Prismensysteme
Sonnenschutz und Tageslichtlenkung
Prismen werden immer häufiger in verschiedenen Ausführungen zur Tageslichtlenkung eingesetzt. Sie funktionieren nach dem Prinzip der Lichtbrechung; das heißt, der einfallende Sonnen- oder Tageslichtstrahl erfährt beim Auftreffen eine Richtungsänderung. Dadurch kann Sonnenlicht zurück reflektiert, aber diffuses Licht nahezu ungehindert hindurch gelassen werden. Das diffuse Licht wird gleichzeitig so umgelenkt, dass es über eine reflektierende Decke bis zu 8 m in die Raumtiefe transportiert wird.
Bei den meist aus hochtransparentem Acrylglas bestehenden Prismenplatten ist die nach außen liegende Seite glatt, während die Innenseite die Form rechtwinkliger Dreiecke bildet. Das Licht, das unter 90° auf die Hypothenuse des Dreiecks auftrifft, wird durch Totalreflexion an den Prismenflanken zurückgeworfen. Prismen sind sowohl in vertikale als auch in horizontale Flächen einsetzbar und eignen sich somit gleichermaßen zur Regulierung der Sonneneinstrahlung vor der Fassade als auch im Dachbereich, z. B. bei glasüberdeckten Atrien oder Glasdächern.
Werden Prismensysteme in eine gläserne Dachfläche integriert, vermeiden sie Blendeffekte und eine Überhitzung des Raumes, so dass nur in Einzelfällen weitere Maßnahmen zur Klimatisierung getroffen werden müssen. Bei dachintegrierten Systemen liegen Prismen meist wartungsfrei im Scheibenzwischenraum, oder sie werden als bewegliche Lamellenkonstruktion oberhalb oder unterhalb der Glasfläche eingebaut.
Um Prismen als optimierten transluziden Sonnenschutz einsetzen zu können, muss Sonnenlicht allerdings genau senkrecht auf die Prismenflanken auftreffen. Da die Sonne im Tages- und Jahresverlauf ihre Position jedoch dauernd verändert, führt der Prismeneinsatz nur dann zu einer optimalen Wirkung, wenn sie in Form von drehbaren Lamellen der Sonne durch elektronisch gesteuerte Antriebssysteme nachgeführt werden. Der Einsatz von Prismenlamellen ermöglicht nicht nur bedarfsgerechteren Sonnenschutz, sondern auch ein höheres Energieeinsparpotential. Da die Elemente im Winter parallel zum Sonneneinfall gedreht werden können, kann bei Bedarf auch eine passive Solarbeheizung der Räume erfolgen.
Bildnachweis: Haas-Arndt/Schädlich, Hannover/Siegen
Quelle: Haas-Arndt/Ranft, "Tageslichttechnik in Gebäuden", Verlag Hüthig, Jehle, Rehm, Heidelberg, 2006