Baualterstufe der 80er Jahre

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Die Architektur der 1980er Jahre ist noch stark geprägt von der Postmoderne und dem beginnenden Dekonstruktivismus. Ursprung der Postmoderne war eine Gegenbewegung zum freudlosen Funktionalismus mit einer lustbetonten, üppigen Architektursprache. In gebauter Form hat sie sich eher als willkürliche Formensprache herausgestellt, die aus einem formalen Sammelsurium der vergangenen 2000 Jahre Architekturgeschichte zu bestehen scheint. Der Dekonstruktivismus dagegen dekonstruiert eine ursprüngliche Form und setzt sie deformiert wieder zusammen. Er hat sich die Zerstörung des ursprünglichen Gefüges zum Ziel gesetzt und wollte die darin liegenden Widersprüche offen legen.

Neben formalen Überlegungen hatten auch andere Ereignisse Auswirkung auf Bauweise und Gestalt. 1976 wurde infolge der Ölkrise in der BRD ein Gesetz zur Einsparung von Energie (Energieeinsparungsgesetz) in Gebäuden erlassen. Mit der Wärmeschutzverordnung (WschV) von 1977 wurden erstmals Grenzwerte für Wärmeverluste erlassen, Anforderungen an Luft- und Winddichtigkeit der Bauteile festgelegt und zusätzlich der spezifische Heizwärmebedarf begrenzt. Im Jahr 1982 novellierte die Gesetzgebung die WschV und formulierte erstmals auch Anforderungen an bauliche Veränderungen an bestehenden Gebäuden. (Dies war auch dem Umstand geschuldet, dass der Schwerpunkt von Stadterweiterung auf Stadterneuerung verlegt wird.)

Auch das partizipatorisches Bauen, welches den Bürger, sprich den Nutzer der Architektur, in die Planungsprozesse mit einbeziehen wollte, überlebte noch bis in den Anfang der 80er Jahre. Ein weiteres Schlagwort des Jahrzehnts ist die „Kritische Rekonstruktion“, die im Bereich der Stadterneuerung die Qualitäten der alten europäischen Stadt wieder herstellen wollte und dabei die Konzepte der Moderne zu Grabe trug.

Typische Materialien der 80er Jahre sind Putzfassaden, hinterlüftete Fassaden aus Stein, Ziegel und Blech. Geneigte Dächer erhielten häufig eine Eindeckung mit Ton- oder Betondachsteinen. In der DDR wurde der industrialisierte Wohnungsbau mit Fertigteilsystemen fortgesetzt.

Die damaligen Grundrisse sind häufig mit verschiedenen Zimmergrößen auf das Nutzungsschema „Familie mit Kind“ ausgerichtet. Sie sahen winzige Kinderzimmer, etwas größeres Schlafzimmer, einen großzügigeren Ess- und Wohnbereich sowie funktionale, kleine Einbauküchen vor. Allerdings fanden auch Grundrisse zunehmend eine Berücksichtigung, die auf andere Wohnformen abgestimmt wurden, so zum Beispiel Wohngemeinschaften oder Alleinerziehende mit Kindern.

Was muss besonders beachtet werden?

  • Sanierungsschwerpunkt dieser Gebäude sind die Verbesserung von Wärme- und Schallschutz.
  • Die Warmwasserbereitung ist häufig verbesserungsfähig (Dezentrale Boiler oder Durchlauferhitzer).
  • Bei Sanierungen müssen Altlasten insbesondere asbesthaltige Materialen und Bauelemente fachgerecht rückgebaut und entsorgt werden.

Typische Merkmale

  • Außenwände aus Beton oder Ziegelmauerwerk teilweise zweischalig
  • Wandstärken ca. 40 cm
  • Mittelmäßiger Schall- und Wärmeschutz
  • Betondecken mit schwimmendem Estrich
  • Massivtreppen
  • Fenster aus Holz-, Kunststoff- oder Aluminium
  • Isolierverglasung
  • Balkone und Loggien als Betonkonstruktion mit thermischer Trennung