Feuer- und Rettungswache in Löhne
Türen mit Beschriftung ihrer Brandschutzleistung
Hervorgegangen aus einem Architekturwettbewerb, entstand die Feuer- und Rettungswache der Stadt Löhne nach dem Entwurf des Hamburger Architekten Klaus Sill. Das Grundstück liegt nördlich der Innenstadt, unmittelbar an der Autobahn A30 und bietet im Gegensatz zum alten Feuerwehrstandort am Löhner Markt ausreichend Platz. Mit seiner Schmalseite ist der zweigeschossige Neubau orthogonal zur Autobahn in Richtung Süden ausgerichtet; die Büroräume sowie die Ruheräume für die Mitarbeiter liegen in West- und Ostrichtung.
Der Bau ist mit unterschiedlichen Gebäudetiefen konzipiert: während die kürzeren Rettungsfahrzeuge im südlichen, schmaleren Gebäudeteil untergebracht sind, befinden sich die Stellplätze für die Löschfahrzeuge mit größerem Platzbedarf im breiteren, nördlichen Trakt. Diese Bauform ermöglicht die optimale Ausnutzung des nahezu dreieckigen Grundstücks.
Im nördlichen Gebäudeteil mit einer Tiefe von 22,5 m, ist das Obergeschoss dreibündig mit Innenhöfen angelegt. Über diese gelangt Tageslicht in die Aufenthaltsräume und über Lichtkuppeln auch in die Fahrzeughalle im Erdgeschoss. Hier liegen im nördlichen Teil die großen Hallen für die Brandschutzfahrzeuge, eine Werkstatt, eine Waschhalle und die Technikzentrale. Im südlichen Gebäudeteil sind Stellplätze für die Rettungsfahrzeuge, eine Desinfektionshalle sowie direkt an die Fahrzeughallen angrenzend zwei Alarmumkleiden sowie Werkstatt- und Lagerbereiche angeordnet. Aufgrund der erforderlichen Höhe von 5,00 m in den Fahrzeughallen wurden in Bereichen, die diese Höhe nicht benötigen, Lagerflächen in einem Zwischengeschoss untergebracht. Damit konnte eine zusätzliche Nutzfläche von 265 m² geschaffen werden.
Das Gebäude ist als Stahlbetonskelettkonstruktion ausgeführt, die durch zwei Treppenhauskerne ausgesteift wird, die Stahlbetondecken sind unverkleidet. Lediglich der Versammlungsraum im 1. Obergeschoss ist aufgrund seiner großen Spannweiten als Stahlkonstruktion ausgeführt, die Decke besteht aus gelochtem Trapezblech. Der industrielle Charakter des Bauwerks wird durch den verwendeten Sichtbeton im Inneren des Gebäudes unterstrichen. Die Architekten gaben das Schalbild vor und entschieden sich für eine diagonale Verteilung der Ankerlöcher, die sich auf den Sichtbetonbauteilen abzeichnet. Die meisten Decken und Tragelemente sind unverkleidet; die Böden zum großen Teil mit Epoxydharz beschichtet. Nur die Böden der Aufenthaltsräume und eines Veranstaltungssaales sind mit Parkett aus Räuchereiche belegt.
Blau-, Gelb- und Grüntöne sind die vorherrschenden Farben der Feuerwache. Dunkelgrau beschichtete Aluminium-Kassetten, die je nach Lichteinfall bläulich schimmern, sowie mit drei verschiedenen Blautönen hinterlegte Gussglaselemente bilden die Fassade. "Retten, Bergen, Schützen", der Feuerwehr-Leitspruch, sowie die Notrufnummer 112 sind als Schriftzüge hinter dem Profilglas zu erkennen. Nachts werden zwei markante X-förmige Stützen hinter der Gussglasfassade blau angeleuchtet. Die Büro- und Ruheräume werden durch Fensterbänder belichtet.
Tür- und Tortechnik
Für eine schnelle Ausfahrt der Lösch- und Rettungsfahrzeuge aus der Wache sorgen Industrie-Sektionaltore, die aus vielen, beweglich miteinander verbundenen Teilen bestehen. Sie öffnen sich innerhalb von 1 bis 2 Minuten. Das doppelwandige Torblatt mit einem Dämmkern aus Polyurethan-Hartschaum erreicht einen hohen Wärmedämmwert und eignet sich so insbesondere für beheizte Hallen.
Der Personen-Eingang erfolgt über automatische Drehflügeltüren, die mit Schlüsselschalter bedienbar sind. Mit großen Lettern sind die Innentüren beschriftet: T30 oder T90-Schriftzüge, horizontal oder vertikal aufgebracht, beschreiben - neben dem optischen Effekt - die Brandschutzanforderungen, die diese Tür erfüllt. Viele der Innentüren sind mit Bullaugen versehen und mit Panik-Druckstangen (Pushbar) für schnelles Öffnen ausgestattet. Bei der Tür in der Brandwand wurde auf ein Bullauge verzichtet: hier wäre die F90-Verglasung zu teuer gewesen.
Im gesamten Gebäude wurden diverse Türarten mit unterschiedlichen Brand- und Rauchschutzanforderungen eingesetzt: zweiflügelige T30-Stahl-Rohrrahmentüren, eine einflügelige Aluminium-Rauchschutztür, einflügelige T30- und T60-Stahlfeuerschutztüren sowie ein- und zweiflügelige Stahltüren ohne Brandschutzklassifizierung.
Bautafel
Architekten: Prof. Klaus Sill , Hamburg
Projektbeteiligte: Baubüro.Eins, Hamburg (Bauleitung); Ingenieurbüro ibk, Bad Oeyenhausen (Statik), Akus GmbH, Bielefeld (Schallschutz); IB Reich und Hölscher, Bielefeld (Haustechnik); IB Schröder und Partner, Bielefeld (Elektrotechnik); Hörmann KG, Steinhagen (Türanlagen)
Bauherr: Stadt Löhne
Fertigstellung: Dezember 2006
Standort: Zur Feuerwache 6, Löhne
Bildnachweis: Lorenz Tettenborn, Hamburg