Holzverbindungen
Wer sich für die handwerklich richtigen Anschlüsse und Holzverbindungen traditioneller Treppen interessiert, dem seien die beiden Klassiker Der Treppen- und Geländerbauer von Fritz Kress und Treppen in handwerklicher Konstruktion von Ulrich Reitmeyer empfohlen.
Einen kleinen Ausschnitt aus diesen umfangreichen Werken möchten wir hier kurz vorstellen:
- Nach den klassischen Handwerksregeln wurden Tritt- und Setzstufen bei gestemmten Treppen über Nuten ineinander gesteckt, bei aufwendigeren Lösungen sogar mit Schwalbenschwanz, um das durch Schwinden des Holzes hervorgerufene Knarren der Treppen einzugrenzen.
- In die seitlichen Wangen wurden die Stufen mit geringfügig schmäleren (ebenfalls wegen des erwarteten Schwindens) Nuten eingepasst, die beiden Wangen wurden mittels langen Schrauben, so genannten "Wangenbolzen" untereinander auf Zug verbunden.
- Der untere Anschluss der Wangen oder Holmen (von aufgesattelten Treppen) wurde mittels einer Ausklinkung am Auswechselbalken der Treppenöffnung gegen Schub entweder mit einem Schraubenanker oder gegen den untersten Geländerpfosten statisch festgehalten.
- Verbindungen zwischen Antrittspfosten und Wangenende wurden oft verzapft oder verdübelt
- Schwierigste Verbindungen gilt es bei Krümmlingen von gewendelten Treppen zu lösen, da das räumliche Vorstellungsvermögen des Treppenbauers sowohl beim Aufreißen der Stufen, als auch beim Verleimen und Verdübeln der Kropfstücke untereinander, groß sein muss. Heutige Krümmlinge können bei Systemtreppen aus zusammengesetzten Materialien mit CNC-Maschinen zumindest grob vorfiguriert werden.
Auch die Fügetechniken müssen der Serienfertigung Vorschub leisten, um am Markt den immer härteren Preiskampf aufnehmen zu können.
Dennoch müssen die Unwägbarkeiten von zu großen Rohbautoleranzen bei den Stockwerkshöhen durch Passformen berücksichtigt werden können.
Heutige Treppenbauer erstellen sehr genaue Aufmaße der örtlichen Situation und fertigen fast alles im Betrieb vor. Die Verbindungsmittel müssen diesen Montageverfahren Rechnung tragen:
immer weniger Verzapfungen, fast keine Schwalbenschwanzverbindungen prägen unsere Zeit, dafür werden mehr Verleimungen, Dübelverbindungen und Stahlhalbzeuge wie Winkellaschen, Schraubbolzen etc. eingesetzt.
Die Qualität der statischen Lastabtragung wurde dadurch nicht geschmälert.
Bildnachweis: Ulrich Reitmeyer, Treppen in handwerklicher Konstruktion