Mercedes Benz Museum in Stuttgart
Karusselltüren in Ganzglasausführung
Die bauliche Grundstruktur des Mercedes Benz Museums ist kompakt: Ein zentrales dreieckiges Atrium bildet das Zentrum, um das verschiedene Ausstellungsbereiche angeordnet sind. Filigran und aufgelöst präsentiert sich hingegen das Gebäudeinnere: Als gekrümmte Doppelhelix definieren die Architekten die Grundform des Grundrisses. Nach den Plänen des Amsterdamer Planungsbüros UN Studio (Ben van Berkel und Caroline Bos) errichtet, soll das Gebäude als geometrische Analogie zum menschlichen Erbgut verstanden werden. Das Grundprinzip des Museumsrundgangs bilden die zwei Parcours Mythos (chronologisch) und Collection (thematisch), die sich immer wieder treffen und miteinander verschränken. Ein Wechsel zwischen beiden Rundgängen ist an vielen Stellen möglich. Ähnlich wie beim New Yorker Guggenheim-Museum, winden sich die Rundgänge neun Geschosse von oben nach unten. Zwischen den beiden Rundläufen ist das gebäudehohe Atrium angeordnet.
Das von HG Merz geplante Ausstellungskonzept beeinflusste von Anfang an die Architektur. Besucher starten ihren Rundgang nicht im Erdgeschoss, sondern gelangen mit Aufzügen zum höchsten Punkt des Museums und laufen von dort den Wandelgang abwärts. Von oben nach unten wird die Entwicklung der Fahrzeuge aufgezeigt. Die Ausstellung zeigt auf 16.500 m² Fläche 160 Fahrzeuge, darunter neben Pkws und Rennwagen auch Busse und Lkws. Neben den eigentlichen Ausstellungsräumen gibt es Museums-Shops, Restaurants, ein Casino in der obersten Ebene und einen über zwei Etagen laufenden Verwaltungstrakt mit 30 Büroräumen.
Die Oberflächen der Sichtbetonkonstruktion kontrastieren mit den polierten Metalloberflächen der Exponate. Beim Betonieren stellte die Realisierung der vielen doppelt gekrümmten Flächen eine besondere Herausforderung dar. Zur Vereinfachung der Herstellung wurde ein spezielles Verfahren entwickelt, bei dem planeben zugeschnittene Elemente erzeugt wurden, die elastisch verformt in die richtige Form gedrückt wurden.
Um abgehängte Decken und Rohre für die Installationen zu vermeiden, wurden alle Decken als zweischalige Konstruktionen ausgeführt und Lampen und Lüftungsöffnungen bündig eingebaut.
Türtechnik
Im Eingangsbereich des Museums sind Karusselltüren mit integriertem Ganzglassystem eingebaut. Das Antriebssystem ist vollautomatisch und serverunterstützt. Der Betrieb ist stufenlos in zwei voreinstellbaren Geschwindigkeiten möglich. Die Trommelwände der Türanlage bestehen aus gebogenem 16 mm VSG, die Türflügel aus flachem 10 mm ESG. Die Decke - ebenfalls aus Glas - ist mit flachem 16 mm VSG (2 x TVG) - Klarglas ausgeführt. Alle Außenkanten sind poliert und mit Kantenschutz versehen.
Die Anlagen sind mit einem umfangreichen Sicherheitspaket ausgestattet. Durch Sicherheitssensoren und -leisten werden sämtliche Quetsch- und Scherstellen überwacht. Bei Betätigung der Sicherheitsleisten an den Schließkanten stoppt die Karusselltür sofort und verhindert so ein Einklemmen oder Verletzungen durch Anstoßen des Türflügels.
Auch im Bereich der Drehtüren kommt ein integriertes Ganzglas-System zum Einsatz; die Profile und das Beschlagsystem sind hierbei unsichtbar zwischen den Scheiben integriert ohne auftragende oder sichtbare Teile auf der Glasoberfläche. Das Beschlagsystem ist mit 45 mm Breite sehr filigran. Die Glasränder können in eben dieser Breite farblich angepasst bedruckt werden, so dass die Technik optisch verschwindet. Der Standard-Scheibenaufbau besteht aus 2 x 6 mm ESG.
Bautafel
Architekten: UN Studio van Berkel & Bos, Amsterdam
Projektbeteiligte: HG Merz, Stuttgart (Ausstellungskonzept); Bayer Bauphysik, Fellbach (Bauphysikalische Beratung); Hundt & Partner, Hannover (Aufzugsplanung); Raico Bautechnik, Pfaffenhausen (Fassaden); Geze, Leonberg (Automatische Türsysteme)
Bauherr: Daimler Chrysler Immobilien GmbH, Stuttgart
Fertigstellung: 2006
Standort: Stuttgart-Untertürkheim
Bildnachweis: Michaela Boguhn, Berlin (1, 2 und 4 - 8); Geze, Leonberg (3)