Tageslichtautonomie

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Nutzungszeit eines Raumes ohne Kunstlicht

Die Tageslichtautonomie bezeichnet den Anteil der Nutzungsstunden, in denen ein Raum oder ein Arbeitsplatz ausreichend mit Tageslicht versorgt ist, ohne dass Kunstlicht hinzugeschaltet werden muss. In unseren Breitengraden reicht die Tagesbelichtung im Sommer während der Nutzungszeit des Gebäudes meist ganztägig aus. Im Winter bei bedecktem Himmel muss jedoch fast ausschließlich unter Kunstlicht gearbeitet werden. Die Tageslichtautonomie kann in unseren Breitengraden demzufolge nie 100% betragen, da es in der kalten Jahreszeit bereits zu normalen Nutzungszeiten im Gebäudeinneren zu dunkel wird.

Im Jahresmittel liegt die Tageslichtautonomie eines Raumes in Gebäuden mit Lochfassaden und Fenstern mit Sturz und normaler Brüstungshöhe in etwa bei 40%. Dieser Anteil variiert je nach Himmelsrichtung und Raumgeometrie. Vor oder innerhalb des Fensters liegende Tageslicht- oder Sonnenschutzsysteme können sich im Winterhalbjahr als kontraproduktiv erweisen, wenn sie nicht komplett zurückfahrbar sind und den Raum deshalb unnötigerweise verdunkeln. Auch ein fest stehender Sonnenschutz führt dazu, dass die Tageslichtautonomie in der dunklen Jahreszeit erheblich sinkt. Die Tageslichtautonomie lässt sich verbessern, wenn der Tageslichtquotient (D) erhöht wird. Dies wird beispielsweise durch besonders hohe, sturzfreie Fenster oder durch verbesserte Reflexionsgrade der Raum- und Wandoberflächen erreicht. Insbesondere Tageslichtlenksysteme können bei der Erhöhung der Tagesautonomie unterstützend wirken.

Eine optimale Tageslichtautonomie würde bei etwa 75% liegen, das heißt, innerhalb von zwei Dritteln der Betriebszeit des Gebäudes müsste kein Kunstlicht zugeschaltet werden. Ein Arbeitsplatz mit einem Tageslichtquotienten, der größer ist als 3%, ist bereits zwischen 50 und 70% des Tages mit Tageslicht versorgt und kann mit dieser hohen Tageslichtautonomie zu einer erheblichen Stromersparnis beitragen.
Werden Ganzglasfassaden mit hoher Transparenz eingesetzt, erhöht sich zwar die Tageslichtautonomie, aber es entsteht das Problem der Überhitzung der dahinter liegenden Räume, sofern sie bei Bedarf nicht wirkungsvoll verschattet werden können.

Bildnachweis: I. Schädlich, Siegen; D. Haas-Arndt, Hannover