Energetische Sanierung von zweischaligen Wänden

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Luftschicht mit nachträglicher Kerndämmung

Zweischalige Wandaufbauten bestehen aus zwei Wänden, die nebeneinander gemauert und z. B. mit Drahtankern verbunden werden. Sie können mit oder ohne Luftschicht sowie mit oder ohne Wärmedämmung ausgeführt sein. Zweischaliges Mauerwerk mit einer Außenschale aus Sichtmauerwerk, stehender Luftschicht, einer zweiten Wandschale und Innenputz eignet sich für eine nachträgliche Kerndämmung besonders gut. Diese Konstruktionsart war insbesondere zwischen 1890 und 1945, vor allem in Norddeutschland, üblich und wurde vereinzelt auch danach bis etwa1960 eingesetzt. Insgesamt wird der Bestand dieser Bauform auf etwa eine Million Gebäude geschätzt. Die U-Werte liegen bei den Gebäuden mit Luftschicht mit durchschnittlich 1,6 W/m²K etwas niedriger als bei Gebäuden mit einschaligem Mauerwerk. 

Ob ein Wandaufbau definitiv einschalig ist oder eine Luftschicht aufweist, lässt sich von außen und ohne vorliegendes Planmaterial nicht unbedingt ermitteln. Um den Wandaufbau und die Tiefe der im Mauerwerk vermuteten Luftschicht zu ermitteln, ist es notwendig, Kernbohrungen mit etwa 10 mm Durchmesser in der Wand vorzunehmen. Diese Maßnahme ermöglicht es, mittels eines Endoskops in den Wandquerschnitt vorzudringen und den Schichtenaufbau anzusehen. Mit einem Zollstock, Drahthaken oder Maßband, das durch die Bohröffnung hindurchgeführt wird, lässt sich der Querschnitt der Wand und des Hohlraums messen und die Stärke der möglichen Wärmedämmschicht bestimmen. 

Bei einer nachträglichen Kerndämmung wird der etwa 4-8 cm tiefe Hohlraum mit einem wasserabweisenden Schüttdämmstoff im Einblasverfahren gefüllt. Diese Maßnahme wird von der KfW-Bank jedoch nur dann gefördert, wenn das Dämmmaterial einen Lambda-Wert von maximal 0,035 aufweist. Als Material könnte man Steinwollgranulat oder Perlite verwenden, allerdings weisen beide Dämmstoffe mit einer Wärmeleitgruppe (WLG) von 040 bzw. 045 keine förderungswürdigen Dämmeigenschaften auf. Expandiertes Partikelschaumgranulat mit der WLG 035 wiederum eignet sich mit einer Baustoffklasse B2 nicht für alle Anwendungen. SLS 20 hingegen ist ein mineralischer Kerndämmstoff, der mit Baustoffklasse A1 und WLG 035 gute Eigenschaften für eine Einblasdämmung aufweist. Die beste Wärmeleitgruppe unter den Schüttgranulaten besitzt ein neuer Nanogel-Kerndämmstoff mit WLG 021.

Über einen flexiblen Schlauch wird der Dämmstoff mit Hilfe eines Einblasgerätes in die Hohlschicht zwischen den Mauerwerksschalen sowohl im unteren als auch im oberen Fassadenbereich eingeblasen, so dass er sich gleichmäßig verteilt. Durch den Druck verdichtet sich das Material zu einer geschlossenen, volumenbeständigen und hohlraumfreien Dämmschicht. Anschließend werden alle erforderlichen Bohrlöcher wieder verschlossen. Um eine größere Öffnung für das Einblasen des Dämmstoffs zu erhalten, können auch mehrere Mauersteine sauber entfernt werden, so dass der Vorgang des Einblasens schneller vonstatten geht. Wärmebrückeneffekte im Bereich der Fensterlaibungen oder bei auskragenden Balkonen machen die angrenzende Kerndämmung in einer Breite von etwa 40 cm unwirksam. 

Auch wenn der U-Wert der Wandkonstruktion bei einer Hohlraumtiefe von etwa 6 cm nach dem Verfüllen mit Dämmstoff noch nicht den üblichen U-Werten der Energieeinsparverordnung entspricht, so gelten bei einer nachträglichen Kerndämmung von mehrschaligem Mauerwerk die Anforderungen der EnEV als erfüllt, wenn der bestehende Hohlraum vollständig mit Dämmstoff ausgefüllt wurde. Ist bereits eine Wandkonstruktion mit Wärmedämmung und zusätzlicher Luftschicht vorhanden, sollte beim Einblasen eines weiteren Dämmstoffs darauf geachtet werden, dass das verwendete Material eine besonders hohe Rieselfähigkeit (z. B. SLS 20) besitzt.

Als interessant gilt die nachträgliche Kerndämmung auch bei öffentlichen Gebäuden aus den 60er, 70er und 80er Jahren, da zahlreiche Bauwerke aus dieser Zeit vorgehängte Beton- oder Waschbeton-Fassadenelemente besitzen, die sich für diese Art der Dämmung eignen. Gerade hier kommen die üblichen energetischen Maßnahmen, wie z. B. Wärmedämmverbundsysteme, aus konstruktiven oder auch finanziellen Gründen kaum in Frage, so dass die Einblasdämmung eine interessante Alternative darstellt. Nicht geeignet ist die nachträgliche Kerndämmung allerdings für eine diffusionsdichte Außenhaut wie sie z.B. durch Fliesen oder Kunststoff-Farbe entsteht.