Verwaltungsgebäude in Leipzig
Zweiläufige Treppen mit Wendepodesten
Dem Entwurf von Schneider + Schumacher für die Messestadt Leipzig wäre beinahe beschieden gewesen, nicht gebaut zu werden. Die Leipziger Stadtverwaltung wollte kein gläsernes Gebäude in ihren steinernen Gebäudeblöcken wissen, mindestens ein Natursteinanteil von 5% sollte in der Fassade auftauchen.
Beinahe hätten die erfolglos gegen die Behörden kämpfenden Architekten aufgegeben. Ihre Argumente, dass das Gebäude die umgebenden Steinbauten widerspiegele, dass der Blockrand geschlossen würde, dass die Traufhöhe sich an den Bestand anpasse, fruchteten vor starrköpfigen Beamten nichts. Erst ein externer Gutachterbeirat und der Bauherr konnten verhindern, dass Naturstein-Pappfassaden und Investoreneinerlei die Oberhand bekamen, und die Baugenehmigung dennoch erteilt wurde.
Es ist den Architekten gelungen, das Vertrauen, das der befreundete Bauherr und Leiter der Treuhandgesellschaft Leipzig mit dem Direktauftrag in sie setzte, nicht nur in der städtebaulichen Lösung, sondern auch funktional und formal im Gebäudeinneren zu bestätigen.
Das spitzwinklige Grundstück wurde allseits mit einer markanten runden Ecke geschlossen. Zwei einhüftige Bürospangen stossen l-förmig an der westlichen Baugrenze zur Münzgasse aufeinander. Dagegen schiebt sich das Gebäude hinter der Eckkurvung zur östlichen Beethovenstraße so weit in den Straßenraum vor, dass sich dadurch wie selbstverständlich eine Eingangssituation ergibt.
Nachts sind die Gläser durchscheinend, tagsüber geben sie sich milchig geschlossen und verdeutlichen den Blockcharakter der Leipziger Altstadt.
Dahinter öffnet sich ein gebäudehohes Atrium, in dem sich die Flure der Büroräume wie Galerien zeigen und folgerichtig die Erschliessungstreppen, der Aufzug und die Kommunikationszonen angeordnet sind.
Treppe
Der rote Teppichboden des Gebäudes führt auch über die Treppenläufe, die sich wie eine Kaskade als freihängende Objekte von Geschoss zu Geschoss versetzt mäanderförmig nach oben bzw. unten schlängeln.
Im gebäudehohen Luftraum hängen die einzelnen Treppen wie Schwalbennester an den Vorderkanten der Galerien.
Parallel zu den diagonalen Quertraversen, die die Glasfassade zu den Galeriekanten hin abstützen, tragen sich die Stahltreppen allein durch die beidseitigen Wangen. Die Wendepodeste sind ausgerundet.
Um die transparente Leichtigkeit zu unterstützen, sind die Brüstungen aus Sicherheitsglas, auf denen polierte Edelstahlrundrohre als Randabschluss und Handlauf aufgesteckt sind.
Im Auge der Wendelung wurden die Podeste an Stahlstangen abgehängt. Durch die räumliche Diagonale kann man vom obersten Podest analog zu optischen "Hüpfsteinen" die filigranen roten Schleifen der Treppenläufe bis zur Eingangsebene hinunter überblicken.
Der Blick entlang der Flure zeigt die Transparenz des vorgeschalteten Glashauses. Die in den Luftraum auskragenden zweiläufigen Treppen falten sich vor den Galeriebrüstungen zum jeweils nächsten Geschoss. Die Diagonal-Aussteifungen der Glasfassade überlagern sich optisch mit den diagonalen Treppenläufen.
Bildnachweis: Jörg Hempel, Berlin
Bautafel
Architekten: Till Schneider & Michael Schumacher, Frankfurt a. M.
Mitarbeiter: Susanne Wiedmer, Kristin Dirschl, Lone Nitschke-Töpfer, Peter Begon, Christian Simons, Petra Pfeifer, Thomas Zürcher, Nicola Hartmann, Jobst Jung, Richard Voss
Tragwerk: Bollinger + Grohmann, Frankfurt a. M.
Bauherr: KPMG (Deutsche Treuhand-Gesellschaft)
Standort: Leipzig
Fertigstellung: 1998
Treppentyp: zweiläufig gerade mit Wendepodesten