Energiegewinnung durch opake Außenwände
Forschungsprojekt der Hochschule Wismar
Die Nutzung von lichtundurchlässigen Außenwandflächen zur Energiegewinnung ist bislang eher ungewöhnlich. Ein Forschungsvorhaben an der Hochschule Wismar könnte dies ändern. Die Forscher testen auf einem Freibewitterungsstand in Lübesse (Landkreis Ludwigslust-Parchim) energetisch aktive Fassaden, bei denen Kapillarrohrmatten in ein Wärmdämmverbundsystem (WDVS) integriert sind. Ein Untersuchungsschwerpunkt liegt auf dem technischen und ökonomischen Aufwand, den solche Systeme verursachen.
Die sechs nach Süden ausgerichteten Testfelder sind auf einer Unterkonstruktion mit OSB-Platten als WDVS montiert. In der zweilagigen, etwa 16 mm dicken Putzschicht installierte Kapillarrohrmatten entziehen der Fassadenoberfläche mit Hilfe der durchströmenden Wärmeträgerflüssigkeit Wärmeenergie, die sich wiederum durch eine Wärmepumpe für die Gebäudeheizung nutzen lässt.
Um den Erwärmungs- bzw. Absorptionsgrad der Flächen zu untersuchen, wurden helle, dunkle sowie infrarotreflektierende und niedrigemittierende Farben aufgebracht. Als Dämmstoffe kamen expandierter Polystyrol-Hartschaum (EPS), Polyurethan (PUR) und Schaumglas zum Einsatz, die jedoch weniger im Hinblick auf den Energiegewinn als auf ihre Verarbeitbarkeit getestet wurden. Neben dem Teststand hat die Forschungsgruppe in einem Technikhaus ein Mess- und Steuerungssystem installiert, das den Volumenstrom sowie die Entnahmezeiten regelt und eine Unterkühlung verhindert. Auf diese Weise werden Bauschäden durch Vereisung oder übermäßige Betauung der Oberflächen vermieden.
Der Freibewitterungsversuch der Hochschule Wismar ist Teil des dreijährigen Forschungsprojektes „Biop FS: Bifunktionale opake Fassadensysteme zur Dämmung und Wärmeenergiegewinnung“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.
