Auswahl der geeigneten Dampfsperre

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Flachdächer sind gegen Feuchtigkeit von außen und innen zu schützen. Außen erfolgt eine Abdichtung gegen Regen oder Schnee z.B. mit Kunststoff- oder Bitumen-Dachbahnen, innen wird eine Dampfsperre gegen Feuchtigkeit aus dem Innenraum angebracht. In den meisten Fällen befindet sich diese Dampfsperre oberhalb der Konstruktion und unterhalb der Dämmung. Bei besonderen Flachdachaufbauten, wie  dem Umkehrdach oder auch einer nachträglich angebrachten Innendämmung kann die Dampfsperre auch eine andere Lange innerhalb der Konstruktion einnehmen.

Grundsätzlich gilt, dass Dampfsperren über eine 6-fach höhere Dichtigkeit im Vergleich zum restlichen Aufbau von innen nach außen verfügen sollten, d.h. der Sperrwert (sd-Wert) muss 6-fach größer sein. Im Normalfall ist darüber kein rechnerischer Einzelnachweis zu erbringen. Bei heutigen Konstruktionen übernimmt die Dampfsperre häufig zusätzlich die Aufgabe der Luftdichtschicht. Dampfsperren werden u.a. aus folgenden Materialien hergestellt:

  • Kunststofffolien (i.d.R. Polyethylenfolie PE)
  • Aluminiumfolien, auch in Kombination mit anderen Materialien
  • Bitumenabdichtungen
Die ausschlaggebende Eigenschaft einer Dampfsperre ist ihr sd-Wert. Die wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke, kurz sd-Wert (oder auch Sperrwert) genannt, ist ein Maß für den Widerstand, den ein Material der Verdunstung von Wasser entgegensetzt. Der Wert ist insbesondere bei Dampfbremsen und -sperren im Dachaufbau von Bedeutung, die das Eindringen von Wasser in die Dämmung verhindern sollen. Dampfbremsen mit hohem sd-Wert lassen demnach weniger Wasserdampf durch ein Bauteil als solche mit niedrigem. Liegt der sd-Wert über 1.500 m, handelt es sich um eine Dampfsperre, bei einem sd-Wert zwischen 2 und 1.500 m dagegen um eine Dampfbremse. Der Sperrwert einer Dampfsperrschicht ergibt sich aus der werkstoffspezifischen Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahl μ mal der Dicke des Werkstoffes s (sd = μ x s). Er wird in Meter als Maßeinheit angegeben.

Bei mechanisch befestigten oder durch Auflast gesicherten Kunststoff-Abdichtungsbahnen werden lose verlegte Kunststoff-Dampfsperrbahnen systemgerecht eingesetzt; bei bituminös verklebten Dachaufbauten werden Bitumen-Dampfsperrbahnen verlegt - das Material und die Art der Verlegung der Abdichtung entsprechen also dem Material und der Art der Verlegung der Dampfsperre. Auf alle Fälle ist darauf zu achten, dass die Überdeckungen der Dampfsperren voll verklebt oder verschweißt und damit abgedichtet sind; der Anschlussbereich muss mindestens bis zur Oberkante der Wärmedämmung hochgeführt werden, an Dachdurchdringungen muss dicht angeschlossen werden, damit kein Wasserdampf in die Wärmedämmung eindringen kann.

Die Dachkonstruktion von nicht klimatisierten Wohn- und Bürogebäuden ist ohne besonderen Nachweis ausreichend gegen Tauwasserbildung geschützt, wenn eine Dampfsperre in Verbindung mit einer nach DIN 4108 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden ausreichend bemessenen Dämmschicht eingebaut wird. Bei einer Klimatisierung der Innenräume oder bei hoher Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit hohen Temperaturen (über 20°C und über 60 % rel. Luftfeuchte) sollten Bahnen mit Metallbandeinlage eingesetzt werden, da Metalle diffusionsdicht sind. So sind z.B. auch Trapezbleche aus Stahl oder Aluminium dampfdicht; aufgrund der Befestigungslöcher sollte aber auf alle Fälle zusätzlich eine Dampfsperre eingebaut werden.

An Industrieleichtdächer werden besondere Anforderungen bezüglich des Brandschutzes gestellt, weshalb hier meist unverklebte Dampfsperren aus PE-Folien oder Aluminium-Verbundfolien eingebaut werden, da sie bei einem Feuer im Inneren nicht brandweiterleitend wirken. Als Dampfsperren sind dabei sowohl Bitumen-Schweiß- bzw. Dachdichtungsbahnen mit Glasvlies- und Metallbandeinlagen als auch fast alle Kunststoff-Dachbahnen geeignet; der jeweilige materialspezifische Systemaufbau ist zu berücksichtigen. Alternativ dazu werden inzwischen auch kalt-selbstklebende Spezialbitumenbahnen für Trapezdächer angeboten, die sowohl in der Fläche als auch im Nahtbereich kleben, sie entsprechen ebenfalls den Brandschutzanforderungen der DIN 18234 Baulicher Brandschutz großflächiger Dächer.

Eine mit Bitumen verklebte Dachbahn kann vorerst als Notabdichtung dienen, da die Dampfsperre die erste wasserdichte Schicht auf dem Flachdach ist. Besonders bei Dampfsperren mit Metallbandeinlage sollte darauf geachtet werden, dass diese behelfsmäßige Abdichtung nicht zu lange der freien Witterung ausgesetzt wird, da sonst in der Dampfsperre Risse entstehen können und sie somit ihre Funktion der Diffusionsdichtheit nicht mehr gewährleisten kann.