"Sichtbeton"
Die Qualität sichtbar bleibender Betonflächen wird durch vielfältige Faktoren bestimmt und war in den letzten Jahren häufig Anlass zu Streitigkeiten bei Ausführung, Abnahme und Ausbesserungen von Betonarbeiten.
Zurück zuführen ist dies sicherlich zum Teil auf mangelndes Wissen, Missverständnisse, vor allem aber auf fehlende Kriterien für eine objektive Beurteilung.
So zeigt die Praxis, dass seitens der Auftraggeber und Auftragnehmer ein Bedarf an von beiden Seiten anerkannten Regeln und Richtlinien besteht, um die Vorstellungen der Planenden und die Machbarkeit in wirtschaftlich vertretbarem Rahmen transparenter zu machen und aus der Subjektivität herauszunehmen.
Der deutsche Betonverein DBV überarbeitet gerade sein Merkblatt „Sichtbeton“ vor allem auf die Auswirkungen der Schalung und des Trennmittels. In diesen Grenzschichten liegen die großen Unbekannten!
Der ideale, weil „vor Ort“ beliebig formbare, in erster Linien allerdings konstruktive Werkstoff Beton ermöglicht durch eben diese Eigenschaften das Erzeugen vielfältiger Oberflächenstrukturen, sowohl gestalterisch als auch technisch anspruchsvoll.
Um so mehr ist die Definition von Merkmalen dieser Betonoberflächen schon im Leistungsverzeichnis vor Ausführung so eindeutig vorzunehmen, dass ein gemeinsames Verständnis aller am Projekt Beteiligten besteht.
Im gesamten Herstellungsprozess von sichtbarbleibenden Oberflächen spielt die Schalungshaut als betonberührte Fläche eine entscheidende Rolle für die Formgebung und die Oberflächenstruktur.
Neben der Bedeutung der Schalungshaut muss allerdings allen Beteiligten klar sein, dass dieser komplexe Vorgang der Herstellung einer Betonoberfläche noch von weiteren Einflussfaktoren bestimmt wird:
- Tragfähigkeit und Steifigkeit des Schalungssystems
- Rezeptur des Frischbetons und seine Herstellung
- Transportieren und Fördern des Beton zur Einbaustelle
- Verdichten des Frischbetons beim Einbringen
- Eingesetzte Trennmittel und deren Anwendung
- Nachbehandlung des noch eingeschalten oder des ausgeschalten Betons
- Witterung und Temperatur der Umgebung zum Zeitpunkt des Betonierens und der Nachbehandlung
- Art und Abmessung des Bauteils und die Bewehrungsanordnung
Alle diese Faktoren, von denen einige auf der Baustelle zu beeinflussen sind und andere nicht, sind sowohl bei der Ausführung als auch bei der Beurteilung des Resultates und bei Maßnahmen zur Beseitigung von Mängeln zu berücksichtigen.
Durch die Komplexität der Faktoren müssen sich alle Beteiligten im Klaren sein, dass es bei Betonoberflächen im Ortbeton trotz größter Sorgfalt zu Fehlstellen bzw. Unregelmäßigkeiten kommen kann. Deshalb lässt DIN 18 217 eine material- und fachgerechte Ausbesserung zu.
Ausbesserungsstellen bleiben in der Regel auch bei größtem handwerklichen Geschick und bestem Material als solche erkennbar.
Deshalb sollten die Verantwortlichen sehr sorgfältig prüfen und abwägen, wann auf eine Ausbesserung verzichtet werden kann.
Grundsätzlich herstellungstechnisch nicht sicher erfüllbare Forderungen
an die Betonoberfläche sind zum Beispiel:
- völlig gleichmäßige Farbtönung aller Betonoberflächen eines Projektes
- völlig gleichmäßige Porenstruktur
- porenfreie Oberflächen
- ausblutungsfreie Ortbetonbauteile
- zuverlässig reproduzierbare scharfkantige Ecken und Stützen
Beton ist ein Naturprodukt und sollte als solches beurteilt und auch erkennbar sein !
Empfohlen wird die Zusammensetzung eines „Sichtbeton-Teams“, sobald reproduzierbare, „gleichbleibende“ Betonoberflächen gefordert werden.