Schieferdiplom I

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30 Studenten entwerfen Schieferarchitektur

An der Fachhochschule Mainz haben 30 Architekturstudenten Diplomarbeiten zum Thema Schiefer erarbeitet. Entwurfsaufgabe war es, ein fiktives Veranstaltungszentrum für die Firma Rathscheck auf deren Grundstück in Mayen bei Koblenz, zu entwickeln. Unter Tage wird dort der Schiefer in einer Tiefe von bis zu 340 Metern abgebaut. Über Tage werden die Blöcke gesägt, gespalten und die Platten zugeschnitten. Zum Einsatz sollte selbstverständlich Schiefer kommen, dabei hatten die Studenten jedoch freie Hand hinsichtlich neuer Anwendungsmöglichkeiten. Die Entwürfe wurden von Prof. Jürgen Braun betreut.

Entstanden sind sehr unterschiedliche Projekte, die eindrücklich die Bandbreite des Materials widerspiegeln. Wichtigstes Element des Raumprogramms war ein großer Saal für Veranstaltungen mit angeschlossenem kleinem Museum.

Der Industriepartner und fiktive Bauherr wünschte sich von den Studenten zudem neue technologische Entwicklungen, in Teilbereichen die Anwendung des vor Ort geförderten Materials und - soweit möglich - die Berücksichtigung von neuartigen Verlegearten und Anwendungstechniken. "Es soll bei dieser Aufgabe exemplarisch herausgearbeitet werden, dass auch traditionsreiche Baustoffe Elemente moderner Architektur sein können. Dabei soll ablesbar sein, dass eine von Architekten geplante Gestalt nicht autonom ist, sondern auf Funktion und Konstruktion gründet und einen Dialog mit der Umgebung eingeht." (Prof. Jürgen Braun)

Eine Auswahl von drei gelungenen Schieferarchitekturen:

  • Alexander Nordmann nennt seinen Entwurf "SchieferBruch". Als Ausgangspunkt hat er sich die Schiefergewinnung unter Tage gewählt, bei der rechteckige Quader in der Schieferschicht vorgeschnitten und anschließend mittels Pressluftmaschinen aus der Wand gestemmt werden. Die dabei entstehenden bzw. zu Tage tretenden Brüche des Gesteins nimmt Nordmann in seinem Gebäude auf und bricht es analog zum Gestein, sowohl horizontal zwischen dem ersten und zweiten Geschoss als auch vertikal an verschiedenen Stellen. Eine besondere Betonung liegt auch auf der Ausformulierung der Fassade: Bewusst wird auf herkömmliche Schiefer-Deckungsarten verzichtet. Stattdessen werden Schieferbruchstücke aus dem Abbauprozess in Stahldrahtkörben zu Elementen von 118 x 78 x 12 cm zusammengefasst. Die (Gabionen-) Bruchsteinfassade wird durch den Rohstoff Schiefer geprägt und nicht durch die Art der Deckung.

  • Sascha Hammels Diplom trägt den Titel "Untertage - Übertage". Um den Besuchern auch im neuen Veranstaltungsgebäude den schiefertypischen Untertageeindruck zu vermitteln entwarf Hammel einen felsähnlichen Baukörper, bei dem Dach und Fassade verschmelzen. Das Konzept sieht eine Verbindung der wichtigsten - vor Ort gefundenen - Schieferthemen vor, wie Bergbau, Tradition, Schichtung, Farbgebung, Anwendungsbereiche mit moderner Architektur. Städtebaulich und formal orientiert sich der Entwurf am Gebäudebestand und der Topografie. Hammel bricht diese Verweise jedoch immer wieder auf, in dem er Irritationen einfügt, zum Beispiel durch die, als langgezogene Lichtrisse konzipierten, Fensteröffnungen.

  • Nicole Hahn greift mit ihrem Entwurf die scheibenartige Schichtung des Schiefers auf, ihr Konzept trägt dementsprechend den Titel „SchieferScheiben“. Parallel zum Firmengelände schichtet sie mit Schiefer gedeckte Wandscheiben hinter- und nebeneinander. Diese strukturieren, tragen, zonieren und bestimmen die Gestalt des Gebäudes. Funktional und optisch werden einzelne Räume verbunden bzw. voneinander getrennt, offene oder durch Glaselemente getrennte Bereiche ermöglichen so Durchgänge und Durchblicke. Die Schieferscheiben überragen die anderen Bauteile und treten - durch ihre dunkle Schieferdeckung - in den Vordergrund.