Messerückblick Intersolar 2012

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Weg von der Rendite hin zu Autarkie

Vom 13. bis zum 15. Juni 2012 fand in München die Intersolar Europe statt. Unsere Autorin Claudia Hilgers hat sich viele der insgesamt 1.900 Messestände und dort gezeigten Produkte angeschaut und berichtet nachfolgend über die neuen Trends beim solaren Bauen, bei Photovoltaik und Solarthermie. Trotz geringerer Besucher- und Ausstellerzahlen als im Vorjahr war die Stimmung an den Ständen überwiegend positiv. Die Solarthermie-Austeller waren in nur zwei Hallen vertreten, während sich in 13 Hallen alles um die Photovoltaik und ihre Zulieferer drehte. Selbst in den Strudel der Insolvenz geratene Unternehmen stellten aus. Beherrschendes Thema in den Messehallen war die Kürzung der deutschen Solarförderung und deren Einfluss auf die Branche.

Stromspeicherung und Energiemanagement
Speichersysteme für private Solarstromnutzer sind groß im Kommen. Die Batteriesysteme helfen, den Eigenverbrauch zu steigern und zusätzlich das öffentliche Netz zu entlasten. Für Privathaushalte haben sich die relativ wirtschaftlichen Batterien mit Lithium-Ionen-Technologie etabliert. Ebenfalls auf dem Markt sind Blei-Batterien (AGM) und Akkus auf der Basis von Natrium-Nickelchlorid.

Der japanische Konzern Panasonic hat auf der Messe das Smart Energy Storage (SES) präsentiert. Es eignet sich für kleine Anlagen, lässt sich aber auch an den Speicherbedarf größerer Projekte anpassen. Die Firma IBC Solar aus Deutschland stellte die weiterentwickelte Speicherlösung SolStore 6.3 Li vor. Gegenüber dem Vorgängermodell besitzt der neue Lithium-Ionen-Speicher eine höhere Speicherkapazität von 6,3 kWh und eine kompaktere Bauform mit einem Gewicht von 120 kg. Vom gleichen Herstellter ist der ebenfalls neue Blei-Gel-Speicher IBC Solstore 8.0 Pb. Dieser Akku erreicht bei einer erhöhten Spannung von 48 Volt (V) eine Brutto-Speicherkapazität von 8 kWh, entsprechend 4 kWh nutzbarer Speicher.

Beim Speichersystem SunPac K 10.9 des Herstellers Solar World übernimmt der dreiphasige Speicher-Wechselrichter die Funktion des sonst üblichen Ladegeräts. Der Wechselrichteranbieter SMA hat den wandmontierbaren Wechselrichter Sunny Boy 5000 Smart Energy mit integriertem Speicher vorgestellt. Die eingesetzte Lithium-Ionen-Batterie hat eine nutzbare Kapazität von rund 2 kWh.

Zu jedem Stromspeichersystem gehört ein Energiemanagementsystem (EMS). Es regelt die Energieflüsse zwischen PV-Anlage, Batterie, weiteren Energiequellen und dem öffentlichen Stromnetz. Viele der neu auf der Intersolar vorgestellten EMS besitzen einen Touchscreen, auf dem der Anlagenbesitzer das Energieprofil mit aktuellem Ertrag und Eigenverbrauch ebenso ablesen kann wie die Echtzeitdaten über die Speicherung und Einspeisung.

Das japanische Unternehmen Kyocera stellte ein Solarstromkonzept vor, das einen Schritt weiter geht. Es kombiniert Brennstoffzelle, Photovoltaik, Energiespeicher und EMS. Reicht der Solarstrom vom Dach nicht aus, dann produziert das Brennstoffzellengerät (SOFC-System) Strom und Wärme aus Erdgas. Die Wärme wird zur Heizung und Warmwasserbereitung genutzt.

Der von Centrosolar präsentierte Energiemanager Cenpilot kann neben den Grundfunktionen des Datenloggers alle Haushaltgeräte automatisch ansteuern und den Stromverbrauch messen. Das Gerät ist 20 x 20 cm groß und über den PC, Laptop oder Smartphone bedienbar. Mitsubishi stellte das Home Energy Management System (HEMS) vor, welches das Unternehmen speziell für seine Null-Emissionshäuser in Japan entwickelt hat. Neben der Photovoltaik-Steuerung kann das Gerät auch die gesamte Haustechnik überwachen wie z.B. die Lüftung im Sommer und die Heizung im Winter.

