Kunst- und Veranstaltungshalle im Museumsquartier Wien
Faltwerk von mehrläufigen Treppen
Das gesamte Museumsquartier ist eine der größten Bauaufgaben Österreichs der letzten Jahre und soll nach den Worten der planenden Architekten ein Ganzes ergeben, eine „Akropolis“ der Kunst. Die einzelnen Bauwerke sollen sich wie ein Domino aneinander anlehnen, ein internes Gefüge bilden, woraus sich ein solitärer Baukörper aus dem anderen ergibt, ohne dass das Ganze „heilige Hallen“ bildet.
Die Gebrüder Ortner bildeten zusammen mit ihrem damaligen Partner Zamp Kelp die in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren erfolgreiche und einflussreiche Kunst- und Architekturgruppe Haus-Rucker-Co.
Der aus einem Wettbewerb hervorgegangene Bauauftrag schafft städtebauliche Raumsituationen, die sich ineinander verklammern und doch durch das umfangende Carré der kaiserlichen Stallungen wie von einem Rahmen fokussiert werden. Drei monolithische Blöcke wurden wie zufällig in den allseits geschlossenen Hof gestellt. Einer davon wurde an den querliegenden Block der Reithalle parallel angedockt und schafft dadurch eine innenräumliche Verquickung zwischen einer Kunst- und einer Veranstaltungshalle. Wenn man den großen Innenhof, flankiert von den beiden Monolithen Leopoldmuseum und Museum Moderner Kunst, betritt, hat man die renovierte Fassade der Reithalle vor sich, und nur ein roter Ziegelbogen deutet an, dass sich auch hier etwas getan hat.
Treppe
Bewusst wird dies erst im Innenraum, wo ein großer Vortragssaal mit der Schräge seines Sitzreihengefälles im Gebäude wie eine Box eingestellt wurde. Im barocken Foyer steht das Faltwerk von mehrläufigen Treppen wie eine Ziehharmonika aufgespreizt als räumliche Dominante selbstbewusst da. In schlichtem Design gehalten, wird der Kontrast zum barocken Zierrat augenfällig. Als Stahlhänge- und Faltwerk ausgebildet, weisen die Stufen mit integrierter Beleuchtung im Untertritt elegant den Weg zu den Sitzreihen. Die Brüstungen sind aus Gründen der Transparenz und Leichtigkeit als Ganzglasflächen mit aufgesteckten Edelstahlhandläufen ausgebildet. Die selbstbewusste Darstellung der Treppe und ihre zweifache Linienführung greift barocke Motive auf, ohne sich an die Tradition allzu sehr anzulehnen..
Bildnachweis: Margherita Spiluttini, Wien
Bautafel
Tragwerk: Fritsch, Chiari + Partner Ziviltechniker GmbH, Wien
Heizung, Klima, Lüftung, Sanitär, Elektro: Austroconsult Wien
Lichtplanung: Kress + Adams, Köln
Bauphysik: Dr. Pfeiler GmbH, Graz; Dr. Quiring, Innsbruck
Projektsteuerung: DI Markus Spiegelfeld; Fritsch, Chiari + Partner Ziviltechniker GmbH, Wien
Bauherr: Museumsquartier Errichtungs- und Betriebsgesellschaft mbH
Standort: Wien
Fertigstellung: 2001
Treppentyp: je zwei dreiläufig gerade Treppen mit gemeinsamen Zwischenpodesten