Kindertagesstätte Planckton in Tübingen

Umbau und Erweiterung mit gefalteter Dachlandschaft

Ein zentraler Forschungsbereich auf dem Campus der Max-Planck-Gesellschaft in Tübingen ist die Entwicklungsbiologie; auch die spezifischen Steuerungs- und Regelungsvorgänge von Organismen und Ökosystemen stehen hier im Fokus. Die kompakten, teils solitären Institutsgebäude entstammen verschiedenen Jahrzehnten und sind entlang einer zentralen Achse organisiert. Eine noch junge Einrichtung ist das Institut für Intelligente Systeme. Zurückversetzt zu diesem befindet sich an der südöstlichen Hangseite die Kinderkrippe Planckton. Die Kindertagesstätte erfüllt nicht nur den wachsenden Betreuungsbedarf für den Nachwuchs der hier Forschenden, sie erhöht auch die Attraktivität des Standortes für internationale Fachkräfte.

Gallerie

Ein ehemaliges Direktorenwohnhaus aus den 1950er-Jahren wurde dafür umstrukturiert, energetisch saniert und um einen Anbau ergänzt. Die Planung oblag dem Büro Architekten und Partner Dannien Roller. Die Kita ist gut erreichbar und dennoch ruhig gelegen. Das zum südlichen Tal abfallende Gelände geht in Grünanlagen mit Baumbestand über. Ein befestigter Spazierweg verläuft zu benachbarten Gartengrundstücken. Das Gebäude bietet Platz für 30 Kinder unter drei Jahren, die im Außenbereich mit Rasen und Beerensträuchern, Obstbäumen, Bobbycar-Fahrstrecke und Sandkasten spielen können.

Einheitliche Hülle für Bestand und Anbau
Von dem schlichten Nachkriegsbau mit Satteldach, der auf zwei Etagen 285 m² umfasst, blieb nur die massive Struktur erhalten. Der eingeschossige Anbau umschließt den Bestand an drei Seiten und bietet weitere 280 m² Fläche. Eine Fassadenbekleidung aus sandfarbenen Faserzementtafeln in verschiedenen Formaten eint alt und neu. Die Hülle erstreckt sich vom Satteldach des Bestands über dessen Fassaden und die des Anbaus, einem Holzrahmenbau. Dessen mehrfach gefaltetes Dach ist begrünt. Das Auf und Ab der Dachform bleibt in den zwei neuen Gruppenräumen sichtbar.

Räumliches Konzept
In Zusammenarbeit mit den pädagogischen Fachkräften der Kita entwickelten die Planer ein halboffenes Raumkonzept. Neben Gruppenarbeit sollen die Kinder auch selbstständig im Haus unterwegs sein und eigene Entdeckungen machen. Jede der drei Krippengruppen hat einen eigenen Raum: Zwei befinden sich in der Erweiterung und einer an der südlichen Ecke des Bestands. Sie sind über einen breiten Gang verbunden, an dessen Nordostseite sich der Eingang befindet, und der auch zur südwestlichen Gartenseite verglast ist. Diese Erschließungszone ist niedriger als der Anbau. Ein Windfang leitet über in den Flur, von dem auch die kindgerechten Toiletten, die Küche und weitere Räume erschlossen werden. Im Obergeschoss sind Büros untergebracht. Durch die im Erdgeschoss fast bodentiefen Fenster gelangt viel Tageslicht ins Gebäude, sie geben den Blick ins Grüne frei. Interne Sichtbezüge entstehen durch Fensternischen in den Wänden und einige Glastüren.

