Film über den Backstein in verschiedenen Kulturen
Zum Vergleich
Harun Farocki ist einer der wichtigsten Vertreter des Dokumentarfilms in Deutschland. Er beleuchtet in seinem auf der Berlinale 2009 gezeigten Beitrag „Zum Vergleich“ die Fertigung und Verarbeitung von Backstein in verschiedenen Kulturen.
Entstanden ist ein Werk, das weit über die Grenzen des Materials und des Lokalkolorits hinausweist. Vor allem solle der Film „zum Begriff der Arbeit beitragen“, erläutert Farocki seinen Ansatz. Am Beispiel des Materials Backstein stellt der Film die Arbeit in einer traditionellen Gesellschaft, wie Burkina Faso, der frühindustriellen Fertigungsweise in Indien gegenüber. Exemplarisch für die Arbeit in der hochindustriellen Gesellschaft wird ein an der ETH Zürich entwickeltes computergeneriertes Verfahren gezeigt, das völlig ohne den Menschen auskommt. Ein Roboter errichtet Mauern, die zuvor am Computer berechnet wurden und deren Muster sich durch die Gleichsetzung von Mauerstein und Pixel ergeben. Farocki untersucht jedoch nicht nur die verschiedenen Produktionstechniken, vielmehr zeichnet er ein Bild der unterschiedlichen Arbeits- und Lebenswelten. Während in Burkina Faso noch die Ziegel von Hand geformt und in Gemeinschaftsarbeit gefertigt bzw. transportiert werden, nimmt mit zunehmender Industrialisierung die Spezialisierung immer mehr zu, der Mensch verschwindet schließlich ganz aus dem Produktionsprozess.
Gefilmt wurde in Frankreich, Deutschland, Österreich, der Schweiz, in Burkina Faso und Indien. In kurzen Kapiteln wird die Ziegel-Arbeit an einem Ort mit ihrer jeweils spezifischen Produktionsweise wiedergegeben. Der Regisseur vertraut ganz auf die Kraft der Bilder und die Urteilskraft der Zuschauer. Lediglich die Ortsangaben und einige Zwischentitel dienen der Erläuterung des Gezeigten. Indem der Film die verschiedenen Arbeits- und Gesellschaftssysteme aufzeigt, ohne sie zu bewerten oder direkt zu vergleichen, überlässt er es letztlich dem Zuschauer, seine ganz eigenen Schlüsse zu ziehen.
Bildnachweis: Standfotos / Harun Farocki, Berlin
