Messehalle in Graz/A
Drehflügeltüren mit elektrohydraulischem Antrieb
Das Areal der Grazer Messe liegt zwischen einem dichten, städtischen Wohngebiet und lockerer niedrigerer Bebauung Richtung Süden mit teilweise gewerblicher Nutzung. Zur Herbstmesse 2008 wurde hier eine neue Messehalle nach Plänen des Grazer Büros Riegeler Riewe eröffnet. Die Architekten waren mit ihrem Entwurf bereits 2003 aus einem internationalen Wettbewerb als Sieger hervorgegangen.
Die neue "Messehalle A" liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Stadthalle Graz, einem Bauwerk des Architekten Klaus Kada. Diese hat ein markantes, ausladendes Dach, das von Süden her gut sichtbar ist. Um das Dach bzw. die gesamte Halle nicht zu verdecken, positionierten die Architekten die Halle A nicht parallel, sondern im spitzen Winkel zur Stadthalle. Durch die verdrehte Anordnung der Gebäude ergeben sich großzügige Zufahrten, Verlade- und Freiflächen in den Zwischenräumen.
Mit den Abmessungen von 200 x 75 m und einer Ausstellungsfläche von über 13.500 m² übernimmt der Neubau Platz und Funktion der ursprünglich an dieser Stelle befindlichen Halle 11. Deren Holzkonstruktion wurde in Teilen demontiert, vier der sechs Hauptträger erhalten und entsprechend den Auflagen des Bundesdenkmalamtes in die neue Halle integriert. Sie befinden sich nun im Anschluss an das Foyer Ost in einem überdachten Freibereich.
Die tragende Konstruktion des zweigeschossigen Gebäudes besteht aus einem Stahlbetonkern, die Außenhülle aus matt silbern glänzenden Streckmetallelementen. Sie ist als Doppelfassade ausgebildet und verbirgt in ihrem Zwischenraum Fluchtbalkone und Lifte. Bei Bedarf kann die Fassadenhülle als Projektionsfläche verwendet werden. Die innere Schicht der Doppelfassade ist eine verglaste Pfosten-Riegel-Konstruktion mit einer Höhe von ca. 19,20 m aus thermisch getrennten Aluprofilen. Im Restaurantbereich beträgt die statische Traghöhe der Profile 6,70 m; hier besteht die Pfosten-Riegelkonstruktion aus Stahlprofilen.
Im Innenbereich sind die räumlichen Funktionen an einer Längsachse angeordnet. Den jeweiligen Foyers ist eine entsprechende Infrastruktur zugeordnet; dahinter liegt die große, offene Halle. 6.750 m² Ausstellungsfläche stehen je Geschoss zur Verfügung. Sie werden über acht Rolltreppen sowie vier Lasten- und Personenlifte erschlossen. Unterirdisch befindet sich eine Tiefgarage für rund 350 Stellplätze.
Türtechnik
Zahlreiche Automatiktüren, typisiert nach A - G, sichern Zugang, Notfallfunktionen und Komfort der Messebesucher. Bei allen handelt es sich um Drehflügeltüren mit elektrohydraulischem Antrieb. Exemplarisch wird hier eine Tür vom Typ A beschrieben.
An der Westfassade erfolgt der Eingang über eine zweiflügelige Türanlage mit elektrohydraulischem Antrieb und Programmschalter. Die lichte Durchgangshöhe beträgt 2,50 m, die Breite 1,88 m und der Öffnungswinkel 90°. Für den Tagbetrieb sind die Türen mit einem servounterstützen Impulsgeber für einen Türstopp bei Hinderniserkennung ausgestattet oder können mit "Push and Go"-Funktion für einen oder beide Flügel betrieben werden. Außerdem übernehmen die Türen die Funktion einer Entrauchungsöffnung mit sogenannter USV-Absicherung, einer unterbrechungsfreien Stromversorgung. Diese sorgt dafür, dass sich bei Rauchalarm beide Türflügel automatisch öffnen. Bei Brandalarm hingegen ist die Begehbarkeit nur in Fluchtrichtung möglich.
Die Türanlage verfügt über einen Antrieb mit Schließfolgeregler; Offenhaltezeit, Öffnungs- und Schließgeschwindigkeit sowie Öffnungs- und Schließdämpfung sind einstellbar. Ein Programmschalter gibt Meldungen an die Alarmzentrale weiter. Hierüber können Funktionsprogramme gesteuert werden wie beispielsweise Aus, Automatik, Einbahn oder Daueroffen. Über die volle Türhöhe ist der Gangflügel beidseitig mit vertikalen Griffstangen ausgestattet. Zudem ist hier ein selbstverriegelndes Antipanik-Motorschloss eingebaut. Der Standflügel wird durch eine automatische mechanische Verriegelung nach oben und unten gesichert.
Die weiteren Türtypen unterscheiden sich im Wesentlichen durch die unterschiedlichen Abmessungen, die Beschlagsart und die Art der Verriegelung. Eine Besonderheit von Typ B ist die Fluchttürfunktion. Dementsprechend sind die Türen mit Antipanikbeschlägen ausgestattet: auf beiden Flügel sind innen Panikstangen angebracht, die Treibriegelstange liegt verdeckt. Ein Infrafot-Lichtvorhang bietet Klemmschutz. Der Türtyp C hat Türknöpfe am Gangflügel und einen Öffnungswinkel von 110°.
Bautafel
Architekten: Riegler Riewe Architekten, Graz
Projektbeteiligte: Wörle Sparowitz Ingenieur, Graz (Statik); Oberressl & Kant, Klagenfurt (Bauleitung); All-Projekt, Wien (Haustechnik); Rosenfelder & Höfler (Bauphysik); IBS, Linz (Brandschutz); Werning Day & Light, München (Lichtplanung)
Bauherr: Messe Center Graz, Graz
Standort: Messehalle A, Messeplatz 1, Graz
Fertigstellung: 2008
Bildnachweis: Riegler Riewe Architekten