Mahnmal für verfolgte Homosexuelle in Berlin

Bildergalerie | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 |

Sichtbetonstele

Ein dunkelgrauer Quader im Berliner Tiergarten - in seiner Fensteröffnung ein Film zweier sich küssender Männer. Zehn Jahre dauerte die Debatte um das Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. Im Mai 2008 wurde die umstrittene Gedenkstätte gegenüber dem Stelenfeld des Mahnmals für die ermordeten Juden Europas eingeweiht. Das Denkmal soll die verfolgten und ermordeten Opfer ehren, die Erinnerung an das Unrecht wachhalten sowie ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben setzen.

Der Baukörper mit den Abmessungen 4,91 x 1,90 m und einer Höhe von 3,70 m entstand nach dem Entwurf von Michael Elmgreen und Ingar Dragset, einem dänisch-norwegischen Künstlerduo. Bei der Umsetzung erhielten sie Unterstützung durch das Berliner Architekturbüro Zerr Hapke Nieländer, das bereits zahlreiche Gedenkstätten realisierte. Mit ihrem Entwurf gehen die Künstler bewusst auf das gegenüberliegende Mahnmal von Peter Eisenmann ein, indem sie die Stelenform aufgreifen, um dann im Inneren ein dynamisches Feld einzuarbeiten, das die Stele zu einem autarken Objekt mit differenziertem Inhalt werden lässt.

Analog zu den Stelen von Eisenmann besteht der Kubus aus glattem, scharfkantigem und dunkelgrau eingefärbten Sichtbeton mit einem Zuschlag aus Basalt. Er steht, an zwei Seiten leicht geneigt, auf einem örtlichen Sichtbetonfundament; seine glatten Wandflächen sind mit einem Anti-Grafittischutz versehen. Die Wanddicken des innen hohlen Körpers betragen 25 cm, eine oben liegende Einstiegsöffnung macht die Technik im Innenraum zugänglich. Ein Fenster auf der Schmalseite öffnet den Blick auf den Film, der nach den Vorstellungen der Künstler alle zwei Jahre durch einen Neuen ersetzt werden soll.

Das Mahnmal wurde aus dem Etat des Bundeskulturstaatsministers finanziert, die Stadt Berlin stellte das Grundstück zur Verfügung. Insgesamt  betrugen die Baukosten 600.000 Euro.

Projektbeteiligte: Michael Elmgreen und Ingar Dragse, Berlin (Entwurf); Zerr Hapke Nieländer, Berlin (Umsetzung); Hemmerlein Ingenieurbau, Bodenwöhr (Hersteller Stele)
Bildnachweis: Marc Winkel, Berlin