Hörsaalgebäude in Aarhus/DK
Mehrläufiges Treppenhaus
Seit Jahren sollte am Ende einer Senke aus der Eiszeit, die mit Teichen gefüllt ist und gleichzeitig den Campus der Universität von Aarhus bildet, ein Schlußpunkt mit einem Hörsaalgebäude gesetzt werden. Dabei sollte das Gebäude auf die heterogene Bebauung des übrigen Universitätsgeländes antworten und sich in die lockere Struktur eingliedern. Gefunden wurde die Lösung in einem H-förmigen Grundriss. Der Zugang zum Foyer befindet sich im Zwischentrakt zwischen zwei parallelen Gebäuderiegeln, die zugleich einen kleinen Eingangshof mit Orientierung zum Campusgelände mit den Teichen ergeben. Das Gebäude selbst ist mit sehr knappen Traufen und Ortgängen fast reduktionistisch kühl und reiht sich in die Tradition nordischer Architektekturklassik à la Arne Jacobsen und Gunnar Asplund ein.
Treppe
Die große Treppe, die vom ebenerdigen Eingangsfoyer zu den Vorbereichen der vier Hörsäle emporführt, gibt den nüchternen Gestaltauftakt vor. Wie die Gebäudekontur selbst sind alle Details im Inneren sehr knapp und ohne anmaßende Attitüde gehalten. Wesentliches Merkmal der Treppen ist ihre fast schon pragmatische Erscheinung: feine Stabgeländer tragen einen ununterbrochenen Rundholzhandlauf, der mit den Wangen und Randabstellungen durchgehend mitläuft und als Handlaufanfänger senkrecht am Boden beginnt. Mit einer gekröpften Rundung wird er in die Treppenschräge übergeleitet.
Die erste Hörsaal-Ebene wird mit zwei parallelen geraden Läufen angedient; die oberste Ebene dagegen nur mehr von einem Lauf. Derartig lange Treppenläufe mit bis zu 24 Steigungen ohne unterbrechendes Podest wären in Deutschland nicht möglich: Sieht aber trotzdem nicht so gefährlich aus wie uns die DIN-Vorschriften weis machen wollen.
Würden die Treppen nicht vor einem großen Fenster positioniert sein, das den Blick auf den Campus mit seinen beiden Teichen frei gibt, wäre das Treppenhaus in seiner unprätentiösen Schlichtheit ein ganz und gar unaufregender Raum. So hat man einen großartigen Überblick über den Universitätscampus und der Aufstieg zu den Hörsaalebenen wird zu einem räumlichen Erlebnis.
Bildnachweis: Torben Eskerod
Bautafel
Architekten: Arkitektfirmaet C.F.Mollers Tegnestue, DK-Aarhus
Mitarbeiter: Tom Danielsen, Morten Erichsen, Klavs Hyttel, Anna Maria Indrio, Lars Kierkegaard, Mads Moller, Henrik Staehr, Lone Wiggers, Hans Christian Soby, Karen Boldsen, Henning Christensen, Birger Christensen, Klaus Roed Hansen, Bjarne Frost
Tragwerk: Ramboll, Aarhus
Bauherr: Dänisches Ministerium für Unterricht und Kultur
Standort: Aarhus, Bartholins Allé, Universitetspark
Fertigstellung: 2001
Treppentyp: mehrläufig gerade Treppe mit Wendepodesten