Glas im Treppenbau

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Glas ist ein besonderer Baustoff:
trotz seiner unbestrittenen Materialität bleibt er - sofern keine weiteren Oberflächenbehandlungen vorgenommen wurden - so gut wie durchsichtig. Dieses Merkmal macht Glas im Treppenbau als Trittstufe für nicht Schwindelfreie und Damen mit Röcken unakzeptabel.

An den Seitenflächen als Geländerfüllung eingesetzt, hat die Transparenz dagegen an Attraktivität gewonnen.

Glas wird unterteilt in folgende Spezialgläser, die hauptsächlich im Bauwesen Anwendung finden:

  • Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG), laut DIN 1259 ein vorgespanntes Glas, das erhöhte Temperaturbeständigkeit, Schlag- und Stoßfestigkeit und Biegebruchfestigkeit auszeichnet.

  • Verbund-Sicherheitsglas (VSG), wobei zwei oder mehrere Glasscheiben mit reißfesten Polyvinyl-Buyralfolien (PVB) verbunden werden. Dieses Glas muss im Überkopfbereich angeordnet werden. Eine Sonderform des VSG sind nach DIN 52290 durchschußhemmende, splitterfreie Sicherheitsgläser.

  • Brandschutzgläser G30 oder G90, die je nach Zusammensetzung aus zwei ESG Scheiben, oder bei G 90 mit zusätzlicher Spiegelglasscheibe und im Scheibenzwischenraum mit einer glasklaren, hitzeabsorbierenden Gelschicht gefüllt sind.

  • Schallschutzglas, das mit höheren Glasdicken und eventuell einer Spezialgasfüllung, verschieden hohe Schalldämmaße erreichen kann

  • Sonnenschutzglas, das mit reflektierenden Bedampfungen oder absorbierender Glaszusammensetzung, die Sonneneinstrahlung mindert
Allgemein gilt, dass begehbare Glasbauteile bei Treppen nur auf Zustimmung im Einzelfall des Deutschen Institut für Bautechnik in Berlin eingebaut werden dürfen.

Für die Verwendung von Glas als Geländerfüllung sind nur bruchsichere Gläser aus ESG zulässig. Im Überkopfbereich - also bei allen Treppenstufen - sind aus mehreren ESG-Scheiben laminierte Gläser als VSG möglich.
Es gibt nur wenige Hersteller von Glas-Trittstufen, die mit begehbaren Gläsern arbeiten und auf geprüfte Treppenstufen-Konstruktionen zurückgreifen können.

Die Einspannung und Halterung der Glasscheiben erfolgt üblicherweise in Glasbohrungen über Klemmflansche oder Punkthalterungen.
Bei notwendigen Treppen in Sicherheitstreppenhäusern müssen die Gläser incl. Konstruktion zusätzlich feuerhemmend ausgeführt werden, weshalb sie dort meistens aus Kostengründen entfallen.

Oberflächen
Glas ist sehr glatt und deshalb unbehandelt nicht in den Bereichen einsetzbar, wo Wasser auf die Oberfläche gelangen kann.
Es gibt allerdings verschiedene Möglichkeiten Glasoberflächen zu behandeln und damit rutschfester zu machen:
  1. Bedrucken mit Mustern oder Strukturen
  2. Ätzen mit Chemikalien nach Schablonen
  3. Satinieren, das bedeutet mit Glasperlen vollflächig zu bestrahlen
  4. Strahlen mit Glasbruch bringt noch etwas aufgerautere Oberflächen
Eine Möglichkeit, die Materialität des Glases zu betonen bietet das Einfärben. Der üblicherweise etwas grüne Glas-Naturton kann z.B. mit weißen Pigmenten zu Milchglas werden.

Weitere Informationen finden Sie unter Structural Glas.
Bildnachweis: Martín Stamatti, Buenos Aires