Heizlast im Niedrigenergie- und Passivhaus

Begriffe, Definitionen und Berechnungsmethoden

Die Berechnung der Heizlast bildet die Grundlage für die sachgerechte Dimensionierung von Heizungsanlagen und Systemen zur Warmwasserbereitung. Sie sollte mit größtmöglicher Genauigkeit erfolgen, um Über- oder Unterdimensionierungen und damit verbundene Effizienzverluste sowie unnötig hohe Investitions- und Betriebskosten zu vermeiden. Während bei konventionellen Gebäuden geringfügige Abweichungen häufig noch tolerierbar sind, wirken sich Berechnungsfehler bei Niedrigenergie- und Passivhäusern deutlich stärker aus: Hier sind Gebäudehülle, Anlagentechnik und Lüftungssysteme präzise aufeinander abgestimmt. Entsprechend erfordert die Heizlastermittlung eine fundierte und sorgfältige Herleitung. Durch die konsequente Minimierung von Transmissions- und Lüftungswärmeverlusten kommt das Passivhaus in der Regel sogar ohne klassische Gebäudeheizung aus.

Galerie

Historische Entwicklung und Definitionen

Noch bis in die 1980er-Jahre hinein wurden Heizungsanlagen nicht selten massiv überdimensioniert. Brennstoffe waren damals verhältnismäßig günstig, die Gebäudehüllen dafür energetisch schwach. Mit der ersten Wärmeschutzverordnung (WSchV 1977) und der Einführung des Niedrigenergiehauses in den 1990er-Jahren (Heizwärmebedarf < 70 kWh/m²a) rückte die Gebäudehülle zunehmend in den Fokus. Ein entscheidender Meilenstein war 1991 das erste sogenannte Passivhaus in Darmstadt. Hier wurde die Heizlast so weit reduziert (≤ 10 W/m²), dass die Zuluft der Lüftungsanlage als alleiniger Wärmeträger ausreichte. Eine klassische Heizung im Sinne eines wassergeführten Systems war damit überflüssig.

Galerie

Im Februar 2002 trat die Energieeinsparverordnung (EnEV) in Kraft und führte die bis dahin geltenden Anforderungen der Wärmeschutzverordnung (WSchV) und der Heizungsanlagenverordnung (HeizAnlV) zusammen. In mehreren Novellierungen wurden die energetischen Standards in den Folgejahren sukzessive verschärft, was sowohl die Dämmqualität der Gebäudehülle als auch die Anforderungen an die Anlagentechnik maßgeblich prägte und den zulässigen Wärmebedarf kontinuierlich reduzierte. Ende 2020 wurde die EnEV vom heute gültigen Gebäudeenergiegesetz (GEG) abgelöst. Vor dem Hintergrund steigender Energiepreise und klimapolitischer Zielsetzungen sind die verschärften Vorgaben folgerichtig; zugleich stehen heute vielfältige bau- und anlagentechnische Lösungen für energieeffiziente Gebäude zur Verfügung.

Galerie

Der Begriff Effizienzhaus wurde 2009 von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) eingeführt und beschreibt einen energetischen Standard für Wohngebäude im Vergleich zu einem Referenzgebäude nach den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) – dieses entspricht dem Effizienzhaus 100. Ein Effizienzhaus 55 (EH55) darf demnach lediglich 55 Prozent des Primärenergiebedarfs dieses Referenzgebäudes aufweisen. Der Effizienzhausstandard formuliert damit einen relativen Kennwert. Demgegenüber definiert der Passivhausstandard absolute Grenzwerte, etwa für den flächenbezogenen Heizwärmebedarf oder die Heizlast, mit dem Ziel, den Wärmebedarf so weit zu reduzieren, dass eine konventionelle Gebäudeheizung entbehrlich wird.

Normen und Richtlinien

Für die korrekte Ermittlung der Heizlast müssen bei konventionellen Gebäuden das GEG in seiner aktuellsten Version sowie die DIN EN 12831-1: Energetische Bewertung von Gebäuden - Verfahren zur Berechnung der Norm-Heizlast - Teil 1: Raumheizlast angewendet werden. Grundlage ist hier die maximale Leistung am kältesten Tag des Jahres. Für Passivhäuser ist das Passivhaus-Projektierungspaket (PHPP) des Passivhaus Instituts in Darmstadt das entscheidende Planungswerkzeug. Im Gegensatz zur DIN EN 12831, die eher konservativ (ohne Berücksichtigung interner und solarer Gewinne) rechnet, bilanziert das PHPP diese Gewinne sehr genau. Dies verhindert eine Überdimensionierung, die etwa bei hocheffizienten Häusern oft zu ineffizienten Taktzyklen von Wärmepumpen führt. 

