Beurteilen des Tragverhaltens von Dachstühlen aus Holz

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Das Tragverhalten von älteren Dachstühlen aus Holz erscheint aus heutiger Sicht auf den ersten Blick häufig ungenügend. Große Verformungen der tragenden Bauteile hinterlassen schnell den Eindruck, der Dachstuhl sei einsturzgefährdet.
Zu unterscheiden ist jedoch immer:

  • der Verlust der Standsicherheit durch ungenügende Festigkeit,
  • die Beeinträchtigung der Gebrauchstauglichkeit durch zu große Verformung.
Bei nicht ausreichender Standfestigkeit muss ein Dachtragwerk im Rahmen der Modernisierung selbstverständlich immer verstärkt oder erneuert werden. Eine Beeinträchtigung der Gebrauchstauglichkeit z.B. durch große Verformung der Tragglieder, muss nur dann behoben werden, wenn die vorgesehene Nutzung dies erfordert.

Bestandsaufnahme von Dachstühlen
Die Beurteilung des Tragverhaltens eines vorhandenen Dachstuhles erfordert zunächst eine sorgfältige Bestandsaufnahme. Dabei müssen folgende Punkte unbedingt untersucht werden:
  • Art der Lastabtragung (Sparrendach, Pfettendach, Mischform)?
  • Ist die Windaussteifung der Dachfläche intakt?
  • Müssen und können in der Ebene der Fußpfetten Horizontalkräfte aufgenommen werden (z.B. beim Sparrendach)?
  • Werden Giebelwände aus Mauerwerk durch die Dachebenen ausgesteift?
  • Sind größere Durchbiegungen erkennbar?
  • Sind Spuren des Befalls von pflanzlichen/tierischen Schädlingen erkennbar?
  • Sind Spuren einer nachträglichen Veränderung an der Dachkonstruktion sichtbar (zerstörte Tragwerksteile durch nachträgliche Einbauten, alte Zapflöcher oder Versätze, die auf demontierte Tragwerksteile hindeuten)
Falls erforderlich, muss die Standsicherheit des vorhandenen Tragwerkes durch eine Nachrechnung geprüft werden.

Zusätzliche Lasten im Dachstuhl durch geänderte Nutzung oder bauliche Veränderung (Dachgeschossausbau) erfordern immer einen statischen Nachweis des Dachstuhles.