Kapillaraktives Innendämmsystem mit Zellulosefasern
Aus alten Zeitungen wird Wärme-, Brand- und Schallschutz
Zusammen mit Studenten der Technischen Universitäten Graz und Dresden hat das österreichische Unternehmen Isocell ein neues Verfahrung der Innenwanddämmung mit Zellulosefasern entwickelt. Das Produkt "Renocell" entstand im Rahmen zweier Forschungsprojekte und stellt ein verputzbares Wandsystem aus Zellulosefasern dar. Die Herstellung erfolgt wie bei regulären Einblassystemen: Sortiertes Zeitungspapier wird mechanisch zerkleinert und mit chemischen Zusatzstoffen wie z. B. Borsalzen gemischt, um es normal entflammbar (Brandstoffklasse B2), schimmelresistent und verrottungssicher zu machen. Nachdem das Mauerwerk auf Tragfähigkeit und Festigkeit geprüft worden ist und Tapeten oder Putz entfernt sind, wird die Renocell Systemfaser aufgesprüht und Systemputz und Kalkfarbe aufgetragen. Auf diese Weise entsteht ein kapillaraktives Innendämmsystem, die Wand bleibt diffusionsoffen und feuchtepuffernd. Insbesondere für den Einsatz in Altbauten, deren Außenwände aus optischen Gründen nicht gedämmt werden sollen, ist diese Form der Innendämmung geeignet.
Für Hohlräume, Wände, Dachschrägen oder Geschossdecken bietet sich die reguläre Technik der Dämmung mit Zellulosefasern an: Mithilfe einer Einblasmaschine wird das Material in die entsprechenden Hohlräume eingeblasen. Auf diese Weise ist auch im Fall einer Sanierung eine nachträgliche Dämmung möglich, ohne größere bauliche Eingriffe wie beispielsweise das Abtragen der Dachhaut. Da die flockige Struktur der Zellulose selbst engste Spalten ausfüllt, ist eine fugenlose Dämmmatte ohne Verschnitt möglich. Neben einer sehr geringen Wärmeleitfähigkeit von 0,037 W/(mK) sind die Fasern auch Feuchtespeicher, weshalb sie als bauphysikalischer Feuchtepuffer fungieren und das Raumklima regulieren können. Zudem erhöhen sich die Schalldämmwerte. Aufgrund der positiven Dämmeigenschaften ist der Einsatz insbesondere auch im Niedrigenergie- und Passivhausbau von Vorteil. Außerdem wird zur Herstellung von Zellulosefasern nur eine relativ geringe Menge an Primärenergie benötigt.
Hersteller: Isocell, Neumarkt am Wallersee/A