Akustik: Sprachverständlichkeit und Nachhallzeit
Bis zu 80 Dezibel kann die Lautstärke während Spielphasen in Gruppenräumen von Kindergärten erreichen. Das entspricht dem Lärmpegel einer Hauptverkehrsstraße. Bekanntermaßen verursacht Lärm Stress – sowohl bei Kindern als auch pädagogischen Fachkräften. Auch beeinträchtigen laute Hintergrundgeräusche die Hör- und Sprachfähigkeit. Für eine gute Raumakustik in der Tübinger Betreuungsstätte wurde daher bereits in einer frühen Planungsphase ein Akustikkonzept eingebunden. Bauliche Maßnahmen zur Lärmminderung verbessern die Arbeitsbedingungen der Erzieher und fördern die Sprachentwicklung der Kleinkinder, Kommunikation und Verständlichkeit werden erleichtert. Insbesondere für mehrsprachige Kinder, die aus internationalen Familien stammen und erst Deutsch lernen, ist dies wichtig. Für eine gute Hörsamkeit in Räumen ist die Nachhallzeit ausschlaggebend. Um sie zu optimieren, das heißt zu verkürzen, kommen Schallabsorber an der Decke zum Einsatz.

Schallabsorbierende Holzwolle-Leichtbauplatten
Alle Deckenflächen der unteren Etage sind mit magnesitgebundenen Holzwolle-Leichtbauplatten (HWL) in kräftigem Rosa verkleidet. Während die beiden Gruppenzimmer im Anbau eine doppelte Raumhöhe mit bewegter Deckenform haben, sind die Deckenflächen im Bestand plan. Im Brandüberschlagsbereich zum zweigeschossigen Baukörper konnte durch eine Mineralfaserauflage der Brandschutz in der Feuerwidestandsklasse F30 sichergestellt werden. So ist die Deckenuntersicht überall einheitlich. Die Akustikelemente im Format 1.200 x 600 mm sind im unregelmäßigen Läuferverband angeordnet. Mit unauffälligen Schrauben sind sie über eine Holzlattung an die OSB-Platten der Holzdachkonstruktion befestigt. Der Zwischenraum bietet Platz für die Installationsebene.

Die schallabsorbierenden und ballwurfsicheren Sauerkrautplatten bestehen aus zwei Millimeter dicken Holzfasern und einem emissionsfreien Bindemittel, sind daher gesundheitlich unbedenklich. Für die Einfärbung der Platten werden Silikatfarben auf der Basis von Kaliwasserglas und organischem Bindemittel verwendet. Der Schallabsorptionswert einer 15 Millimeter dicken Platte liegt zwischen αw = 0,65 und αw = 0,75 (abgehängt mit Akustikauflage).

Die Akustikdecke verkürzt nicht nur die Nachhallzeiten, sondern setzt zugleich einen gestalterischen Akzent. Der gewählte warme Farbton fällt insbesondere vor den weißen Wänden und dem hellgrünen, marmorierten Bodenbelag auf. -jb

Bautafel

Architektur: Architekten+Partner Dannien Roller, Tübingen
Projektbeteiligte: Schneck Schaal Braun Ingenieurgesellschaft Bauen, Tübingen (Statik und Bauphysik); Stefan Fromm, Dettenhausen (Außenanlagen); Ingenieurbüro Raible, Eningen (Elektrotechnik); Planungsgruppe M+M, Böblingen (Versorgungstechnik), Knauf AMF, Grafenau (Akustikplatten)
Bauherrschaft: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, München
Fertigstellung: 2017
Standort: Max-Planck-Campus, Spemannstr. 32, 72076 Tübingen
Bildnachweis: Dietmar Strauß, Besigheim

Fachwissen zum Thema

Norm-Schallpegeldifferenz (Längs-Schalldämmung) einer Mineralfaser-Unterdecke mit und ohne rückseitiger Beschichtung

Norm-Schallpegeldifferenz (Längs-Schalldämmung) einer Mineralfaser-Unterdecke mit und ohne rückseitiger Beschichtung

Decken

Abgehängte Unterdecken - Systeme

Unterdeckensysteme bestehen aus sehr unterschiedlichen Materialien (Mineralfaser, Metall, Gipskarton, Kunststoff o.ä.) und kommen...

Schallabsorption

Platten- und Schlitzplattenabsorber aus Holz

Geschlitzte Platten oder Wand- bzw. Deckenverkleidungen aus Holzlatten können als Resonanzabsorber ausgebildet werden. Die...

