Nepalesische Maurerkunst

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Frankfurter Studenten mauern im Kathmandutal/NEP

Wird von asiatischer Architektur gesprochen, so entstehen vor allem chinesische Mega Cities vor dem inneren Auge. Eine baukulturelle Erfahrung ganz anderer Art machten 25 Architekturstudierende der Fachhochschule Frankfurt a. M. in Nepal, im Rahmen eines durch die Ruprecht-Karls Universität Heidelberg geförderten Projektes unter dem Namen „Asia and Europe“.

Nachdem die Studierenden Ziegel unterschiedlichen Formates und unterschiedlicher Oberflächengestaltung entworfen, modelliert und anschließend Prototypen in Lehm gefertigt hatten, wurden diese von einem nepalesischen Ziegelmacher zu 3.600 Rohlingen verarbeitet. Im Herbst letzten Jahres fuhren die Studierenden dann nach Bhaktapur, wo sie inmitten von Reisfeldern auf einem Quadrat von 3,5 m Seitenlänge eine Turmskulptur errichteten. Ohne jede Vorplanung entstand Schicht um Schicht unter Verwendung der in Frankfurt entworfenen Ziegel sowie 10.000 gebrannten und weiteren 10.000 ungebrannten nepalesischen Normziegeln.

Während des Bauprozesses erfuhren die Studierenden eine Einführung in die Grundlagen des Maurerhandwerks nepalesischer Prägung. Unter Anleitung der ortsansässigen newarischen Maurer setzten sie gebrannte Ziegel in einem zweischaligen Verbund mit luftgetrockneten Ziegelrohlingen. Der mit den Füßen gewalkte Aushub wurde unter Zugabe von Sand zu Mörtel weiter verarbeitet und in die Lager- und Setzfugen geworfen. Die vor Ort handgefertigten und gebrannten Ziegel der Studenten liegen jeweils schichtweise zusammen mit lokalen Ziegelformaten.

Durch die Begegnung mit der alten Stadtkultur der Newars des Kathmandu-Tales habe die Gruppe auf gewohnte Denkweisen und Praktiken im Bauen verzichten müssen, die mit Perfektion, Normung und Linearität verbunden seien, erklärt der Leiter der Exkursion Wolfgang Rang von der FH Frankfurt. Das Ziel des Heidelberger Projektes sei es, derartige „Asymmetrien im transkulturellen Fluss von Ideen zwischen Europa und Asien“ zu erforschen.

Bildnachweis: Fachhochschule Frankfurt a. M.