Umbau: JVA wird zum Therapiezentrum

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Neues Notrufsystem und Gitter aus Manganhartstahl

Seit Anfang 2011 gilt für Sexualstraftäter und Gewaltverbrecher, die nach Abbüßen einer Haftstrafe weiterhin als gefährlich eingestuft werden, das Therapieunterbringungsgesetz. Nötig wurde das Gesetz nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Dieser erklärte eine nachträglich verhängte Sicherheitsverwahrung für unrechtmäßig. So ist zwar seit 1998 die Anordnung einer Sicherheitsverwahrung auf unbestimmte Zeit möglich, jedoch nicht für so genannte Altfälle, die zu einem früheren Zeitpunkt verurteilt wurden. Dem neuen Therapieunterbringungsgesetz entsprechend müssen die Bundesländer nun für psychisch gestörte Ex-Häftlinge schnellstmöglich neue geschlossene Einrichtungen mit therapeutischem Anspruch schaffen.

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen reagierte als Erste und ließ zu diesem Zweck ein Gefängnis umbauen – die alte Justizvollzugsanstalt Oberhausen direkt gegenüber vom Hauptbahnhof. Das Gebäude, das für bis zu 80 Strafgefangene ausgelegt war, bietet jetzt Platz für maximal 18 rückfallgefährdete ehemalige Häftlinge. Therapeutisch betreut werden diese durch eine kommissarische Leiterin und ihre bis zu 20 Mitarbeiter/-innen. Die umgebaute JVA (Kosten: rund 1,2 Mio EUR) gilt jedoch nur als Übergangslösung bis Ende 2012.

Im Zuge der Umbaumaßnahmen wurden je zwei Zellen mit sieben Quadratmetern zu einem größeren Raum zusammengelegt und Abtrennungen für Toilette und Waschbecken eingebaut. Ergänzt wurden Gruppenräume und eine Gemeinschaftsküche, da die Patienten in Wohngruppen zusammen leben sollen.

Die sicherheitstechnische Ausrüstung des Gebäudes spielte eine große Rolle. Zentrales Element ist ein neues Personennotrufsystem, an das die rund 40 Mitarbeiter des Hauses angebunden sind. Damit kann ein Wärter beispielsweise über die Alarmfunktion an seinem Handy eine so genannte „Alarmgruppe", bestehend aus mehreren Kollegen, benachrichtigen. Diese sehen, wer sie von welchem Standort aus gerufen hat und können zur Hilfe eilen.

Es gibt nur einen einzigen Zugang zu dem Gebäude, dessen Pforte als Sicherheitszentrale der Einrichtung fungiert – hier werden das Notrufsystem und die nun erweiterte Videoüberwachung zusammengeführt, Kontakt zu Polizei und Feuerwehr ist schnell hergestellt.

Die Fenster wurden mit zusätzlichen Gittern aus Manganhartstahl versehen und die Mauerkrone des Innenhofs auf 5,50 Meter erhöht. Im Hof sind die Gullydeckel verschweißt und die Rohre mit Stacheldraht umwickelt. Verwaltet wird das Therapiezentrum vom Landschaftsverband Rheinland.