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Zum Seitenanfang

Um die Kinderbetreuung auf dem Campus der Max-Planck-Gesellschaft in Tübingen auszubauen, wurde ein ehemaliges Direktorenwohnhaus aus den 1950er-Jahren energetisch saniert und um einen Anbau ergänzt.

Um die Kinderbetreuung auf dem Campus der Max-Planck-Gesellschaft in Tübingen auszubauen, wurde ein ehemaliges Direktorenwohnhaus aus den 1950er-Jahren energetisch saniert und um einen Anbau ergänzt.

Bildung

Kindertagesstätte Planckton in Tübingen

Umbau und Erweiterung mit gefalteter Dachlandschaft

Im historischen Ortskern von Aalst fügen sich ein sanierter Bestandsbau, die vormalige Pupillenschool, und ein Erweiterungsbau zum kulturellen Komplex Utopia zusammen

Im historischen Ortskern von Aalst fügen sich ein sanierter Bestandsbau, die vormalige Pupillenschool, und ein Erweiterungsbau zum kulturellen Komplex Utopia zusammen

Bildung

Bibliothek und Akademie Utopia in Aalst

Akustikputz, Steinwolle und Samtvorhänge sorgen für Ruhe

Platzmangel machte eine Erweiterung des Gymnasiums Egg im Bregenzer Wald notwendig

Platzmangel machte eine Erweiterung des Gymnasiums Egg im Bregenzer Wald notwendig

Bildung

Erweiterungsbau Gymnasium Egg in Vorarlberg

Kanteln als Schallabsorber für die Decke

Der silbern schimmernde Neubau beherbergt das Nationale Institut für Territorialstudien (INET), eine Hochschule, die auf die Aus- und Weiterbildung Verwaltungsmitarbetern spezialisiert ist

Der silbern schimmernde Neubau beherbergt das Nationale Institut für Territorialstudien (INET), eine Hochschule, die auf die Aus- und Weiterbildung Verwaltungsmitarbetern spezialisiert ist

Bildung

Nationales Institut für Territorialstudien in Straßburg

Akustiksegel, Loch- und Schlitzplattenabsorber

Der abgewinkelte Wohnungsbau An der Sebastiankirche schließt das Grundstück nach Westen hin zu einer mehrspurigen Straße ab (Nordwestansicht)

Der abgewinkelte Wohnungsbau An der Sebastiankirche schließt das Grundstück nach Westen hin zu einer mehrspurigen Straße ab (Nordwestansicht)

Bildung

Wohnbau und Kita St. Sebastian in Münster

Lärmschutz durch geschickte Anordnung

Durch die Einbettung in das abfallende Gelände fügt sich das große und hohe Volumen der Sporthalle besser in die vorörtliche Bebauungsstruktur (Nordostansicht)

Durch die Einbettung in das abfallende Gelände fügt sich das große und hohe Volumen der Sporthalle besser in die vorörtliche Bebauungsstruktur (Nordostansicht)

Bildung

Sporthalle des Hacine-Cherifi-Gymnasiums in Rillieux-La-Pape

Lärmreduktion durch Wände und Decken aus Holz und Stroh

Ansicht Nord: Kopfbau mit Haupteingang

Ansicht Nord: Kopfbau mit Haupteingang

Bildung

Chetham’s School of Music in Manchester

Übungsräume und Konzertsaal akustisch entkoppelt

Ein weiträumiger, geschützter Pausenhof vermittelt zwischen Alt und Neu sowie den verschiedenen Funktionen, ist zentraler Treffpunkt und Verteiler zugleich

Ein weiträumiger, geschützter Pausenhof vermittelt zwischen Alt und Neu sowie den verschiedenen Funktionen, ist zentraler Treffpunkt und Verteiler zugleich

Bildung

Erweiterung des Gymnasiums Oberursel

Baffeldecken und rautenförmiges Holzfaltwerk in der Aula

Ansicht Südwest mit Haupteingang

Ansicht Südwest mit Haupteingang

Bildung

Sanierung des Spezialtraktes der Kantonsschule in Wetzikon

Doppelwände und -böden verhindern Schallübertragung

Bildschirmstationen ersetzen heute die zuvor einfachen Tische und Stühle

Bildschirmstationen ersetzen heute die zuvor einfachen Tische und Stühle

Bildung

Renovierung der Zentralbibliothek in Zürich

Stoffpaneele in Blau und Grün trennen elektronische Arbeitsplätze

Die Sporthalle ist an drei Seiten von Nebenräumen eingefasst und orientiert sich mit ihren Verglasungen nach Nordwesten

