Europaparlament in Strasbourg/F

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Doppelhelix-Wendeltreppen

Neben dem Hauptsitz in Brüssel hat das Europäische Parlament nun einen neuen Bürositz in Strasbourg. Das Pariser Büro Architecture Studio, vorher schon bekannt durch die Zusammenarbeit mit Jean Nouvel beim Institut du Monde Arabe in Paris, gewann den 1991 europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb. Rund eine Milliarde D-Mark hat der neue Parlamentssitz gekostet. Die Lösung der komplexen Aufgabe, bei der es galt 1133 Abgeordnetenbüros, einen Plenarsaal mit 750 Sitzen und 18 Einzelsäle mit 50 bis 350 Sitzen unterzubringen, lösten die Architekten mit einem runden Turm mit ovalem Innenhof als so genannte Agora und einem angegliederten C-förmigen Glasbau.
Innen lässt sich der Plenarsaal als kugelförmiges, holzverkleidetes Gebilde ablesen, um den sich die Flurbereiche und Lobbies klammern. Die Beschränkung auf wenige Materialien ist zwar ablesbar, geht in der schieren Masse des Gebäudes aber aufgrund der multifunktionalen Nutzung mit Gesprächs-"Alkoven", diversen Bars und Restaurants, dem Pressezentrum etc. fast unter. Der Turm ist an seiner Außenseite abgetreppt, um sein massives Erscheinungsbild aufzulösen. Die sich durch die "Lücken" ergebenden Terrassen können von den Parlamentariern in den Sitzungspausen als Ausblick auf das mittelalterliche Weichbild der Altstadt genutzt werden.

Treppe
Die im Zentrum des C-Baus liegende Haupttreppe hat einen barocken Vorläufer. Die Doppelhelix zwingt die Treppensteigenden in zwei sich nicht berührende Bewegungslinien: man kann nicht von einer Treppe auf die nächste wechseln. Früher dienten solche Sonderlösungen dazu, um in repräsentativen Gebäuden "Kommende" und "Gehende" voneinander zu trennen, ihnen jedoch die Möglichkeit zur Konversation und zum Blickkontakt zu geben.
Die Treppen sind freitragend als Stahlkonstruktionen konzipiert. Die Bekleidung der Tritt- und Setzstufen aus weißem Carrara-Marmor bildet gegen die anthrazitfarbenen Stahlwangen einen edlen Kontrapunkt. Die Geländer aus eingespannten, bogenförmigen Sekuritglasscheiben mit Edelstahlhandläufen treten gegenüber der stark formalen Wirkung des Treppenbauwerks in den Hintergrund.

Bildnachweis: Robertino Nikolic

Bautafel

Architekten: Architecture Studio Europe, Paris
Projektverantwortliche: Martin Robain, Rodo Tisnado, Jean Francois Bonne, Alain Bretagnolle, Renaud Henn-Arnand, Laurent-Marc Fischer, Marc Lehmann
Projektpartner: G.Valente, Strasbourg
Bauherr: SERS ( Eurpäisches Parlament)
Standort: Quai du Chanoine Winterer, Strasbourg
Fertigstellung: 1998
Treppentyp: zweiläufig gewendelte Doppelhelixtreppen