Untersuchung zur Lebensdauer von Reetdächern
Langzeitversuchsdach Bandreisserkate
Wie alle traditionellen Konstruktionen ist auch die Bauweise von Reetdächern geprägt durch Wissen, das über die Jahrhunderte hinweg überliefert wurde. Ein Umstand, der heutigen Qualitätsansprüchen an Baukonstruktionen längst nicht mehr genügt. Normen, Qualitätsstandards und Fachregeln sind unzureichend entwickelt und erforscht, traditionelles Wissen hingegen teilweise verschüttet oder unzureichend überliefert.
Seit einigen Jahren gelten Reetdächer daher als schadensanfällig. Unberücksichtigt bleibt meist, dass die Konstruktion bei einem neu genutzten Dachraum angepasst werden muss - und zwar nicht nur zur Belichtung. Werden dann bauphysikalische Zusammenhänge missachtet, führt dies zu Schäden in der Konstruktion.
Um den Zusammenhang von Dachdeckungstechniken und Schadensbefällen sowie Möglichkeiten zur Schädlingsbekämpfung zu testen, hat die Reetdachdeckerinnung in Zusammenarbeit mit dem Schleswig-Holsteinischen Freilichtmuseum einen Langzeitversuch gestartet:
„Ziel der Herstellung dieses Versuchsdaches ist es herauszufinden, welche Faktoren ausschlaggebend für ein langes Leben des Reetdaches sind. Auf den heutigen Reetdächern zeigen sich in einigen Fällen innerhalb weniger Jahre gallertartige Beläge oder vorzeitige Abbauvorgänge. Auf der Süd-West-Seite dieses Daches wird anhand einer Neueindeckung untersucht, ob unterschiedliche Bindetechniken hierfür die Ursache sein könnten. In einigen Teilbereichen des Daches wurde darüber hinaus ein Produkt zur Bekämpfung von Mikroorganismen wie Algen, Schimmelpilzen, Moosen und Sporen aufgetragen, um den Einsatz chemischer Substanzen zu überprüfen. In der Mitte können Sie das ursprüngliche Dach als einen schmalen Streifen noch sehen. An den Übergängen von den neuen zur alten Dacheindeckung wird nun beobachtet, ob altes, bereits angegriffenes Material eine zusätzliche Belastung für die neue Eindeckung bedeutet.
Reetdächer stellen bei Pflege und Wartung einen höheren Anspruch an den Besitzer. Die Oberflächen verschmutzen im Laufe der Jahre und wittern ab. So bildet sich ein guter Nährboden für schädigende und nicht schädigende Organismen wie z.B. Moose, Gräser oder Birken. Auf der Nord-Ost-Dachfläche der Bandreisserkate wurde die Dachoberfläche in zwei unterschiedlichen – jedoch handwerksüblichen – Methoden überarbeitet. Im direkten Vergleich wird sich zeigen, welche der Methoden die bessere ist. Auch hier wurde in Teilbereichen das Produkt zur Bekämpfung von Mikroorganismen aufgetragen.“
(Quelle: Gesellschaft zur Qualitätssicherung Reet mbH)
Bildnachweis: Jan Juraschek, QSR (Gesellschaft zur Qualitätssicherung Reet mbH)