Die Sporthalle ist an drei Seiten von Nebenräumen eingefasst und orientiert sich mit ihren Verglasungen nach Nordwesten

Bildung

Turnhalle der Grundschule auf dem Tempelhofer Feld in Berlin

Glasfasergewebe verhüllt abgehängte Akustikplatten

Pausenhalle

Pausenhalle

Bildung

Wilhelm-Busch-Gymnasium in Stadthagen

Metall-Akustik-Decken in Orange

Senkrechte Glaslamellen umhüllen das Gebäude von außen

Senkrechte Glaslamellen umhüllen das Gebäude von außen

Bildung

Ørestad College in Kopenhagen

Lernen ohne Klassenzimmer

Aus einem halben Dutzend kleiner Büros wurde ein großer, lichter Raum

Aus einem halben Dutzend kleiner Büros wurde ein großer, lichter Raum

Bildung

Studenten Service Zentrum der Universität Leipzig

Fugenlose Akustikdecke mit strukturierter Oberfläche

Eingangsbereich im Neubau, der die bestehenden Baukörper miteinander verbindet

Eingangsbereich im Neubau, der die bestehenden Baukörper miteinander verbindet

Bildung

Samuel-Heinicke-Realschule in München

Optimierte Hörbedingungen

Die akustisch sanierten und umgestalteten Flure

Die akustisch sanierten und umgestalteten Flure

Bildung

Umbau der Galilei- und Liebmann-Schule in Berlin

Akustisch wirksame "Wasserwelt"

Die Fassade des Erweiterungsbaus korrespondiert optisch mit der Fassade der benachbarten Neuen Aula

Die Fassade des Erweiterungsbaus korrespondiert optisch mit der Fassade der benachbarten Neuen Aula

Bildung

Tonmeisterstudio in Detmold

Aufgestockter Leichtbau mit hervorragender Akustik

Studenten der Fachhochschule Lippe und Höxter entwerfen, planen und realisieren ihre eigene Hochschule

Studenten der Fachhochschule Lippe und Höxter entwerfen, planen und realisieren ihre eigene Hochschule

Bildung

Campus Emilie in Detmold

Holzwolleplatten in akustisch sensiblen Bereichen

Mediothek in Krefeld

Bildung

Mediothek in Krefeld

Gute Sprachverständlichkeit im offenen Raumfluss

Fassade aus Weidengeflecht

Fassade aus Weidengeflecht

Bildung

Umbau und Erweiterung einer Schule in Schulzendorf

Schallabsorbierende Decken in leuchtenden Farben

Baukörper aus Glas und Beton

Baukörper aus Glas und Beton

Bildung

Kindergarten in Langdorf/CH

Schallabsorption durch abgehängte Holzakustikplatten

Orchesterprobensaal

Orchesterprobensaal

Bildung

Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin

Kunststoffelemente als Reflektoren und Absorber

Galerie im Speisesaal

Galerie im Speisesaal

Bildung

Luise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching

Akustisch wirksame Wand- und Deckenbekleidungen

Süd-Westansicht mit Kopfbau

Süd-Westansicht mit Kopfbau

Bildung

Kindertagesstätte in Berlin

Schallabsorbierende Akustikdecken optimieren die Nachhallzeit

Ansicht Barcode-Fassade aus bedrucktem Glas und Faserzementplatten

Ansicht Barcode-Fassade aus bedrucktem Glas und Faserzementplatten

Bildung

Informatik-Fakultät der TU in Dresden

Faserzementplatten für die Raumakustik

Inseln der Ruhe

Textilien tragen maßgeblich zur
Schallabsorption bei. Création
Baumann bietet die weltgrößte
Vielfalt an Akustikstoffen.

Partner-Anzeige