Reif für die Insel
Im Gegensatz zu den Eigenverbrauchslösungen übernehmen Photovoltaik-Insellösungen die autarke Stromerzeugung zu 100%. Als Messeneuheit hat Antaris Solar die netzunabhängige eKiss-Inselanlage mit zugehörigen AGM-Batterien präsentiert. Die Komplettanlage ist im Leistungsbereich von 350 bis 2.000 Watt erhältlich. Der mobile Solarstromgenerator iKube vom italienischen Unternehmen Pro D3 kann kleine Dieselgeneratoren z.B. in Katastrophengebieten ersetzen. Das Gerät ist ein kubikmetergroßer Würfel mit Seitenwänden aus Solarmodulen, die nach oben ausklappbar sind. Im Würfel befinden sich Batterien und der Wechselrichter. Die maximale Ausgangsleistung beträgt 3 kW. Die Batterie kann 11 kWh speichern. Das kleinste Gerät mit 1 kW Leistung ist so groß wie eine Waschmaschine.

Sonderschau PV und E-Mobility
Auf dem Freigelände der Messe konnten sich die Besucher auf der neuen Sonderschau über Carports mit Photovoltaik-Dach, Ladestationen und Elektrofahrzeuge informieren. Holzbau Gröber stellte unter seiner Marke Sunside Carports eine Parkplatzüberdachung mit freitragender Holzkonstruktion vor. Das Dach des Carports Typ P ist auf zwei Pylonen befestigt, sodass rundum viel Platz fürs Ein- und Aussteigen bleibt. Das Dach besteht aus transparenten PV-Modulen vom Hersteller Fath. Das sonst übliche Unterdach entfällt bei dieser Lösung. Der Solarcarport Eco vom Solarsystemhaus Mp-tec besitzt eine Tragkonstruktion aus Aluminium, die auf Wunsch farblich eloxiert geliefert wird. Die Pfeiler begrenzen den Carport nur seitlich, weshalb er beidseitig befahrbar ist. Schüco Solar präsentierte Carports im Baukastensystem. Bei ihnen kann der Käufer zwischen Dünnschicht- oder kristallinen Modulen wählen und die Anzahl der Stellplätze selbst bestimmen.

Germanys next Top-Module
Der Trend bei den Modulen geht zu mehr Leistung und weniger Gewicht. Centrosolar präsentierte ein rahmenloses Glas-Glas-Modul aus neu entwickeltem Dünnglass, das trotz seiner geringen Stärke von nur 2,3 mm sehr robust ist. Das Modul besteht aus 54 Zellen und hat eine Leistung von bis zu 225 Wp (polykristallin) bzw. 235 Wp (monokristallin). Schott Solar hat das Hochleistungsmodul Perform Mono für Privathäuser mit kleinen Dachflächen vorgestellt. Es ist in zwei Leistungsklassen bis 260 Wp erhältlich. Die dunklen, eng angeordneten Solarzellen sind von einem schwarzen Rahmen eingefasst und erfüllen laut Hersteller hohe ästhetische Ansprüche. Eine Version mit schwarzer Rückenfolie ist in Planung. Der Preisträger des Intersolar Awards Solon zeigte das PV-System Solbond Seam für leichte Stehfalzdächer. Es wird auf Schienen geklebt und wiegt 11 kg/m². Die Dachhaut wird bei der Montage nicht durchdrungen. Auch die Gebäudeintegrierte Photovoltaik (GIPV) war wieder Thema auf der Intersolar. Die Unternehmen zeigten transparente Glas-Glas-Module, deren Befestigung nach der Montage unsichtbar bleibt und die in nahzu allen geometrischen Formen auf Maß gefertigt werden können.

Strom und Wärme aus einem Modul
Immer mehr Hersteller bieten Hybridmodule an, die Photovoltaik und Solarthermie vereinen. Als Nebeneffekt der hybriden Energienutzung sind die Module im Winter eis- und schneefrei. Das 2Power-Modul von Nelskamp nutzt die Aufheizung des PV-Moduls von bis zu 80°C im Sommer zur Erwärmung des Heiz- und Brauchwassers. Eine Kühlflüssigkeit an der Rückseite des Moduls nimmt die Wärme auf und transportiert sie zum Warmwasserspeicher. Dadurch ist die Wärmeleistung von ca. 648 Wp dieses Moduls höher als die elektrische Leistung von 240 Wp. Passend zum Modul bietet der Hersteller ein komplettes Heizsystem an, das weiter unten im Abschnitt „Heizen mit PV“ vorgestellt wird. Die Poly Solar Solution AG aus der Schweiz hat das Hochleistungs-Combi-Solarmodul Pik präsentiert, das eine Energieernte rund um die Uhr verspricht. In das Modul ist eine spezielle Wärmetauscherplatte aus Kupfer integriert. Sie nimmt vollflächig die Abwärme der darüber liegenden PV-Elemente auf und kühlt dabei gleichzeitig das Modul. Die Stromleistung beträgt 245 Wp, die Wärmeleistung zwischen 300 und 600 Wp. Die Firma Sunwin stellte auf der Messe den ersten Hybrid-Kollektor mit europäischer Solar-Keymark-Zertifizierung vor. Hybrid-, PV- und thermische Kollektoren des Herstellers haben gleiche Abmessungen. So ergibt sich bei gemeinsamer Montage auf dem Dach eine optische Einheit.
 
