Neues Museum Nürnberg
Schraubenförmiger Treppenlauf
Das Neue Museum in Nürnberg ist ein Gebäude unter engsten städtebaulichen Bedingungen. Durch eine Zäsur zwischen zwei Gebäudeteilen schneidet eine 100 m lange gekrümmte Fassade bis in die davorliegende Gasse ein. Die hohe Fassade wirkt fast immateriell durch die Aussteifung mit Glasschwertern, die die Profile sehr schlank erscheinen lassen.
Man betritt, von der Krünmmung der Fassade geführt, einen ruhigen, städtischen Platz. Umgeben von der Stadtmauer und der Rückfassade eines Hotels liegen hinter der Fassade - wie angeschnitten - die weiß verputzten Ausstellungsräume vor uns. Nach der Enge des Durchgangs öffnen sich die Museumsräume nun wie Schaufenster oder Balkone zum Platz. Gut sichtbar die zentrale Treppe, die sich hinter der Fassade aus den Wandkonturen auswölbt.
Das sehr monolithisch wirkende Gebäude ist in viele Teilen in Sichtbeton ausgeführt, die Böden sind aus hellgrauem Sandstein.
Treppe
Die sehr flachen Keilstufen liegen auf einer (im Querschnitt dreieckigen) Betonspirale auf, die sich über zwei Geschosse nach oben windet. Im Zentrum des Treppenauges liegt in der Decke des hohen Luftraums eine Lichtkuppel. Schraubenförmig verengt sich der Treppenlauf nach oben, während der Radius des Innenauges gleich bleibt. Die innere Brüstung ist wie die umliegenden Wände und Brüstungen weiß verputzt. Putzbündige Einbauleuchten sind ausser dem profilierten schwarzen Handlauf das einzige Dekor. Die äußere Brüstung besteht aus gebogenen ESG-Scheiben, die von Flachstahlprofilen gehalten werden, sodass der anthrazitfarbene Untergurt des Geländers klar abgegrenzt zur dünnen, weiß verputzten Schraubenlinie des Putzes steht.
Bildnachweis: Margherita Spillutini, Wien
Bautafel
Architekt: Volker Staab, Berlin
Projektleitung: Stefan Reik
Mitarbeiter: Thomas Schmidt, Kathrin Zimmermann, Alexander Böhme, Peter Deluse, Martina Pongratz, Stefan Matthey, Angelika Gaul, Birgit Hübner, Klaus Gehrmann, Mareike Krautheim, Barbara Hubl, Carole Chuffart, Filiz Dogu
Tragwerk: Ingenieurbüro Fink GmbH; Ingenieurbüro Schöppler+Kästner
Kunst: Rémy Zaugg, CH-Basel
Bauherr: Land Bayern
Standort: Nürnberg
Fertigstellung: 2000
Treppentyp: spiralförmige Wendeltreppe