Geschichte der Glasherstellung
Um das Jahr 1000 n.Chr. wurden in Europa die ersten Fenster aus Glas hergestellt. Neben kleinen sogenannten Butzenscheiben, die aus flachen, kreisförmigen, handtellergroßen Glasstücken hergestellt wurden, konnte man Zylinder blasen, welche aufgeschnitten und danach flach ausgewalzt wurden.
Die Qualität dieser Gläser war jedoch gering, starke Schwankungen der Dicke, Unebenheiten und Einschlüsse nahezu unvermeidlich. Für die Herstellung von höherwertigen Gläsern stellte man Glasplatten im Gussverfahren her, die zunächst in eine Form mit etwa dem Doppelten der später benötigten Dicke gegossen, und nach dem Abkühlen geschliffen und poliert wurden, bis diese die gewünschte Qualität und Dicke hatten. Dieses Glas war teuer und spielte daher für das Bauwesen nur eine untergeordnete Rolle.
Als Fensterglas wurde es erst im 17. Jh. in England bei Schlössern in größerer Stückzahl verwendet, um Reichtum zu demonstrieren.
Anfang des 20. Jh. wurden mit dem Fourcault-Verfahren und dem Libby-Owens-Verfahren - beinahe zeitgleich in Belgien und den Vereinigten Staaten - Methoden entwickelt, mit dem dünnes Flachglas in großer Menge wirtschaftlicher hergestellt werden konnte. Bei diesen Verfahren wird das Glas in einem kontinuierlichen Prozess mit Rollen direkt aus der Schmelze abgezogen und in einem Kühlbereich gekühlt. Mit der Prozessgeschwindigkeit kann die Dicke der Scheiben eingestellt werden. Die Qualität des gezogenen Flachglases ist für Fensterglas ausreichend, jedoch können Schlieren und Dickenunterschiede innerhalb einer Scheibe nicht vermieden werden.
Gläser, an die bezüglich ihrer Transparenz und Ebenheit höhere Ansprüche gestellt wurden, mussten weiterhin im Gussverfahren mit nachträglichem Schleifen und Polieren hergestellt werden. Dieser Prozess wurde in den 1930er Jahren von Ford und Pilkington optimiert. Geschmolzenes Glas wird dabei wiederum in einem kontinuierlichen Prozess von Rollen abgezogen und nach dem Kühlprozess automatisch von beiden Seiten geschliffen und poliert. Auch heute noch wird mit diesem Verfahren Gussglas hergestellt, das über die Rollen häufig mit einer Ornamentierung versehen wird. Alle im Bauwesen verwendeten Gläser wurden bis in die 1950er Jahre hinein in einem der oben genannten Verfahren hergestellt.
Gezogenes Flachglas, das vorwiegend als Fensterglas eingesetzt wurde, war billig, dünn und glatt, aber schlierig. Poliertes Gussglas, welches für Spiegelglas verwendet wurde, war dicker und von guter Transparenz, aber deutlich teurer.
Mit dem von Pilkington entwickelten Floatglasverfahren (1952) wurde die wirtschaftliche Herstellung großer Mengen qualitativ hochwertigen Flachglases schließlich revolutioniert. Das gängige Gussverfahren wurde weiter entwickelt: Das Glas läuft nach dem Schmelzen nicht über Rollen, sondern schwimmt zuerst auf einem flüssigen Zinnbad auf (engl. floating). Es entstehen hierbei zwei ideale, parallele Oberflächen, und das Glasband wird am Ende des Zinnbades direkt in den Kühlprozess überführt. Der kontrollierte Kühlprozess ist bei der industriellen Produktion von entscheidender Bedeutung. Floatglas ist Basisprodukt für nahezu alle höherwertigen Gläser wie thermisch vorgespannte (Sicherheits-)Gläser, Verbund-Sicherheitsgläser und Isoliergläser mit Wärme-, Schall-, und Sonnenschutzfunktion.
Bildnachweis: Pilkington, Essen
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