Oberlichter in Arbeits- und Aufenthaltsräumen
Anforderungen an eine Belichtung von oben
Mit dem Einsatz von Oberlichtern kann eine höhere Gleichmäßigkeit bei der Beleuchtungsstärkeverteilung im Raum erzielt werden. Bei der räumlichen Planung von Oberlichtern sollte jedoch auf bestimmte Anforderungen geachtet werden. Da Oberlichter keine direkte Sichtverbindung nach außen ermöglichen, würde z. B. eine im Verhältnis zum Raum zu kleine Oberlichtfläche zu einer eher unangenehmen Raumwirkung führen. Gezielt und in passender Größe eingesetzt, lässt sich wiederum eine interessante, kontemplative Atmosphäre in einem Raum herstellen. Bei einer ausschließlichen Raumbelichtung von oben kann auch eine ausreichende Helligkeit durch möglichst hohe Reflexionsgrade der Raumbegrenzungsflächen hilfreich sein, da die seitlichen Wandflächen durch den überwiegend steilen Lichteinfall nur eine geringe direkte Belichtung erfahren. Dennoch ist die Leuchtdichte aus dem Zenit dreimal höher als die des Seitenlichtes, sodass im Vergleich zu einer ähnlich großen Seitenbefensterung eine Anhebung der Tageslichtmenge wahrnehmbar ist.
Eine Gleichmäßigkeit der Lichtverteilung durch Oberlichter ist gegeben, wenn mehrere Öffnungen in regelmäßigen Abständen auf der Dachfläche verteilt angeordnet werden. Darüber hinaus sollte das Verhältnis des minimalen zum maximalen Tageslichtquotienten bei etwa 1 : 2 liegen. Ein mittlerer Tageslichtquotient von mindestens 4 % auf der Nutzebene gilt als ideal, um eine Grundhelligkeit im Raum zu sichern. Gerade dann, wenn kein weiterer Ausblick möglich ist, wirkt ein ausschließlich von oben belichteter Raum bedrückend, wenn der Mittelwert des Tageslichtquotienten unter 2 % liegt. Eine ausreichende Beleuchtungsstärke ist sichergestellt, wenn die Gesamtgröße der Oberlichtflächen eines Raumes mindestens 8 % von dessen Dachfläche beträgt. Der Lichteinfall kann auf einfache grafische Weise durch das Einzeichnen eines 30-Grad-Winkels unterhalb des Oberlichtes im Schnitt geprüft werden. Alle Zonen, die innerhalb dieses Öffnungswinkels liegen, sind ausreichend beleuchtet.
Ein wirksamer Schutz gegen Blendung und Überhitzung muss auch beim Einsatz von Oberlichtern garantiert werden. Bei kleineren Öffnungen können durch in das Glas eingelegte Spiegelraster, Prismenstrukturen, Glasbedruckungen, Sunbreaker oder nach Norden ausgerichtete Sheddächer Verschattung und Blendschutz erreicht werden. Bei großflächigen Glasdächern ist die Gefahr einer deutlichen Überhitzung der darunter liegenden Räume vergleichsweise größer, sodass sie ohne geeigneten Sonnenschutz sowie zusätzlichen Be- und Entlüftungsmaßnahmen nicht eingesetzt werden sollten. Auch hier können sich eingelegte Prismenstrukturen als vorteilhaft erweisen. Als Lamellensystem oberhalb des Glasdaches montiert, lässt sich das System gezielter dem Sonnenstand nachführen.
Bildnachweis: I. Schädlich, Siegen; D. Haas-Arndt, Hannover