Steingutfliesen und -platten
Steingut ist der traditionelle Begriff für keramische Fliesen mit einem feinkörnigen, kristallinen, porösen Scherben mit hoher Wasseraufnahme. Steingutfliesen werden im Trockenpressverfahren (Gruppe BIII, siehe Beitrag „Keramische Fliesen und Platten: Einteilung nach Norm“) hergestellt. Dabei werden anorganische Hartstoffe wie Quarz, Feldspat und Schamotte sowie Weichstoffe wie Ton oder Kaolin gemahlen, unter Zusatz von Wasser gemischt und unter hohem Druck in Stahlformen gepresst. Nach dem Pressvorgang erfolgt der Auftrag der Glasur. Anschließend werden sie bei Temperaturen zwischen 850 – 1.000 C° gebrannt. Da bei diesen Temperaturen noch keine Sinterung einsetzt, ist der Scherben der Steingutfliesen porös. Aus diesem Grund lassen sie sich problemlos zuschneiden, brechen und mit Löchern für Rohrdurchführungen, Aussparungen, etc. versehen.
Steingutfliesen sind immer glasiert. Die Glasuren bieten dem Scherben Schutz vor den – im Haushalt üblichen – Säuren und Verfleckungen und erleichtern zudem die Reinigung. Eingesetzt werden können sie nur im Innenbereich, da sie nicht frostbeständig sind. Bevorzugte Anwendung ist der gesamte Wandbereich, vor allem in privaten Bädern und überhaupt in Nasszellen. Steingutfliesen mit dickem Scherben werden gelegentlich auch als Bodenbelag eingesetzt. Diese Anwendung sollte sich jedoch auf mäßig beanspruchte Böden im Wohnbereich beschränken. Der Einsatz in mechanisch stark belasteten Bereichen ist nicht möglich.