Merksatz:
Die DIN EN 12831 stellt sicher, dass es warm wird, das PHPP hingegen garantiert, dass das Gesamtsystem als Passivhaus funktioniert.

Heizlastberechnung nach PHPP

Der wesentliche Unterschied zwischen der Berechnung der Heizlast nach DIN EN 12831 und dem Passivhaus-Projektierungs-Paket liegt in der Herangehensweise und Detailtiefe:

  • Verzicht auf Sicherheitszuschlag: Wo die konventionelle Heizlastberechnung als statisches Verfahren vom schlechtesten Fall ausgeht und somit die berechnete Heizlast oft höher ist als der tatsächliche Bedarf, bilanziert das Passivhaus-Verfahren dynamischer. Sicherheitszuschläge würden zu einer massiven Überdimensionierung führen, da die Heizlast maximal 10 W/m² betragen darf.
  • Berücksichtigung interner und solarer Gewinne: Interne und solare Gewinne durch Fenster werden bei der konventionellen Berechnung meist ignoriert. Demgegenüber sind diese im Passivhaus integraler, fest einkalkulierter Bestandteil der Heizstrategie. Da das Haus so wenig Energie verliert, decken zwei brennende Kerzen oder ein laufender Computer bereits einen spürbaren Prozentsatz der Heizlast.
  • Luftheizbarkeit als Grenze: Bei einem herkömmlichen Gebäude ist die Heizlast lediglich eine Zahl zur Wahl des Kessels. Beim Passivhaus ist sie ein funktionales Kriterium. Die Heizlast muss so niedrig sein, dass die notwendige Wärme allein über die hygienisch erforderliche Zuluft transportiert werden kann. Die physikalische Grenze der Luftkapazität liegt bei ca. 10 W/m². Steigt die berechnete Last zum Beispiel auf 12 W/m², ist es streng genommen kein Passivhaus mehr, da man zusätzliche Heizflächen (wie eine Fußbodenheizung) benötigen würde.
  • Raumweise Berechnung: Eine pauschale Berechnung für das ganze Haus reicht nicht aus. Um thermischen Komfort zu garantieren, muss jeder Raum (insbesondere Bäder mit höherem Temperaturbedarf) einzeln betrachtet werden.
  • Lüftungskonzept: In hocheffizienten Häusern machen die Lüftungswärmeverluste einen erheblichen Teil der Gesamtheizlast aus. Der Einsatz einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung (WRG) ist essenziell und muss in die Berechnung einfließen.
  • Wärmebrückenfreiheit: Planer müssen Details (Fensteranschlüsse, Bodenplatte) wärmebrückenfrei planen (Ψ ≤ 0,01 W/(mK)). Pauschale Zuschläge in der Heizlastberechnung führen sonst zu unnötig großen Heizgeräten.

Passivhaus-Projektierungspaket (PHPP)

Das Passivhaus-Projektierungspaket (PHPP) ist ein Excel basiertes Planungstool für Neubauten und Modernisierungen zur präzisen Berechnung des Energiebedarfs, der Heizlast und des sommerlichen Wärmeschutzes. Es liefert zudem den nötigen Nachweis für die Zertifizierung als Passivhaus, EnerPHit-Sanierung oder PHI Energiesparhaus (siehe Surftipps). 

Es berechnet u. a.:

  • Heizwärmebedarf pro Jahr [kWh/(m²a)] und maximale Heizlast [W/m²]
  • Sommerkomfort bei aktiver Kühlung: Kühlbedarf pro Jahr [kWh/(m²a)] und maximale Kühllast [W/m²]
  • Sommerkomfort bei passiver Kühlung: Übertemperaturhäufigkeit [%]
  • Bedarf an Erneuerbarer Primärenergie (PER) pro Jahr und Primärenergiebedarf (PE) aller Energiedienstleistungen im gesamten Gebäude [kWh/(m²a)]
  • Abschätzung der jährlichen Gewinne an erneuerbarer Energie [kWh/(m²a)]

