Baualtersstufe: Neues Bauen und Moderne (1919–1939)

In den 1920er- und 1930er-Jahren entwickelte sich eine eigenständige Architektursprache, geprägt durch den Neuen Wohnungsbau, das Neue Bauen und die Reformbewegungen der Zwischenkriegszeit. Zu Beginn der 1920er-Jahre erfolgte eine bewusste Abkehr von den reich verzierten Formen der Gründerzeit. Die veränderten wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen verlangten nach neuen, rationellen und bezahlbaren Wohnformen. Rationalisierung, Typisierung und serielle Bauweisen sollten zur Schaffung von gesundem, kostengünstigem Wohnraum beitragen.

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Typisch für die Epoche sind einfache, funktionale Grundrisse, zurückhaltend gegliederte Fassaden und eine klare Architektursprache. Statt repräsentativer Stuckfassaden dominierten nun schlichte Putzflächen, Sprossenfenster und Balkone. In Siedlungen des „Neuen Bauens“ kamen daneben erstmals schmale Stahlfenster oder Fensterbänder zum Einsatz, die heute energetisch und bauphysikalisch oft problematisch sind. Viele Gebäude wurden in Form von Zeilenbauten errichtet, ergänzt durch Vorgärten und begrünte Innenhöfe. Diese Wohnanlagen entstanden häufig im Zuge großer kommunaler Wohnungsbauprogramme, insbesondere in ehemaligen Stadtrandgebieten, und prägen bis heute zahlreiche deutsche Städte.

Die Wohnungen dieser Bauzeit waren deutlich kleiner als die der Jahrhundertwende. Grundrisse wurden kompakter, Wandquerschnitte stark reduziert. Neben Ziegel wurden zunehmend Kalksandstein und regional auch Bims- oder Bimshohlblocksteine eingesetzt, während Holzbalken weiterhin als Tragelemente von Geschossdecken dienten. Kellerwände entstanden vielfach aus Stampfbeton, häufig jedoch nur mit einer horizontalen Sperre unter der Kellerdecke gegen Feuchtigkeit. Stahlbetondecken kamen vermehrt zum Einsatz, teilweise in sehr schlanken Dimensionen. Architektonisch reichte die Spannweite von traditionellen Gestaltungsmotiven bis hin zur klaren Moderne des „Neuen Bauens“.

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Die Ausstattung orientierte sich am Minimum: Beheizt wurden die Räume überwiegend über Einzelöfen; Zentralheizungen waren nur in gehobenen Bauten anzutreffen. WC und kleine Bäder befanden sich in der Regel innerhalb der Wohnung. Elektrische Anlagen waren meist zweiadrig ohne separaten Schutzleiter, Unterputz in Bergmannrohren oder Stahlrohren verlegt. Trinkwasserleitungen konnten noch aus Blei bestehen, und in späteren Umbauten oder ab Ende der 1930er-Jahre können Asbestprodukte vorkommen.

Was muss besonders beachtet werden?

  • Sanierungsschwerpunkt dieser Gebäude sind die Verbesserung von Wärme- und Schallschutz, die Fassadensanierung, die Erneuerung der Dacheindeckung, die Sanierung von Feuchtigkeitsschäden im Keller- und Sockelbereich sowie die Erneuerung der Haustechnik.

  • Die teilweise sehr beengten Wohnungszuschnitte mit ihren sehr kleinen Bädern erfordern viel Geschick bei der Überarbeitung der Wohnungsgrundrisse. Verbesserungen sind oft nur durch Zusammenlegung oder Umstrukturierung einzelner Einheiten möglich.

  • Die schlichten Fassaden leben vom Wechselspiel mit den historischen Sprossen- oder Stahlfenstern. Bei der Sanierung ist deshalb Fingerspitzengefühl erforderlich, da moderne Isolierglasfenster stärkere Profile aufweisen. Denkmalgerechte Alternativen wie die Ertüchtigung von Kastenfenstern oder der Einsatz von Vakuumglas können hier Lösungen bieten.

  • Als Folge der sparsamen Bauweise sind Schall- und Wärmeschutz in vielen Fällen unzureichend. Ergänzende Maßnahmen müssen bauphysikalisch sorgfältig abgestimmt sein, insbesondere bei Innendämmungen.

  • Moderne Gestaltungsprinzipien dieser Bauzeit führten zu neuen, teils experimentellen statischen Konstruktionen. Häufig wurden eingebundene Stahlträger verwendet, um frei auskragende Konstruktionen zu schaffen. Diese Stahlträger sind besonders sorgfältig auf Korrosionsschäden zu untersuchen.

