Lärmschutz mit Glas

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Schalldämmwerte bis über 52 dB

Lärm zählt zu den größten und zugleich meistunterschätzten Umweltproblemen der heutigen Zeit. Laut der Europäischen Umweltagentur leiden allein in Europa mindestens 41 Millionen Menschen unter einer Lärmbelastung, die auf Dauer zu schwerwiegenden Gesundheitsschäden führen kann. Kein Wunder also, dass sowohl im Wohn- als auch im Gewerbebau das Thema Schallschutz immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Vor allem Fenster gelten, was die Schalldämmung bei Gebäuden angeht, häufig als Schwachstellen - zu Unrecht, denn auch hier hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Die Einstufung eines Fensters in eine der sechs Schallschutzklassen (SSK) nach VDI 2719 erfolgt in der Regel nach einer Baumuster- oder Eignungsprüfung, die in einem Labor durchgeführt wird. Diese Einteilung erleichtert die Auswahl des passenden Fensters in der Praxis erheblich. Schon in der Planungsphase lässt sich auf diese Weise das geeignete Fenster für die zu erwartende Lärmbelastung auswählen. So muss beispielsweise ein Fenster der SSK 3 im Prüfstand eine Schalldämmung von mindestens 37 dB erreichen. Fenster der höchsten Schallschutzklasse, der SSK 6, erzielen mittlerweile sogar Dämmwerte von mehr als 52 dB, was einer Lärmbelastung einer stark befahrenen Schnellstraße entspricht. Darin eingeschlossen ist eine „Reserve“, da die optimierten Bedingungen des Prüfstandes von der Realität leicht abweichen können. Welche Schallschutzklasse im jeweiligen Fall die richtige ist, sollte idealerweise durch Schallmessungen vor Ort bestimmt werden.

Für den Schallschutz eines Fensters sind in erster Linie die Glasscheiben verantwortlich. So hat eine 12-mm-Einfachscheibe beispielsweise einen Schalldämmwert von 34 dB, eine 4-mm-Scheibe erreicht lediglich 29 dB. Aber auch der Scheibenzwischenraum lässt sich für die Schalldämmung nutzen, etwa durch dessen Vergrößerung oder durch das Einfüllen eines speziellen Gases. Bis vor einiger Zeit wurde hierfür das farb- und geruchlose Schwefelhexafluorid (SF6) verwendet, das aufgrund seiner schädigenden Auswirkungen auf die Atmosphäre mittlerweile in Deutschland und in weiten Teilen Europas verboten ist. Mittlerweile lassen sich jedoch auch ohne den Einsatz von SF6 hervorragende Schalldämmwerte erzielen. Zum Beispiel durch Gießharz-Verbundglas oder ein Schalldämm-Verbundsicherheitsglas. Die Funktionsweise ist in beiden Fällen die gleiche: Durch das sehr weich eingestellte Verbundmaterial werden die Einzelscheiben entkoppelt und die Schwingungen über einen weiten Frequenzbereich äußerst effektiv gedämpft. Mit anderen Worten: Die Scheibe schwingt weniger lange nach. Das Ergebnis ist eine Reduzierung des Lärms von über 50 dB.

In den oberen Schallschutzklassen setzen sich die modernen Schalldämm-Verbundgläser im Vergleich zu den Gießharzprodukten immer mehr durch. Das liegt unter anderem daran, dass diese als Bandmaß lieferbar sind und man mit ihnen zusätzlich eine Absturzsicherung erreichen bzw. Überkopfverglasungen realisieren kann. Der Trend geht außerdem in Richtung Dreifach-Verglasungen, mit denen sich nicht nur der Energieverbrauch senken, sondern auch die Schalldämmung verbessern lässt.

Quelle/Bildnachweis: Pilkington, Gladbeck

Surftipps

www.baunetzwissen.de/Akustik
www.pilkington.com > Schallschutz-Isoliergläser
www.umweltbundesamt.de > Auswirkungen von Lärm