Schachtelwerk
Gemauerte Pizzakartons als Messestand
Ein Mauerwerk der besonderen Art erlebten die Besucher der internationalen Einrichtungsmesse IMM im Januar 2010 in Köln: Studierende der Fachhochschule Trier hatten im Rahmen eines interdisziplinären Entwurfsprojektes einen Messestand entworfen und realisiert, bei dem sie das Low-Tech-Material Pizzaschachtel mit einem High-Tech-Computerprogramm zu eigenwillig verformten Wänden gestapelt hatten.
Die Studierenden planten ihre Raumstruktur mit einem von ihnen selbst entwickelten 3D Programm. Dabei hatte die, an der ETH Zürich entstandene und mittels eines Roboters gebaute, „programmierte Wand” den Studierenden durchaus als Inspiration gedient. Doch in Ermangelung eines teuren Roboters erfanden sie ein eigenes Verfahren, bei dem ein aufgehängter Beamer die einzelnen programmierten Schichten aufeinander projizierte. Diese wurden dann von Hand montiert, eine Vorgehensweise, die - so die Erbauer auf ihrer Website - zu „menschlich bedingten Ungenauigkeiten” führte und so eine „Balance zwischen Perfektion und Unschärfe” entstehen ließ.
Ein besonderer Reiz der Installation lag in dem Spannungsfeld, das sich zwischen dem banalen Material und dem technischen Aufwand aufspannte: Denn durch die im Script festgelegten Horizontalschnitte gab es bei der Umsetzung auf der Messe für jede Kartonschicht ein Verlegungsmuster, das mithilfe eines Beamers auf die Arbeitsfläche projiziert wurde. Der Messestand war aufgrund der Materialwahl nicht nur äußerst günstig - die Installation kostete weniger als 1000 Euro – sondern auch einfach zu transportieren, da die Kartons erst vor Ort zusammengebaut wurden. Erfreulich natürlich auch die Ökobilanz, denn nach den Messetagen konnten die einzelnen Komponenten der Installation problemlos wiederverwertet werden: Die Kartons wanderten in den Papiermüll, die verwendeten Schrauben in die Werkstätten der FH Trier.
Die Installation war Teil eines Projektes des Fachbereichs Gestaltung, das im Sommersemester 2009 als interdisziplinäres Entwurfsseminar der Fachrichtungen Innenarchitektur, Architektur und Intermediales Design begonnen hatte. Das Projekt wurde von den beiden Professoren Ingo Krapf, Lehrgebiet Produkt-, Möbel- und Ausstellungsdesign, und Holger Hoffmann, Lehrgebiet Digitales Konstruieren und Entwerfen, betreut.
