Hörsaal der Jut-Stiftung in Taipeh

Wollteppiche an Boden und Wänden verkürzen Nachhallzeit

Eine von Moosen überwucherte Grotte? Eine Blumenwiese, die die Wände hinaufwächst? Oder gar eine Kulisse aus einem Stanley-Kubrick-Film? Der neu gestaltete Hörsaal der Jut Group in Taipeh regt zu Assoziationen an. Die Architekten von MVRDV haben mit dem Umbau für die Kulturstiftung in der taiwanesischen Millionenstadt einen Ausnahmeort geschaffen. Der 240 Quadratmeter große Raum befindet sich neben den zur Foundation gehörenden Galerieräumen im Erdgeschoss des Gebäudes und bietet Platz für bis zu 176 Personen. Er soll nicht nur funktionaler Ort für Vorträge und Diskussionen sein, sondern auch Aushängeschild der Stiftung, die sich für Kunst und Architektur einsetzt und Stadtentwicklungsprojekte unterstützt.

Gallerie

Wer den Raum mit sieben ansteigenden Sitzreihen betritt, soll den Dreck, die Hektik und vor allem den Lärm der Großstadt vergessen. Dazu tragen die größtenteils von der Künstlerin Alexandra Kehayoglu geschaffenen Naturreminiszenzen bei, die sich sowohl auf dem Teppich als auch der textilen Wandverkleidung wiederfinden. Während der in Grün- und Brauntönen gemusterte Bodenbelag kurzfaserig ist, sind es bei den Wänden Wollfäden unterschiedlicher Längen, die zu einzelnen Büscheln und Flächen so zusammengeknüpft wurden, dass der Eindruck einer Landschaft entsteht.

Diese Verbindung aus Dreidimensionalität und dem gewählten Farbspektrum verleiht den Teppichwänden eine verblüffende Ähnlichkeit zu echten Pflanzen. Man muss zweimal hinschauen, um sicherzugehen, dass es sich nicht doch um Moose und Gräser handelt. Hier und da implizieren rote und weiße Sprenkel, selten auch ein Tupfer Blau, dass es sich auch um die abstrakte Darstellung einer Blumenwiese handeln könnte. Etwas länger als ein Jahr hat die Künstlerin dafür gebraucht, den getufteten Wandbehang in Handarbeit aus ausrangiertem Wollgarn der familieneigenen Teppichmanufaktur zu knüpfen.

Akustik
Sowohl der naturimitierende Raumeindruck als auch die hohen schallabsorbierenden Eigenschaften des verwendeten Materials tragen dazu bei, den Saal von der Außenwelt abzukapseln. Winy Maas von MVRDV spricht in Anspielung auf den Entkopplungseffekt von einer „akustischen Intervention“. Dabei hatte sich erst während des Entwurfsprozesses herausgestellt, dass Wolle zum Einsatz käme, denn zunächst waren Fototapeten mit Naturmotiven geplant. Das Zusammentreffen von Architekten und Künstlerin schließlich führte zu der textilen Variante, in die sich der Hörsaal heute hüllt – und die für eine gute Sprachverständlichkeit sorgt.

Denn angesichts des Raums als Vortragsort waren optimale Nachhallzeiten für Sprache zu planen. Dies gelang unter anderem durch die schallabsorbierenden Eigenschaften von Wolle, die als großflächiger poröser Absorber fungiert und zudem eine luftreinigende Funktion hat. Die siebenstufige Sitzplatzüberhöhung und deren Anordnung im Halbrund sorgen dafür, dass der Direktschall des Sprechers alle Zuhörerplätze gut erreicht. Des Weiteren erhöht die stoffbezogene Polsterung der Bestuhlung den Schallabsorptionsgrad. Um ein Flatterecho zu vermeiden, sind an der Decke Akustiksegel angebracht. In diese längsrechteckigen und farblich passend grünen Elemente ist die Beleuchtung integriert

Die Jut-Stiftung lädt Besucher ein, den Saal auch außerhalb von Vorträgen zu besuchen, um das dreidimensionale Kunstwerk zu betrachten und den Raum – eine entschleunigte Insel inmitten der hyperurbanen Umgebung von Taipeh – zu erleben.

Bautafel

Architekten:  MVRDV, Rotterdam
Projektteam: Winy Maas, Jacob van Rijs und Nathalie de Vries sowie Wenchian Shi,  Hui-Hsin Liao, Angel Sanchez Navarro und Xiaoting Chen
Projektbeteiligte: Alexandra Kehayoglou, Buenos Aires (Teppichkünstlerin)
Bauherr: Jut Group, Taipeh
Fertigstellung: 2017
Standort: No.178, Section 3, Civic Blvd., Da’an District, Taipeh / Taiwan
Bildnachweis: Jut Group, Taipeh

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