Kopfbau zum Künstlerhaus in Nürnberg

Bildergalerie | 1 |

Mehrläufige Treppe

Das im zugeschütteten mittelalterlichen Stadtgraben um 1900 errichtete Künstlerhaus wurde durch den Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, insbesondere der Kopfbau. Nach mehrfachen Anläufen und trotz politischen Grabenkämpfen konnte das Gebäude umfassende Sanierung erfahren. Durch das Gegenüber des Frauentorturms ergab sich eine Torsituation, die durch einen neuen Kopfbau ein neuzeitliches Pendant finden sollte. Den draufhin ausgeschriebenen Wettbewerb konnten die Architekten Grabow + Hofmann für sich verbuchen.
Der strenge Kubus mit einem vor der Fassade liegenden Stahlskelett, akzentuiert eine kompromisslos der Moderne verpflichtete Außengestalt mit einem komplexen Innenleben aus Stahlbetondeckenscheiben, das sich vor den ruppig belassenen Reminiszenzen des Abbruchs entfaltet.
Die vielfältigen Nutzungen - angefangen von der Tourist-, Kultur- und Jugendinformation über eine Artothek, ein Foyer zum angrenzenden Kino sowie einen Multifunktionsraum - wurden hinter den allseits verglasten Fassaden ausgestellt. Mit der Idee des Schaufensters zur Selbstdarstellung der städtischen Aktivitäten und mit der luftigen Offenheit des Hauses soll dem am Bahnhof ankommenden Besucher, der mit der Stadt vielleicht nur die unrühmliche Vergangenheit Nürnbergs während der Naziherrschaft verbindet, positiv entgegengekommen werden. Der Blick vom Bahnhofsplatz auf den neuen Kopfbau fällt auf das vorgestellte Stahlskelett, das auch die Sonnenschutzlamellen trägt. Gleichzeitig dient es als Wartungsebene für die Putzbalkone.

Treppe
Zwischen der Brandwand zum bestehenden Bauwerk, die noch die Fliesen der alten Klosettwände und die Sandsteinquader aufweist ist die Höhe des Gebäudes in einem Luftraum erfahrbar.
Die versetzten Split-Level-Ebenen werden mit einem durchgesteckten Glasaufzug und im hohen Luftraum "schwebenden" Stahltreppen aufgefädelt. Die Stahlwangen-Konstruktion mit eingestellten Trogsteinstufen wirkt wie eine zusammenhängende mehrläufige Treppenanlage.
Die Treppen übernehmen zum Teil sogar statische Lasten aus der relativ ausgedünnten Gesamtkonstruktion.

Bildnachweis: Friends&Pflaumer Studio GmbH, Nürnberg

Bautafel

Architekten: Grabow + Hofmann Architekten, Nürnberg
Projektbeteiligte: Petra Gumbrecht (Projektleitung); Johannes Drexel, Harry Thäter (Mitarbeiter); Weischede, Herrmann + Partner GmbH, Stuttgart (Tragwerksplanung); Ing.Ges. Schmidt Reuter Partner Nürnberg/Köln (Haustechnik Planung)
Bauherr: Hochbauamt Stadt Nürnberg
Fertigstellung: 2001
Standort: Königsstraße in Nürnberg
Treppentyp: mehrläufige Treppen mit Geschosspodesten