Schieferdiplom II
Eine Auswahl von drei gelungenen Schieferarchitekturen
Mit dem modernen, zeitgemäßen Einsatz von Schiefer beschäftigen sich 30 Diplomarbeiten, die an der Fachhochschule Mainz unter der Betreuung von Jürgen Braun entstanden sind. Aufgabe war es ein Veranstaltungszentrum auf dem Firmengelände des Schieferherstellers Rathscheck in Mayen zu entwerfen.
Im Baunetz Wissen haben wir bereits die drei erstplazierten Entwürfe vorgestellt, im Folgenden werden drei weitere herausragende Arbeiten gezeigt:
- Der Entwurf von Johannes Müller mit dem Titel Schiefer-Monolith ist ein Gebäude als massiver Schiefer-Block, der durch sein monolithisches Erscheinungsbild einen beruhigenden Gegenpol zum uneinheitlichen Gebäudebestand auf dem Firmengelände bildet. Die Eingangsbereiche in das neue Veranstaltungszentrum werden durch zwei großformatige Aussparungen gebildet. Mit dem dadurch entstehenden überdachten Vorplatz öffnet sich das Veranstaltungszentrum zur Hauptzufahrt nach Norden. Um die Klarheit der Gebäudeform auf die Funktion des Grundrisses zu übertragen, werden die unterschiedlichen Hauptnutzungen eindeutig zoniert: der Saalbereich befindet sich auf der einen Seite und der Büro-, Ausstellungs- und Bergwerksbesucherbereich auf der anderen Seite. Beide sind über das zentrale Foyer erschlossen. Aus dem Foyer - das sich über die gesamte Gebäudebreite erstreckt - heraus gewähren großzügige Glasfassaden Ausblicke.
- Hannah Keßelers Diplom-Entwurf setzt sich mit dem Thema der Schieferschichtung bildlich auseinander. Im Mayener Schiefergebiet lagern die Schieferschichten auf eine besondere Art und Weise. Hier sind die Schichten nicht wie sonst horizontal gelagert, sondern wurden bei der späteren Gebirgsbildung durch seitlichen Druck aufgefaltet. Die formgebende Interpretation der Auffaltung ist in der Dachlandschaft des Gebäudes wieder gespiegelt. Die Schieferschichten scheinen sich aus dem Boden heraus zu drücken und unter ihnen entsteht das zweigeschossige Gebäude. Kepeler orientierte sich bei der Wahl der Materialien bewusst an der Industriearchitektur. Prägend sind drei Materialien: Schiefer, Glasstegplatte und verzinkter Stahl. Die Glasstegplatten bilden zu einem großen teil die Fassaden, Profile und sämtliche sichtbare Metallteile bestehen aus verzinktem Stahl. Die Böden im Inneren bestehen aus mit Schieferschlamm eingefärbtem und poliertem Estrich oder - in den öffentlichen bereichen - aus Industrieholzparkett aus gekalkter Eiche.
- Der Monolith von Kaweh-Kristian Ebrahimi, der insgesamt drei Geschosse miteinander verbindet, ragt als massiver Block aus dem Erdboden heraus. Ausgehend von einem ursprünglich massiven Schieferblock verändert sich die Kubatur des Quaders mit der Zeit unter Witterungseinflüssen und sprengt einzelne Teile ab. Seine äußere Erscheinung lässt zunächst keine Schlussfolgerung auf die Nutzungsverteilung im Inneren des Gebäudes zu.
Die strenge Gestaltung der Fassade wird durch strukturierte Fassadenelemente belebt. Die Eingangssituation markiert ein tiefer Spalt im Gestein, dessen Form aus der traditionellen Bearbeitung des Gesteins mit Schlägel und Eisen abgeleitet wurde.