Die wichtigsten Rahmenbedingungen sind:

  • Energiekennwert Heizwärme max. 15 kWh/(m²·a) oder Heizwärmelast max. 10 W/m²
  • Drucktestluftwechsel n50 max. 0,6 h−1
  • Energiekennwert der gesamten Primärenergie max. 60[15] kWh/(m²·a) inkl. Haushaltsstrom

Für Nichtwohngebäude zusätzlich:

  • Energiekennwert Nutzkälte max. 15 kWh/(m²·a)
  • allfällige Sonderbedingungen für vom kühl-gemäßigten Klima Europas abweichende Standortbedingungen und Sonderfälle der Gebäudenutzung

Standards in Europa und der Schweiz

Ein EU-Beschluss aus dem Jahr 2008 fordert den Passivhausstandard seit 2011 für alle Mitgliedstaaten. Seit 2020 müssen alle Neubauten als nearly zero energy buildings (NZEB, Nahe-Null-Energiehäuser) errichtet werden und zudem nahezu ausschließlich erneuerbare Energien nutzen. In der Schweiz werden Gebäude dieses Typs mit einem Label nach dem Minergie-P klassifiziert und zertifiziert.

Fachwissen zum Thema

Die Berechnung der Heizlast nach dem standardisierten Berechnungsverfahren der DIN EN 12831 ist eine wichtige Voraussetzung für die Dimensionierung der Heizungsanlage

Die Berechnung der Heizlast nach dem standardisierten Berechnungsverfahren der DIN EN 12831 ist eine wichtige Voraussetzung für die Dimensionierung der Heizungsanlage

Wärmebedarf

Berechnung der Heizlast

Die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ist entscheidend für die korrekte Dimensionierung von Heizsystemen – für eine effiziente Wärmeversorgung ohne Energieverlust.

In modernen Gebäuden tragen Sonneneinstrahlung und interne Wärmequellen erheblich zur Wärmebilanz bei – daher ist der jährliche Gebäudeenergiebedarf ein zentraler Faktor.

In modernen Gebäuden tragen Sonneneinstrahlung und interne Wärmequellen erheblich zur Wärmebilanz bei – daher ist der jährliche Gebäudeenergiebedarf ein zentraler Faktor.

Wärmebedarf

Heizlast und Energiebedarf

Die Begriffe scheinen ähnlich, beschreiben jedoch zwei grundlegend unterschiedliche Konzepte. Warum die klare Unterscheidung für Planung und Förderung so wichtig ist

Funktionsprinzip einer Luft/Luft-Wärmepumpe mit Wärmetauscher und Zuluftnacherhitzer

Funktionsprinzip einer Luft/Luft-Wärmepumpe mit Wärmetauscher und Zuluftnacherhitzer

Wärmepumpen und Solarenergie

Luft/Luft-Wärmepumpen

Streng genommen ist die Luft/Luft-Wärmepumpe keine „echte“ Wärmepumpe, da sie nicht über einen Kältemittelkreislauf verfügt, sondern nach dem Prinzip eines Wärmetauschers funktioniert.

Neben der Funktionalität eines Gebäudes sollte immer die zeitlose, ansprechende Gestaltung berücksichtigt werden (im Bild: Barnimpanorama, Naturparkzentrum – Agrarmuseum Wandlitz (2013); Architektur: rw+, Berlin).

Neben der Funktionalität eines Gebäudes sollte immer die zeitlose, ansprechende Gestaltung berücksichtigt werden (im Bild: Barnimpanorama, Naturparkzentrum – Agrarmuseum Wandlitz (2013); Architektur: rw+, Berlin).

Planungsgrundlagen

Planung eines nachhaltigen Gebäudes

Nicht nur die Funktionalität, auch die zeitlose, ansprechende Gestaltung ist zu berücksichtigen. Je nach lokalen Gegebenheiten sollten Sparstrategie und Gewinnstrategie im Gleichgewicht stehen.

Das Gebäudeenergiegesetz schreibt den Einsatz erneuerbarer Energien beim Neubau vor. Im Bild: Schulbau mit Solarthermie an der Fassade

Das Gebäudeenergiegesetz schreibt den Einsatz erneuerbarer Energien beim Neubau vor. Im Bild: Schulbau mit Solarthermie an der Fassade

Planungsgrundlagen

Veränderte Gebäudetechnik durch Baustandards

Die Erzeugung und Nutzung von erneuerbaren Energien für Heizung und Warmwasserbereitung sind wichtige Bausteine für die Planung und den Betrieb von Gebäuden.

