VHF: Vorgehängte hinterlüftete Fassaden - Teil 2
Im Hinblick auf den Arbeitsaufwand und den Materialeinsatz sind hinterlüftete Fassaden kostenintensiver als andere Konstruktionsarten. Bauphysikalisch gesehen haben sie jedoch einige Vorzüge. Die zusätzliche Luftschicht bietet einen erhöhten Wärmeschutz und ermöglicht darüber hinaus eine erweiterte Bewegungs- und Spannungsaufnahme, die Trocknung der Konstruktion sowie die Reduzierung der Feuchteentwicklung durch die Luftzirkulation. Bauschäden durch Feuchtigkeit und Ausblühungen werden dadurch reduziert. Mit hinterlüfteten Konstruktionen werden Außendämmungen ohne Kältebrücken realisiert und der Schallschutz wird erhöht. Als hinterlüftet gilt eine Fassadenkonstruktion, wenn der Abstand des Belages zur Außenwand oder der damit verbundenen Dämmschicht mindestens 20 mm beträgt. Die Ausführung einer hinterlüfteten Fassade kann traditionell oder mit industriell vorgefertigten Fassadenelementen erfolgen.
Traditionelle Ausführung
Bei der traditionellen Ausführung wird die Luftschicht durch den Einbau von perforierten Kunststoffrohren geleitet. Diese als Tafel angeordneten Rohre (Wellprofiltafeln) werden in den ersten Teil der Unterputzschicht vorsichtig eingedrückt, der restliche Putzmörtel wird anschließend in der erforderlichen Dicke angeworfen. Die Perforation dient der optimalen Verkrallung des angeworfenen Putzmörtels. Auf der erhärteten Putzmörtelschicht kann wahlweise im Dick- oder Dünnbett das gewünschte Belagsmaterial verlegt werden.
Ausführung mit industriell vorgefertigten Elementen
Die industriell vorgefertigten Platten bestehen aus einer Metall- oder Kunststoffträgerplatte. Auf dieser werden werkseitig die Belagsstoffe aufgebracht. Die Platten werden vor Ort entsprechend der Rasterplanung auf speziellen Tragankern aufgehängt. Auf dem Markt ist eine Vielzahl von Systemen mit unterschiedlichen Belagsmaterialien erhältlich. Dazu gehören u.a. die so genannten Ziegelfassaden. Durch den vom Werk vorgegebenen Querschnitt in „Nut- und Federform“ werden die Platten auf ein Traggestell aus Aluminium geschoben und mit speziellen Haltern festgeklemmt. Die Rahmenkonstruktion selbst wird mit Hilfe von Dübeln und Winkelprofilen befestigt.
Bei Gebäuden mit weniger als zwei Geschossen kann die Unterkonstruktion aus vorbehandelten, angedübelten Holzlatten bestehen. Die Befestigung der Platten allerdings muss mit nicht brennbarem Material vorgenommen werden, in der Regel wird Edelstahl verwendet.
Wünscht der Kunde eine Ausführung mit Natursteinplatten, gelten die DIN 18516 in Verbindung mit der DIN 18333: VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Betonwerksteinarbeiten. Es dürfen nur nicht rostende Anker für die Tragkonstruktion verwendet werden.
Quelle: Andrea Borgmeier, Hans Braunreiter; Bautechnik für Fliesen-, Platten- und Mosaikleger; Vieweg + Teubner Verlag; Wiesbaden, 2011