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Typische Merkmale

  • Außenwände aus Ziegel-, Kalksandstein- oder regional auch Bimsmauerwerk
  • Wandstärken zwischen 25 und 38 cm
  • Bisweilen Materialexperimente mit Stampfbeton oder Schlackensteinen
  • Gestaltung teilweise traditionell, überwiegend jedoch modern reduziert
  • Stahlbetondecken teilweise extrem dünn ausgebildet
  • Geringer Schall- und Wärmeschutz (Normen erst ab 1960er-Jahren verbindlich)
  • Statische gewagte Sonderkonstruktionen, z. B. Eckfenster, auskragende Bauteile oder frei liegende Stahlträger

Typische Schadensbilder und Mängel

Außenwände

  • Durchfeuchtung von Kellerwänden und Erdgeschosswänden wegen fehlender Abdichtung
  • Risse und Fugen in tragenden Außenbauteilen, vor allem auch an Balkonen und Loggien
  • Ungenügender Schall- und Wärmeschutz
Innenwände
  • Ungenügender Schallschutz von Wohnungstrennwänden aufgrund geringer Wandstärken
  • Unzureichender Wärmeschutz von Treppenhauswänden
  • Geringe Festigkeit und geringer Verbund von Innenwänden aus großformatigen Bauplatten

Außenwandbekleidung

  • Putzschäden in Form von Rissen und Abplatzungen im Sockelbereich
  • Mangelnder Wärmeschutz von Außenwänden
  • Mangelnder Feuchteschutz von Außenwänden, z.B. durch fehlende Metallabdeckungen von Wandvorsprüngen
Fenster, Außentüren
  • Fäulnisschäden und Undichtigkeiten an Blend- und Flügelrahmen
  • Schäden an Roll- und Klappläden
  • Ungenügender Schall- und Wärmeschutz von Fenstern und Türen
  • Korrosions- und Tauwasserschäden bei Stahlfenstern aus der Moderne

Dach

  • Tierischer und pflanzlicher Schädlingsbefall an tragenden Holzteilen
  • Undichtigkeit durch schadhafte Eindeckung, fehlende Unterspannbahn sowie schadhafte Dachrinnen und Fallrohre
  • Unzureichende Wärmedämmung
Geschossdecken
  • Durchbiegungen von unterdimensionierten Holzbalkendecken
  • Schwammbefall und Fäulnisschäden an Deckenbalken durch eindringende Feuchtigkeit
  • Korrosionsschäden an Stahlträgern im Kellergeschoss und bei auskragenden Bauteilen
Fußböden, Innentüren
  • Ausgetretene Bodenbeläge
  • Fäulnisschäden an Lagerhölzern von Erdgeschossdecken
  • Undichte, verzogene Innentüren
Geschosstreppen
  • Ausgetretene und beschädigte Treppenbeläge
  • Fäulnisschäden und Schwammbefall an Holztreppen
  • Mangelnder Brandschutz und mangelnder Trittschallschutz der Treppen
Sanitärinstallation
  • Sanitärinstallation in technisch schlechtem Zustand
  • Unterdimensionierte Hausanschlüsse
  • Sehr beengte Raumverhältnisse bei Bad, WC und Küche
  • Mögliches Vorkommen von Bleileitungen im Trinkwassernetz
Heizung
  • Fehlende oder nur vereinzelt vorhandene Zentralheizung, überwiegend Einzelöfen
  • Versottene Kaminzüge
  • Unsachgemäße Nachinstallation von Einzelheizungen
Elektroinstallation
  • Unzureichende technische Ausführung der Elektroinstallation, oft ohne Schutzleiter (zweiadrige Systeme)
  • Ungenügende Unterverteilung und Absicherung
  • Unterdimensionierte Hausanschlüsse
  • Veraltete Leitungsverlegung in Bergmannrohren oder Stahlrohren, erhöhte Brandgefahr bei Umbauten

Modernisierungsschwerpunkte

  • Abdichtung von Kelleraußenwänden gegen eindringende Feuchtigkeit
  • Verbesserung der Wärmedämmung von Außenwänden
  • Abdichtung von Außenwänden gegen aufsteigende Feuchtigkeit
  • Vergrößerung vorhandener Badezimmer und funktionale Umgestaltung
  • Verbesserung des Schallschutzes vorhandener Innenwände
  • Verbesserung des Schallschutzes von Decken
  • Verbesserung der Wärmedämmung von Dächern und Kellerdecken nach GEG 2024
  • Reparatur beziehungsweise Erneuerung der Dacheindeckung
  • Reparatur des Dachstuhls
  • Erneuerung der Fenster durch passende Elemente mit Isolierverglasung oder denkmalgerechte Lösungen (z. B. Kastenfenster, Vakuumglas)
  • Erneuerung der Haustechnik (Elektro, Sanitär, Heizung)
  • Prüfung auf Schadstoffe wie Asbest (z. B. in Brandschutzplatten) und deren fachgerechte Entsorgung

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