckung zeit- und arbeitsintensiv ist. Das Eindecken mit handgedroschenem Winterroggenstroh (Langstroh) ist dagegen kaum mehr anzutreffen. Diese sogenannten Weichdächer bieten gute Wärmedämmeigenschaften, sind leicht, dicht, windsicher und bei einfacher Pflege langlebig.
Von Nachteil ist die Empfindlichkeit des Materials gegenüber Feuer und Funkenflug, so dass heute bauaufsichtliche Mindestabstände etc. beachtet werden müssen. Selbst das Unterziehen von Strohdocken wurde im Mittelalter von den Stadtvätern aus Gründen der Feuergefahr verboten.

Die Mindestdachneigung für Stroh- und Reetdächer beträgt 45°. Je nach Deckmaterial und Region sind verschiedene Eindecktechniken verbreitet. Man unterscheidet dabei das genähte und das gebundene Dach:
Bei dem genähten Dach werden die Stroh- oder Reetbunde mit 1,5 cm starkem, verzinketen Draht in mehreren 10 cm dicken Lagen auf die Latten genäht.
Das gebundene Dach unterscheidet sich davon insofern, dass mit Hilfe von "Bandstöcken" die Reetbündel an die Lattung angepresst werden und die Bandstöcke an den Latten festgebunden werden. Früher waren Weidestöcke als Bindematerial im Einsatz, getränkte Bindfäden haben diese abgelöst und wurden später durch den verzinkten Draht ersetzt.

Der Firstbereich ist der Schwachpunkt des reetgedeckten Daches, denn hier stoßen von beiden Seiten die Riedbündel zusammen, und die Gefahr der Beschädigung ist sehr groß. Aufgrund der Sprödigkeit des Materials ist ein Knicken des Rohrs auf die andere Seite des Daches jedoch nicht möglich, so dass der First mit Gras- oder Heidelagen abgedeckt werden kann. Diese werden wiederum von kreuzweise verpflockten, über den First gespreizten Knüppeln festgehalten.
Eine andere Variante der Firstausbildung besteht in der Anordnung von gedrehten, dicht an dicht gebundenen Strohseilen, die ca. 70 -80 cm in die Dachfläche hineinreichen.

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