Kehlbalkendach (II)
Konstruktion
Bei Sparrenlängen über 4,50 m sind diese gegen Durchbiegung mit zusätzlichen horizontalen Balken, dem sogenannten Kehlbalken, zu sichern. Die Lage der Kehlbalken ergibt sich aus der größten Durchbiegung der Sparren und sollte deshalb auf halber Höhe, in der Sparrenmitte liegen.
Die tatsächliche Ausrichtung wird jedoch durch die gewünschte bzw. notwendige Höhe des ausgebauten Dachgeschosses festgelegt, wobei die Sparrenenden gegen den First eine maximale Länge von freitragenden 3,50 m aufweisen dürfen. Sind größere Abmessungen zu erwarten, kann ein zweiter zusätzlicher Balken der sogenannte Hahnenbalken angeordnet werden.
Lasten
Der Kehlbalken wird bei einem unausgebauten Dachraum nur in Faserrichtung also auf Druck beansprucht, bei Nutzung des darüberliegenden Raumes wird er jedoch durch Verkehrs- und Eigenlasten zusätzlich auch auf Biegung beansprucht. Die unterschiedlichen Lastfälle sind bei der Dimensionierung zu beachten.
Anschlüsse
Kehlbalkendächer wurden früher mit Zapfen und Versatz ausgebildet, was jedoch zu einer Schwächung der Sparren an der am stärksten beanspruchten Stelle führt. Heutzutage wird in der Regel mit Knaggen ein Versatz gebildet und der Kehlbalken an sich seitlich über Brettlaschen am Sparren gesichert. Vielfach wird der Kehlbalken auch durch zwei zangenartige, gegeneinader mit Futterklötzen ausgesteifte Holzprofile gebildet, die mit dem Sparren durch Dübel oder Nägel verbunden sind.
Die weiteren Konstruktionspunkte entsprechen denen des Sparrendaches.
Bildnachweis: Frick/Knöll/Neumann/Weinbrenner: Baukonstruktionslehre Teil 2, Stuttgart 2003
