Geschichte des Daches (II)

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Vom Giebeldach bis zum Olympiastadion

Hinsichtlich der Dachkonstruktion unterschieden sich im europäischen Raum schon die ersten Häuser (Einraumhäuser). Typisch für das römisch-bäuerliche Herdhaus war das Rofendach mit Firstbalken, wohingegen das germanische Haus in der Regel von einem Sparrendach auf Pfostenringgestell überdacht wurde. Bei der Weiterentwicklung der Häuser kann man von der Entwicklung zweier Grundkonstruktionen für das geneigte Dach ausgehen:

Beide Formen sind die Basis für zahlreiche Weiterentwicklungen im Sinne spezieller Beanspruchungen, gängige Beispiele hierfür sind z. B. das Kehlbalkendach, das Hängewerk oder auch das Sprengwerk. Zudem entwickelten sich über die Jahrhunderte zahlreiche Mischformen.

Im Zeitalter der Industrialisierung und der Entwicklung neuer Baustoffe und Techniken sollten immer größere bauliche Dimensionen und Spannweiten überbrückt werden. Die stützenfreie Überdachung großer Flächen konnte mit Hilfe von folgenden Konstruktionen umgesetzt werden:

  • Skelettkonstruktionen (Weltausstellungshalle in Chicago von 1893)
  • Räumliche Tragwerke
  • (Flugzeughalle in Orbetello von Pier Luigi Nervi, 1939-41)
  • Flächentragwerke
  • (Fabrikhalle in San Bartolo von Felix Candela, 1950)

Auf der Suche nach leichteren Konstruktionen mit geringerem Eigengewicht entdeckte man Seilnetzkonstruktionen mit steifen (Deutscher Pavillon in Montreal von Frei Otto, 1967) und freien Rändern (Olympiastadion in München von Frei Otto/Günter Behnisch, 1972). Letzteres wird konstruktiv von Masten und Spannseilen gehalten.

Neben einer Vielzahl von neuen Möglichkeiten der Dachausbildung und -gestaltung haben die tradierten Konstruktionen weiterhin ihren festen Platz im modernen Baugeschehen.

Bildnachweis: Aviaplan AS, Nordic Timber Council (NTC) (1); The Architectural Review, London/GB (2); Behnisch, Behnisch & Partner, München (3)