Heizen mit PV
Schon im Vorfeld der Messe diskutierten die Teilnehmer des Konferenz- und Rahmenprogramms das neue Thema „Heizen mit Photovoltaik vs. Heizen mit Solarthermie“. Und so waren auch in den zwei Messehallen der Solarthermie-Aussteller, vor allem bei den Systemanbietern, verschiedene Lösungsansätze zu sehen. Eine Möglichkeit ist es, den Sonnenstrom für den Betrieb der elektrischen Heizpatrone im Warmwasserspeicher zu nutzen. Beim anderen Ansatz wird der Strom zur Wärmepumpe geschickt. Viessmann stellte in Zusammenarbeit mit dem Wechselrichterhersteller SMA eine Systemlösung vor, in welcher der Wechselrichter direkt mit der Steuerung der Luft/Wasser-Wärmepumpe Vitocal 222-S kommuniziert. Sie steuert die gesamte Anlage und optimiert den Eigenbedarf an Solarstrom. Zum System gehören neben der Split-Wärmepumpe, das Wohnungslüftungsgerät Vitovent 300-F mit Wärmerückgewinnung aus der Abluft, das PV-Modul Vitovolt 200, der Wechselrichter und ein Warmwasserspeicher.

Nelskamp stellte das Dach-Wärmepumpensystem Solarpowerpack mit monokristallinen Modulen (MS 5 PVM) und Hybridmodulen (2Power) vor. Diese sind in Form und Farbe der Finkenberger Pfanne angepasst. Die Solarthermieanlage ist mit einer Wärmepumpe kombiniert, die wiederum auch Strom vom Dach erhält. Auch Soleg stellte mit der intelligenten Solarheizung eine Kombination aus PV-Anlage und einer Luft- bzw. Wasser-Wärmepumpe (Mitsubishi) vor. Sie passt ihre Aufnahmeleistung dem Solarstromangebot an. Zum System gehört noch eine Hydraulikeinheit mit Speicher. Optional kann die Wärmepumpe auch kühlen. Auch der Hersteller Schüco vernetzt PV mit einer Wärmepumpe fürs Heizen und Kühlen. Damit das Zusammenspiel zwischen Wärmepumpe, Wärme- bzw. Kältespeicher sowie PV-Anlage harmonisch läuft, überwacht der Regler ITE 5010 im Hydraulikmodul die Anlage. Er besitzt eine „Smart-Heating-and-Cooling“-Funktion und optimiert den Eigenverbrauch durch den angepassten Betrieb der Wärmepumpe. Gleichzeitig berücksichtigt das Gerät die Stromtarife zu unterschiedlichen Tageszeiten und speist dann ein, wenn es sich lohnt.

Energiewendehaus
Messepremiere hat das Massivfertighaus Ecostar Independa gefeiert. Das sogenannte Energiewendehaus ist ein Gemeinschaftsprojekt dreier Unternehmen: Azur Solar liefert das Photovoltaik-Eigenstromsystem, die Heizungstechnik mit Luft/Wasser-Wärmepumpe, thermischer Solaranlage und Kombispeicher kommt von Stiebel-Eltron und das Ziegelhaus mit hochwertiger Dämmung und dreifach verglasten Fenstern im „KfW-Effizienzhaus-70-Standard baut der Massivfertighaushersteller Heinz von Heiden. Das komplette Basisgebäude mit 177 m² Wohnfläche kostet rund 193.000 Euro. Mit im Preis enthalten ist eine Photovoltaik-Versicherung. Zur PV-Anlage gehört ein Speicher mit Blei-Gel-Batterie sowie ein EMS. Den produzierten Solarstrom nutzt teilweise auch die Luft/Wasser-Wärmepumpe WPL 10 AC. Sie ist mit der Solarthermieanlage gekoppelt und liefert eine Heizleistung von knapp 5 kW.