Glasstützen
Glasstützen wurden bisher nur selten ausgeführt, da die fehlende Duktilität des Glases gerade bei Stützkonstruktionen problematisch ist. Bisher fehlen abgesicherte Angaben zum Stabilitätsverhalten von Glas.
Neben einem Projekt im französischen St. Germain-en-Laye, bei denen kreuzförmige Stützen um einen inneren, schlanken Stahlkern angeordnet wurden, ist eines der bekanntesten Projekte in Deutschland der Glaspavillon in Rheinbach (Architekten: Marquardt und Hieber, Ingenieure: Ludwig und Weiler). Hierbei wird das Stahldach des gesamten Gebäude nur über Glasstützen aus 3-fach VSG getragen. In umfangreichen Versuchsreihen an der RWTH Aachen wurde das Tragverhalten der Stützen bezüglich Stabilität, im Bereich der Lasteinleitung und bei Versagen einzelner Scheiben des VSG-Verbundes untersucht.
Wichtig für Glaskonstruktionen dieser Art sind auch Ausfallszenarien, bei denen nachgewiesen wird, dass es bei komplettem Versagen einer der Stützen, z.B. durch Anprall, nicht zum Versagen der Gesamtkonstruktion kommt.
Im Bereich von druckbelasteten Traggliedern bieten auch Stützen aus Glasrohren eine Möglichkeit, hohe Normalkräfte abzutragen. Durch die Geometrie können von dem Querschnitt auch exzentrische Lasten aufgenommen werden. Bei einem Versuchsaufbau an der Technischen Universität Darmstadt wurde eine zentrisch vorgespannte Glasstütze aus Borosilikatglas im Dauerstandsversuch getestet. Die Belastung der Stütze erfolgt durch die Vorspannung eines Spannstahles im Inneren des Rohres. Im Bereich der Stoßfugen wurde ein Acrylatmörtel verwendet, um den Kontakt mit den Stahlmuffen zu vermeiden und eine gleichmäßige Lasteinleitung zu gewährleisten. Für die praktische Anwendung dieser Glasrohre muss in weiteren Untersuchungen die Resttragfähigkeit bei Ausführung im Verbund mit einem weiteren Rohr untersucht werden.
Bildnachweis: TU Darmstadt