Dezentrale Lüftungsgeräte sorgen für den nötigen, kontinuierlichen Luftaustausch mit Wärmerückgewinnung.

Dezentrale Lüftungsgeräte sorgen für den nötigen, kontinuierlichen Luftaustausch mit Wärmerückgewinnung.

Lüftung

Wärmerückgewinnung in Lüftungsanlagen

Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung nutzen die Abwärme der verbrauchten Luft und erwärmen damit die frische Zuluft.

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Heizung sponsored by:
Buderus | Bosch Thermotechnik GmbH | Kontakt 06441 418 0 | www.buderus.de
Zum Seitenanfang

Berechnung der Heizlast

Die Berechnung der Heizlast nach dem standardisierten Berechnungsverfahren der DIN EN 12831 ist eine wichtige Voraussetzung für die Dimensionierung der Heizungsanlage

Die Berechnung der Heizlast nach dem standardisierten Berechnungsverfahren der DIN EN 12831 ist eine wichtige Voraussetzung für die Dimensionierung der Heizungsanlage

Die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ist entscheidend für die korrekte Dimensionierung von Heizsystemen – für eine effiziente Wärmeversorgung ohne Energieverlust.

Berechnung des Energiebedarfs

Die Berechnung des Gebäudeenergiebedarfs im Jahr ist eine wichtige Voraussetzung für die Beantragung von Fördergeldern und für die Ausstellung des Energieausweises.

Die Berechnung des Gebäudeenergiebedarfs im Jahr ist eine wichtige Voraussetzung für die Beantragung von Fördergeldern und für die Ausstellung des Energieausweises.

Der Gesamtenergiebedarf erlaubt eine vergleichbare Einschätzung der energetischen Qualität eines Gebäudes, wodurch er Grundlage für den Energieausweis und die Beantragung von Förderprogrammen ist. 

Energiebedarf versus Energieverbrauch

Zwischen dem Energiebedarf und dem Energieverbrauch gibt es oftmals eine spürbare Differenz, die sich von Planerinnen und Planern jedoch nur schwer beeinflussen lässt.

Zwischen dem Energiebedarf und dem Energieverbrauch gibt es oftmals eine spürbare Differenz, die sich von Planerinnen und Planern jedoch nur schwer beeinflussen lässt.

Zwischen dem Energiebedarf und dem Energieverbrauch gibt es oftmals eine deutliche Differenz, die durch sogenannte Prebound- und Rebound-Effekte entsteht.

Heizlast im Niedrigenergie- und Passivhaus

Das weltweit erste Passivhaus wurde vor 35 Jahren in Darmstadt errichtet. Das Passivhaus Institut vor 30 Jahren durch Wolfgang Feist, ebenfalls in Darmstadt. 2015 wurde eine PV-Anlage nachgerüstet.

Das weltweit erste Passivhaus wurde vor 35 Jahren in Darmstadt errichtet. Das Passivhaus Institut vor 30 Jahren durch Wolfgang Feist, ebenfalls in Darmstadt. 2015 wurde eine PV-Anlage nachgerüstet.

Die Berechnung der Heizlast von Passivhäusern unterscheidet sich grundlegend von der herkömmlicher Gebäude. Was gilt es zu beachten?

Heizlast und Energiebedarf

In modernen Gebäuden tragen Sonneneinstrahlung und interne Wärmequellen erheblich zur Wärmebilanz bei – daher ist der jährliche Gebäudeenergiebedarf ein zentraler Faktor.

In modernen Gebäuden tragen Sonneneinstrahlung und interne Wärmequellen erheblich zur Wärmebilanz bei – daher ist der jährliche Gebäudeenergiebedarf ein zentraler Faktor.

Die Begriffe scheinen ähnlich, beschreiben jedoch zwei grundlegend unterschiedliche Konzepte. Warum die klare Unterscheidung für Planung und Förderung so wichtig ist

Heizungsangebot anfordern

Mit Buderus erhalten Sie unverbindlich ein Angebot für Ihr individuelles Heizsystem. Mehr erfahren!

Partner-Anzeige