Teppich aus natürlichen Rohstoffen

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Biotechnischer Herstellungsprozess ermöglicht späteres Recycling

Abgenutzte Teppichböden zu recyceln ist schwierig. Das größte Problem besteht darin, dass die Verbindung zwischen Polmaterial und Rücken üblicherweise bei etwa 150°C mit synthetischem Latex hergestellt wird. Dieses Bindemittel hält die Fasern zusammen und sorgt für die Formstabilität des Teppichs, lässt sich aber später nicht oder nur teilweise vom Polmaterial trennen. Deshalb werden Teppichböden am Ende ihrer Nutzungsdauer selten recycelt und häufiger verfeuert.

Drei Betriebe aus den südlichen Niederlanden (Best Wool Carpets, James und Bond Textile Research) haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft namens Erutan (nature rückwärts gelesen) zusammengeschlossen, um einen recycelbaren Teppichboden aus natürlichen Rohstoffen zu entwickeln. Das dabei entstandene, gleichnamige Produkt enthält kein Latex, sondern Lignin, ein Biopolymer, das als natürliches Abfallprodukt der Papierindustrie, aber auch als Bindmittel in verschiedenen Materialien wie beispielsweise Holz vorkommt. Mithilfe einer speziellen, patentierten Biotechnologie wird der Stoff unter Einsatz von Enzymen zu organischem Kleber umgewandelt, wofür Temperaturen von etwa 50°C notwendig sind, und mit dem Polmaterial verbunden. Ähnlich umweltverträglich ist die Behandlung der verwendeten Wollfasern, die nicht mit Reinigungsmitteln, Salzen oder Chemikalien, sondern ebenfalls mit Enzymen bei niedrigen Temperaturen gereinigt werden. Die Fasern sind in der Lage, Feuchtigkeit aus der Raumluft aufzunehmen und langsam wieder an die Umgebung abzugeben.

Im Vergleich zu den sonst üblichen Herstellungsverfahren erfordert die Produktion dieses Teppichbodens weniger fossile Energien. Außerdem lässt er sich wiederverwenden bzw. in den natürlichen Stoffkreislauf zurückführen. So ist eine Vision der Arbeitsgemeinschaft, Grassamen auf den Altteppich zu streuen und diesen im Landschaftsbau zu verwenden.

Derzeit ist der Teppichboden noch nicht auf dem Markt, er wird aber voraussichtlich ab 2012 für den Endverbraucher sowie für den Objektsektor zum Kauf angeboten. Seine Nutzungsdauer in frequentierten Räumen (z.B. in der Gastronomie) wird als drei, im Wohnbereich als 15 bis 20 Jahre angenommen. Nach Ablauf dieser Zeit soll der Hersteller die Teppichböden zurücknehmen, die Materialien trennen und wieder- bzw. weiterverwenden.

Hersteller: Erutan, Niederlande

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