Schallschutz: Berechnung

Die DIN 4109 Schallschutz im Hochbau stellt die wesentliche Vorschrift zur Bestimmung der schalltechnischen Qualität einer Fassade dar. In Abhängigkeit des „maßgeblichen Außenlärmpegels“, der sich aus allen Arten des städtebaulichen Lärms zusammensetzt, wird die Fassade in einen Lärmpegelbereich eingestuft und die erforderliche schalltechnische Qualität der Fassade mit Berücksichtigung der geplanten Nutzung festgelegt. Diese Anforderungen berücksichtigen jedoch nicht den zu Lüftungszwecken geöffneten Zustand der Fassade. Bei geöffneten Fenstern hat die schalltechnische Qualität der Fassade jedoch kaum noch Einfluss auf den Innenraumpegel, so dass die Dimensionierung nach DIN 4109 zwar erforderlich, jedoch nicht ausreichend für die Beschreibung der schalltechnischen Situation ist. Hierzu sind weitere Berechnungen und die Bewertung der Ergebnisse vor dem Hintergrund der Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung und den Richtwerten der VDI 2719 Schalldämmung von Fenstern und deren Zusatzeinrichtungen erforderlich.

Der Schalldämmwert eines Außenbauteils wird durch das bewertete Schalldämmmaß Rw nach DIN 4109 bzw. R’w nach VDI 2719 dargestellt. Diese Einzahlangabe, bestimmt nach DIN EN ISO 717 Akustik - Bewertung der Schalldämmung in Gebäuden und von Bauteilen, soll das schalltechnische Verhalten eines Bauteils über die unterschiedlichen Frequenzen möglichst einfach und kompakt zeigen. Tatsächlich können jedoch durch diese Vereinfachung unterschiedliche frequenzabhängige Verläufe der Schalldämmung zu einem gleichen Einzahlwert Rw und somit zu einer falschen Dimensionierung des Außenbauteils führen. Dieses ist insbesondere bei leichten Bauteilen und einem nennenswerten tief frequenten Anteil innerhalb der Schallimmissionen möglich. In solchen Fällen ist es notwendig, sowohl die Immissionen als auch die Schalldämmung des Bauteils frequenzabhängig darzustellen, die Innenraumpegel einzeln zu berechnen und anschließend zu einem A-bewerteten Innenraumpegel zusammenzufassen.

Alternativ werden die sogenannten Spektrum-Anpassungswerte C (rosa Rauschen) bzw. Ctr (Verkehr) des Bauteils ermittelt (DIN EN ISO 717). Damit können, gleichwertig zu der vorgenannten Methode, die schalltechnischen Werte des Bauteils an die spektrale Zusammensetzung der Immissionspegel angepasst werden.

Über die Schalldämmqualität der Fassade hinaus hat das Verhältnis der schallübertragenden Fläche zur Absorptionsfläche des Raumes Einfluss auf die Höhe des Innenraumpegels. Die Qualität der Raumabsorption muss daher bei der Bestimmung des Innenraumpegels mit berücksichtigt werden. Die entsprechenden Berechnungsformalismen gehen dabei jedoch von der Ausbildung eines vollständigen Diffusfeldes innerhalb des Raumes aus und vernachlässigen dabei den im Nahbereich des Fensters innerhalb des Hallradius wahrnehmbaren Direktschall. Die Maximierung der Absorptionsflächen innerhalb der betrachteten Räume ist deshalb keine Alternative zu einer ausreichenden Dimensionierung der schalltechnischen Qualität der Fassade.