Über das Bauen mit Ziegeln

Wer die Bauten des Stuttgarter Architekturbüros Lederer, Ragnarsdóttir, Oei kennt, der weiß, dass die Architekten das Thema Mauerwerk immer wieder neu und spannungsreich interpretiert haben - auch speziell den Baustoff Ziegel. Die Bauten der Bürogemeinschaft, der neben dem1947 geborenen Architekten Arno Lederer auch Jórunn Ragnarsdóttir und Marc Oei angehören, zeichnen sich durch eine leise Extravaganz und satte Stofflichkeit aus, die sich  in hohem Maß aus der Materialität ergeben.  

Mit seinem Essay „Über das Bauen mit Ziegeln“ hat Arno Lederer nun klug und anschaulich – immer den architekturhistorischen Kontext im Blick - das Thema beleuchtet. Die Anwendung des Ziegels beschränke sich zunehmend auf die Außenschale einer mehrschichtigen Wand und Kritiker dieser "Steintapeten" fänden es im Sinne der Moderne richtiger, "moderne" Oberflächen, wie etwa Metall oder Faserzement zu verwenden, erklärt Lederer. Doch diese Materialien seien bei gleichem Wandaufbau auch lediglich „Tapete“. Und weiter fragt er: "Was spricht schließlich dagegen, Ziegel lediglich als Witterungsschutz für eine Wärmedämmung, also seiner originären Funktion des Tragens ledig, zu verwenden?"

Es müsse „ein Gegenstück, eine Gegenposition zur grenzüberschreitenden Euphorie der Stahl- und Glasarchitektur des 20. Jahrhunderts geben“ fordert der Architekt, der seit 2005 das Institut für öffentliche Bauten und Entwerfen an der Universität Stuttgart leitet. Denn nach wie vor bereichere „gerade der spürbare Unterschied zwischen Innen- und Außenraum die Architektur, und indem sich der Innenraum spannungsreich vom Äußeren unterscheidet“ könne er „durch seine körperhafte Umhüllung und haptischen Qualitäten etwas von einer Welt erzählen, die es außen (nicht mehr) gibt“.

Der vollständige Essay kann im Anhang als Pdf-Datei herunter geladen oder auf den unten genannten Internetseiten der Architekten gelesen werden.

Ellen Thun

Architekten Profil

Lederer Ragnarsdóttir Oei