Jugendgästehaus in Dachau
Tragbolzentreppe mit degressiver Steigung
Das Jugendgästehaus nimmt die zunehmende Zahl der ausländischen Jugendlichen, die das Konzentrationlager Dachau besuchen, auf. Eine Stiftung, die sich darum bemüht hat, betreibt das Gästehaus wie eine Jugendherberge, wobei auch Seminare und Arbeitsgruppen zur intensiveren Auseinandersetzung mit der Geschichte beitragen.
Die Räume gruppieren sich um eine zentrale Halle, in der auch große Gruppentreffen und Veranstaltungen stattfinden können. Im Grundriss besteht das Gebäude aus zwei parallelen Flügeln, die Schlafräume befinden sich im Obergeschoss. Dort verbindet eine Brücke die beiden Flügel quer durch die Halle hinweg.
Treppe
Die Treppe sieht in der Ansicht sehr schlicht aus. Beim Begehen hat man das Gefühl, dass irgend etwas unregelmäßig ist. Unten - am Antritt - beginnt das Steigungsverhältnis mit 17,8/28 cm, oben - am Austritt - endet es sehr flach mit 15/34 cm.
Tatsächlich verändert sich das Steigungsverhältnis der Stufen von unten nach oben nicht.
Je Stufe ist die maximale Toleranzabweichung der Stufenhöhe bis zu 5 mm ausgenutzt; dafür wird die Trittstufentiefe nach der Blondel´schen Formel (2 a + s = 63 cm) angepasst.
Diese progressive bzw. degressive Zunahme des Steigungsdreiecks war den Bauherrn nicht leicht zu vermitteln. Es lag im Rahmen der alten DIN 18065, welche nach der Novellierung jetzt vorschreibt, dass sich in einem durchgehenden Treppenlauf das Steigungsverhältnis nicht ändern darf.
Diese Festlegung wird von einigen Treppenforschern in Frage gestellt, da Unfallstatistiken nicht bewiesen haben, dass dadurch eine Stolpergefahr entsteht.
Wir möchten dieses Experiment, das nur der Pfiffigkeit des Architekten zu verdanken ist, deshalb auch unter dem Titel Sonderbauten einordnen.
Bildnachweis: James Lürman
Bautafel
Architekt: Prof. Dr. Hierl BDA, München
Mitarbeiter: B. Franke
Bauherr: Stiftung Jugendgästehaus
Standort: Dachau
Fertigstellung: 1998
Treppentyp: Einläufige gerade Treppe