Fasern, Garne und Vliese für textile Bodenbeläge

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Fasern
Eine Faser ist die kleinste Einheit eines jeden Textilmaterials. Viele Fasern bilden ein Garn. Garne können bei der Extrusion direkt entstehen (BCF = bulked continuous filament, gekräuseltes Endlosgarn) oder durch das textile Spinnen kurzer Fasern hergestellt werden. Je feiner die Fasern sind, die ein Garn bilden, umso weicher ist der Griff. In textilen Bodenbelägen werden vielfach mehrere Einfachgarne zu Mehrfachgarnen kombiniert. Die Art der Fasern und Garne ist für eine ganze Reihe von optischen und physikalischen Eigenschaften verantwortlich.

Eine Einteilung der Fasern kann nach ihrer Herkunft, in Natur- und Chemiefasern erfolgen. Bei den Naturfasern unterscheidet man zwischen pflanzlichen und tierischen Fasern. Für den Einsatz in textilen Bodenbelägen eignet sich bei den tierischen Fasern vor allem Wolle (Kurzzeichen laut Textilkennzeichnungsgesetz: WO), Seide (SE) und Ziegenhaare (HZ). Bei den pflanzlichen Fasern finden hauptsächlich Baumwolle (CO), Jute (JU), Sisal (SI) und Kokos (CC) Verwendung. Den größten Anteil am Gesamtvolumen des Marktes hat bei den natürlichen Fasern die Wolle.

Zur Herstellung von Chemiefasern können Polymere auf synthetischer oder auf natürlicher Basis (z.B. Cellulose) eingesetzt werden. In Textilbelägen sind Chemiefasern Polyamid (PA), Polypropylen (PP), Polyester (PES) und Polyacryl (PAN) und als cellulosische Faser Viskose (CV) gebräuchlich.

Fasern mit geringer Länge heißen Stapelfasern (z.B. Wolle, Baumwolle). Synthetische Fasern können auch als Endlosfasern (BCF) hergestellt werden Auch die Seide gehört zu den Endlosfasern. Die Faserfeinheitheit wird in dtex (dtex = g/10.000 m) angegeben. Eine typische Faserstärke für den Objekt-Bodenbelag ist z.B. 20 dtex, d.h. 10.000 m eines Filaments wiegen 20 g. 10.000 m eines BCF-Garns mit 50 solchen Filamenten wiegt also 1 kg.

Die Herkunft der eingesetzten Fasern, deren individuelle Produktionsparameter sowie die Verarbeitung im textilen Bodenbelag bestimmen neben der Optik des Belages auch dessen Eigenschaften sehr wesentlich. Die Verarbeitung der einzelnen Fasern wie auch die kennzeichnenden Merkmale der Nutzschicht wie beispielsweise Faserfeinheit, Polschichtgewicht und -dicke, Polrohdichte und die Anzahl der verarbeiteten Noppen oder Schlingen spielen eine wesentliche Rolle. Dabei sind die wechselseitigen Einflüsse einzelner Konstruktionselemente so komplex, dass man auf genormte technologische Prüfungen zurückgreifen muss, um eine abgesicherte Aussage über die Strapazierfähigkeit und ggf. über zusätzliche Eigenschaften wie z.B. die Eignung für die Beanspruchung durch Bürostühle („Stuhlrolleneignung“) machen zu können.

Garne
Ein Einfachgarn ist ein textiles Gebilde aus vielen einzelnen Fasern, teilweise mehr- oder weniger gedrehter. Durch Luftverwirbelung, Fachung oder Drehung werden mehrere Einfachgarne zu Mehrfachgarnen kombiniert. Das Oberflächenbild eines textilen Bodenbelags wird maßgeblich durch den Garncharakter beeinflusst. Durch Variationen der Garnmerkmale - Feinheit, Drehung, Festigkeit, Elastizität, Gleichmäßigkeit - können die physikalischen Eigenschaften textiler Bodenbeläge gezielt modifiziert werden.

Für die Konstruktion eines textilen Bodenbelags mit definierten optischen und physikalischen Anforderungen sind neben den Garnmerkmalen auch die Fasereigenschaften in geeigneter Kombination zu berücksichtigen.

Vliese
Bei den Vliesen handelt es sich um eine Wirrlage von einer oder mehreren Schichten. Die Nutzschicht besteht überwiegend aus synthetischen, groben Stapelfasern, deren Zusammensetzung das Verschleißverhalten wesentlich beeinflussen. Diese Art Faserverbund kann durch spezielle Nadeltechnik verfestigt werden, wodurch sehr robuste textile Beläge entstehen (siehe Herstellung: Nadelvlies).

Bildnachweis: Textiles und Flooring Institute, Aachen