Kursaal in San Sebastian/E
Einläufige Treppen mit Zwischenpodest
Fünf Jahre konnten sich die Stadtväter nicht einigen über den radikalen Entwurf Rafael Moneos für ihr Kurzentrum an der Playa de Gros. In der Bucht von San Sebastian, einem ehemals mondänen, baskischen Seeort der englischen Hautevolee besteht die Stadtstruktur und insbesondere die Strandzeile aus Grand Hotels und stolzen Bürgerhäusern des 19. Jahrhunderts.
Das Baugrundstück liegt am Ende eines kleinen Strandes, der vor kurzem dem Atlantik abgetrotzt wurde, an der Mündung des Flusses Urumea und exponiert vor der eigentlichen Baugrenze. Die große Bucht wird gefasst von steil ins Meer abstürzenden Vorgebirgen der Pyrenäen: vom felsigen Monte Urgull und gegenüber vom Monte Ulia, in dessen Schatten sich zwei leicht aus der Senkrechten geneigte Kuben neigen.
Die Baukörper - auf einer großen mit Naturstein verkleideten Plattform wie auf einem Tablett präsentiert - nehmen die spannungsvolle Naturszenerie mit den steilen Hängen auf und lehnen sich gewissermaßen gegen die rigide Blockstruktur der umgebenden Architektur auf. Es muss also nicht verwundern, dass der Entwurf von konservativen Kräften, die sich nostalgisch an die Seepromenade klammerten, boykottiert wurde.
In scheinbar willkürlichen Winkeln stehen die großen Kuben zueinander und werden nur im Sockelgeschoss, das sich unter der Plattform verbirgt, miteinander verbunden. Die auf die Bergketten ausgerichteten Achsen der zwei Körper - der größere beinhaltet ein Auditorium für 2000 Besucher, der kleinere einen Kongressaal mit 500 Sitzen - werden durch das Gitterwerk der Gebäudehüllen gefangen und finden damit ihren Widerpart. Das Stahlgitterwerk trägt nicht nur die schimmernde Außenhülle aus milchigen, konkav gewöbten Industrieglaspaneelen, sondern auch die innere horizontal gegliederte Glasverkleidung.
Der Konstruktionsraum dient gleichzeitig der Lichtbrechung und der Installation von Lüftung und Beleuchtung. Den verbleibenden Luftraum zwischen dem durchscheinenden Gitterwerk und der zederverkleideten Hülle der Säle nehmen Foyerräume und Flure ein, die teilweise bis ins Untergeschoss reichen.
Treppe
Die einläufigen Treppen zu den einzelnen Auditoriumsebenen sind als freitragende Betonplatten-Träger ausgebildet. Tritt- und Setzstufen wurden, der Benutzung angemessen, mit hellen Sandstein verkleidet.
Die holzverkleideten Brüstungen stehen in Korrespondenz zu den horizontalen Zeder- Verkleidungen der Auditoriumswände.
Als kleinen Trick hat Rafael Moneo die einzelnen Treppen in Kongruenz zu den abnehmenden Besucherströmen nach oben schmaler werdend geplant.
Die frei im Raum schwebenden "Treppenbalken " dramatisieren wirkungsvoll den hohen Luftraum des Foyers vor der transluzenten Aussenhaut.
Bildnachweis: Duccio Malagamba
Bautafel
Architekt: Rafael Moneo, Madrid
Projektleitung: Luis Rojo
Mitarbeiter: Jeff Inaba, Andrew Borges,Barry Price,Ezra Gould,Colette Creppell,Nancy Chen,Albert Ho, Ignacio Quemada, Eduardo Belzunce, Fernado Iznaola, Jan Kleihues, Luis Diaz Maurino, Adolfo Zanetti, Robert Robinowitz, Juan Baldarrain, PedroElcuaz, Imanoll Iturria
Tragwerk: Javier Manterola, Hugo Corres & Associates,
Jesús Jiménes Canas
Haustechnik: J.G.Asociados
Akustik: Higini Arau
Bauherr: Kursaal Elkargunea S.A.
Standort: San Sebastiàn
Fertigstellung: 1999
Treppentyp: einläufig gerade mit Zwischenpodest