Temporärer Pavillon aus Bierkisten

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„Boxel“ in Detmold

Studenten und Bierkisten - was nach feuchtfröhlicher Campusparty klingt, bildete in diesem Fall die Grundlage für ein ungewöhnliches Architektur-Projekt in Detmold. An der Schule für Architektur und Innenarchitektur entstand im Sommersemester 2010 ein temporärer Aufenthalts- und Kommunikationsraum für Studierende, der unter anderem für die International Summer School und die Semester-Abschlussparty genutzt wurde.

Boxel nennt sich der Pavillon, der im Rahmen des Wahlpflichtfachs „Mock-up“ mit Hilfe digitaler Entwurfswerkzeuge entwickelt wurde. Das Bauwerk nach einem Entwurf des Studenten Henri Schweynoch sieht von Ferne wie ein überdimensioniertes Lego-Spielzeug aus und nahm dank 2.000 Bierkästen, 20.000 Holzlatten und 30.000 Schrauben Gestalt an. Das freitragende geometrische Gebilde mit minimierter Fläche, die durch die Krümmung nach verschiedenen Seiten Spannung erhält, lastet auf drei Fundamenten, die ihrerseits aus mit Beton gefüllten Bierkästen bestehen.
 
„Die frei geschwungene Form des Pavillons (...) ist in ihrer skulpturalen Wirkung spektakulär und stellt gleichzeitig hohe Anforderungen an Planung und Konstruktion“, kommentierte Marco Hemmerling, der in Detmold digitales Entwerfen lehrt, den Entwurf. Er hatte zehn Studierenden den Auftrag für das Erstellen eines Pavillons am Computer erteilt, die besten Ideen sollten im Anschluss realisiert werden. Schweynochs Entwurf setzte sich als Sieger durch und sein Bierkasten-Pavillon konnte innerhalb einer Woche Bauzeit auf dem Campus in die Tat umgesetzt werden. Die verwendeten Kisten stiftete eine lokale Brauerei; sie werden nach Abbau des Pavillons recycelt.   
 
Zum Boxel-Team gehörten als Lehrende neben Marco Hemmerling auch Matthias Michl, David Lemberski, Guido Brand und Claus Dies. Dem Entwurf vorausgegangen war eine umfassende theoretische Beschäftigung mit der Thematik, die auch eine typologische Untersuchung bestehender Pavillon-Bauten einschloss. Schewynochs Entwurf setzte sich in einem internen Stegreif-Verfahren durch, die Konstruktion wurde mithilfe eines digitalen Berechnungsverfahrens optimiert. Die Statik des Materials wurde vor der praktischen Umsetzung in mehreren Testreihen im Labor geprüft. Bedauerlich, dass diese gelungene Synthese aus Nachhaltigkeit und eindrucksvollem Design von kurzer Lebensdauer ist. Man darf gespannt sein, was im nächsten Sommer folgen wird.

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