Tate Gallery of Modern Art in London

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Spindeltreppen aus Stahl

In einen wahren Bautaumel verfiel die Stadt London zur Jahrtausendwende. Der absolute Knüller gelang jedoch den bis dahin auf der Insel relativ unbekannten Schweizer Architekten, die in einem viel beachteten Wettbewerb renommierte britische Büros und andere global Player zurückließen.
Das südlich der Themse gelegene London, das bis dahin ein stiefmütterliches Dasein führte, wurde auch von dem riesigen Kraftwerk der Bankside Power Station, das der Architekt Gilbert Scott mit der Dominante eines annähernd 100 Meter hohen Kamins entwarf, bestimmt. Mit dem Brückenschlag der Millenium Bridge, einer vom Büro Foster zusammen mit dem Künstler Anthony Caro und dem Ingenieurbüro Ove Arup entworfenen Fußgängerverbindung wurde von der St. Paul´s Cathedral die Bankside in das "Swinging London" einverleibt.
Auch unterirdisch geschah mit der U-Bahnerweiterung durch die Jubilee Line die lang überfällige Annexion des südlichen Flussufers.
Der Bau selbst gibt der Modernen Kunst in London ein international anerkanntes Zuhause. Die Architektengruppe um Herzog und de Meuron legte die Kraftlinien des Gebäudes förmlich frei, signifikant akzentuiert vom "Campanile" des Schlotes.
Über eine lange Rampe erreicht man das Herz der Anlage: die volkommen entkernte, riesige, ehemalige Turbinenhalle. Der kathedralenartige Luftraum mit seinen beeindruckenden Dimensionen von etwa 155 Metern Länge, 23 Breite und 35 Metern Höhe, wird von der alten Stahlkonstruktion, ergänzt um ein neues Glasdach überwölbt.
Beleuchtete Glasvitrinen, so genannte "Bay Windows", erlauben aus den oberen Ausstellungsgeschossen den Einblick in die große Halle.
Gekrönt wird das Gebäude von einem zweigeschossigen Glasaufbau, vor dem sich eine große Terrasse ausbreitet, die den Besuchern einen Überblick über das nördliche Panorama Londons bietet.

Treppe
Sorgfältig ausgewählte Details sind geradlinig und schlicht gehalten, um sich in die vorherrschende Industrieästhetik einzugliedern. Insbesondere zeigt sich das natürlich auch an den Treppen, die wie Implantate wirken. In der Halle stehen zwei Kunstobjekte aus Stahl, die den Unterschied zwischen Spindeltreppen mit und ohne Auge verdeutlichen.
Die 'üblichen Treppen', die die einzelnen Geschosse untereinander verbinden sind Beton-Stahlkonstruktionen.
Die Treppenläufe wurden ebenfalls mit Eichenparkett analog zu den Dielenböden der drei Ausstellungsgeschosse belegt.
Die Brüstungen wurden mit kantigen Stahlblechverkleidungen ummantelt und beinhalten hinter dem integrierten Handlauf gleichzeitig eine Fluchtwegbeleuchtung.

Bildnachweis: Christian Richters, Münster

Bautafel

Planung: Herzog & de Meuron Architekten GmbH AG, Basel
Verantwortliche Partner: Jacques Herzog, Harry Gugger
Weitere Projektteilnehmer: Michael Casey (Projektleiter); Irina Davidovici, Liam Dewar, Catherine Fierens, Mathias Gnehm, José Ojeda Martos, Filipa Mourao (Spezialdesign); Sheppard Robson+Partners: Richard Young, London (Assoziierte Architekten); Schal International Management Ltd., London (Generalunternehmer); Ove Arup + Partner, London: John Hirst, Tony Marriott, Andy Sedgwick (Tragwerk, Licht und Akustik); Davis Langdon & Everest, London: Paul Morell, Ian Frazer (Kostenplanung)
Bauherr: The Tate Gallery, London
Standort: Sumner St., Bankside in Southwark, London
Planungsbeginn: 1995
Fertigstellung: 2000
Treppentyp: Wendeltreppe, Spindeltreppe und zweiläufige Treppen mit Wendepodest